Die Coaching-Zone ist ihm zu klein. Claus-Dieter Wollitz spielt mit, daran kann ihn diese Kreidelinie nicht hindern. Der Trainer des VfL Osnabrück ist auch deswegen so schlank geblieben, weil er ständig herumwuselt. Das wird auch an diesem Dienstag nicht anders sein. An der Bremer Brücke empfängt der VfL Osnabrück im Achtelfinale des DFB-Pokals Hertha BSC Berlin (Siehe auch: FAZ.NET-Liveticker)
Ein Feiertag für Wollitz und ganz Osnabrück. Dort ist der echte, unverfälschte Fußball zu Hause - eine einzigartig authentische Stimmung herrscht im alten Stadion. Die Fans gelten als besonders treu. So etwas ist Lebenselixier für einen Mann wie Wollitz, dem als Profi gern mal die Sicherungen durchbrannten, der sich jetzt aber gereift fühlt und lieber als akribischer Arbeiter durchgehen möchte.
VfL will den Aufstieg im dritten Anlauf
Er trainiert den VfL Osnabrück seit 2004. Damals kaufte er sich aus seinem Vertrag als Coach des KFC Uerdingen frei, um die Chance bei diesem arrivierten Drittligaklub mit Ambitionen zu nutzen und die Niedersachsen endlich wieder in die zweite Liga zu führen. Zweimal scheiterte er knapp, doch in dieser Saison soll es endlich klappen: Der VfL führt die Regionalliga Nord an. Unter dem umsichtigen Präsidenten Lothar Gans ist Drittligafußball in Osnabrück ohne Verschuldung, aber mit viel Herzblut und Begeisterung möglich geworden - trotzdem ist die zweite Liga natürlich das Ziel des Traditionsvereins.
Wollitz möchte nichts lieber als das und dorthin zurück, denn der VfL war schon einmal seine Heimat: Er spielte dort als Profi Anfang der neunziger Jahre in der zweiten Liga. Nun sollen die Einnahmen aus dem Pokal den Aufstieg im dritten Anlauf ermöglichen. „Wir haben verstanden, worum es für uns im Pokal geht", sagt Wollitz, „es ist uns gleichgültig, ob wir im Niedersachsenpokal gegen Bückeburg oder gegen die Hertha spielen." Der Erfolg im Landespokal hat den Osnabrückern ja erst die Teilnahme am DFB-Pokal ermöglicht.
„Klug und leidenschaftlich spielen“
Mit einer guten Mischung aus Alt und Jung will Wollitz' Team als letzter verbliebener Amateurklub den zweiten Bundesliga-Vertreter nach Borussia Mönchengladbach aus dem Wettbewerb stoßen. „Wenn wir klug und leidenschaftlich spielen, haben wir eine Chance", sagt Wollitz.
Er vertraut vor allem auf erfahrene Profis wie Thomas Cichon, einst in Köln unter Vertrag, Markus Feldhoff oder Thomas Reichenberger. Beide galten einmal als große Talente des deutschen Fußballs. Sie alle verdienen gut beim VfL, wissen aber auch, daß der Aufstieg 2007 ihre wohl letzte Chance auf Fußball in Liga zwei ist. Wer seine Laufbahn locker ausklingen lassen will, ist beim Kämpfer Claus-Dieter Wollitz ganz sicher an der falschen Adresse.