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HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Polizei stoppt Hooligans (K)ein ganz normales Regionalligaspiel

05.11.2006 ·  Hubschrauber kreisten über der Stadt, Wasserwerfer standen zu Dutzenden bereit. Mit einem Großaufgebot erstickte die Polizei die befürchteten Ausschreitungen beim Ostderby zwischen Dynamo Dresden und Union Berlin schon im Ansatz.

Von Reiner Burger, Dresden
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Als Polizeioberrat Uwe Göbel am Samstag abend seine Bilanz der Regionalligabegegnung zwischen dem 1. FC Dynamo Dresden und dem 1. FC Union Berlin zog, klang das zunächst nach Fußballroutine. „Unser Einsatzkonzept ist aufgegangen. Wir haben dabei vor allem auf Deeskalation und konsequente Trennung der Anhänger beider Mannschaften gesetzt.“ Auch mußten nur 14 Anzeigen (unter anderem fünf wegen versuchter Körperverletzung) aufgenommen werden. Wiederum 14 Personen erhielten einen Platzverweis.

Die befürchtete Randale ist am Samstag ausgeblieben. Doch dafür war ein gigantisches Polizeiaufgebot notwendig. Aus Sachsen, Bayern und Brandenburg waren 1100 Polizisten im Einsatz. Für die An- und Abreise der 2000 Berliner Fans waren 575 Bahnpolizeibeamte zuständig.

Verfeindete Anhänger

Fußballpartien mit Dynamo Dresden gelten seit langem als Hochrisiko-Spiele. Erst am vorvergangenen Wochenende war es in Berlin bei der Begegnung zwischen Dynamo Dresden und Hertha BSC Berlin II zu schweren Ausschreitungen gekommen (Siehe auch: FAZ.NET-Spezial: Gewalt in deutschen Fußballstadien). Nach Polizeiangaben rissen Hunderte sächsische Hooligans Sitze aus der Verankerung und griffen Sicherheitsbeamte an. Um am Samstag das Konfliktpotential zwischen den traditionell verfeindeten Anhängern von Dynamo Dresden und Union Berlin von vornherein zu minimieren, konnten Berliner Fans Karten für das Ost-Derby nur in Verbindung mit einem Zugticket erwerben.

Dynamo besiegt Union: (K)ein ganz normales Regionalligaspiel

Am Dresdner Hauptbahnhof nahmen Sicherheitsbeamte die Fans im Empfang und eskortierten sie ins Rudolf-Harbig-Stadion. Wie nötig dieser Aufwand war, zeigte sich dann an der Kreuzung in der Nähe des Stadions, als die Berliner Fans von einigen Dynamo-Anhängern mit Bierflaschen, Bananen und Apfelsinen beworfen wurden. Während des Spiels bemühten sich die Dresdner Anhänger mit Choreographien um einen positiven Kontrapunkt zu den bisherigen Krawallnachrichten. Auch das Ergebnis könnte beruhigend auf die Dynamo-Fans gewirkten haben - Dresden gewann 2: 0.

Rauchbombenwerfer soll zahlen

„Wir haben heute bewiesen, daß wir Spiele ordentlich über die Bühne bringen können. Ich bin froh und zufrieden, wie das alles abgelaufen ist“, sagte Volkmar Köster. Der Hauptgeschäftsführer von Dynamo Dresden bekräftigte, daß sein Verein gegen Krawallmacher künftig auch zivilrechtlich vergehen wolle. Offenbar sei der Griff in die Geldbeutel die einzige Sprache, die manche Leute verstünden. Tatsächlich wurde mittlerweile ein 24 Jahre alter Rowdy, der bei einem Dynamo-Spiel in Lübeck eine Rauchbombe geworfen hatte, nicht nur mit einem Stadionverbot für die kommenden fünf Jahre belegt. Der Mann muß nun damit rechnen, auch jene Geldstrafe zu begleichen, die Dynamo Dresden wegen des Vorfalls noch vom DFB erwartet. So werde es in Zukunft jedem gehen, der auf Kosten des Vereins und seiner vielen Fans glaube, „wilde Sau“ spielen zu müssen. „Die nächsten Verfahren werden wir einleiten, wenn die Verursacher der Randale beim Spiel gegen Hertha BSC II identifiziert sind“, sagte Köster.

Freilich ist fraglich, ob künftig jedes brisante Drittligaspiel von mehr als 1600 Polizisten abgesichert werden kann. In Dresden wird damit gerechnet, daß der Einsatz am Samstag Kosten in sechsstelliger Höhe verursacht hat. Mit einem Bruchteil des Geldes könnte das lange Zeit stiefmütterlich behandelte Dynamo-Fanprojekt für einige Zeit gesichert werden. Dynamo-Kapitän Volker Oppitz forderte mehr Zivilcourage und rief die „echten“ Fans dazu auf, Gewalttäter auszugrenzen. Ob dieser Appell fruchtet, können Dynamo-Fans nun bei kommenden Partien zeigen. Das Spiel gegen den FC St. Pauli am 25. November dürfte in Dresden dann für den nächsten Großeinsatz der Polizei sorgen.

Quelle: F.A.Z. vom 6. November 2006
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Jahrgang 1969, politischer Korrespondent in Nordrhein-Westfalen.

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