Mit dem Wort Blamage ist man im Fußball allzu schnell bei der Hand. Viel zu viele Niederlagen werden mit diesem Etikett versehen, selbst wenn der Gegner nur einen Tick besser oder glücklicher gewesen ist. Auch im DFB-Pokal muss nicht jedes Scheitern eines Klubs aus der Oberklasse an einem Verein der Unterklasse blamabel genannt werden. Bundesliga-Aufsteiger Greuther Fürth, mit einem Personaletat von acht Millionen Euro ausgestattet, schied durch ein 0:2 gegen den Drittligaverein Kickers Offenbach wegen eines umstrittenen Handelfmeters und eines Konters in der Nachspielzeit aus. Passiert eben mal.
Was sich 1899 Hoffenheim jedoch gegen den Berliner AK leistete, das ist nicht mehr so einfach abzutun - bei allem Wohlwollen mit den Profis und aller Wertschätzung der Leistung der Regionalligaspieler. Es handelte sich um die Kapitulation Goliaths vor David. Eine Erklärung dafür hat Trainer Babbel auf Anhieb nicht gefunden, und aus der Ferne fällt es noch viel schwerer, Gründe dafür zu finden, dass Berufsspieler ihrem Beruf nicht nachgehen.
Aber festzuhalten bleibt, dass in Hoffenheim seit vielen, vielen Monaten die Mannschaftsleistung schwächer ist als das Potential der Einzelspieler. In der vergangenen Saison ist Holger Stanislawski an der Hoffenheimer Lethargie gescheitert, ein auf St.Pauli gefeierter Motivationskünstler und Taktiker. Einer, der in Einzel- und Gruppengesprächen die Psyche seiner Mitarbeiter ergründet und alle auf seinem Weg zum Erfolg mitnehmen möchte. Doch an viele im Hoffenheimer Kader kam er nicht heran.
Auch sein Nachfolger Markus Babbel hat in Stuttgart und bei der Hertha immer Zugang zu seiner Mannschaft gehabt. Er gilt als Trainer, der eine Zukunft bei den großen Vereinen der Bundesliga haben könnte - wenn ihm nicht die Hoffenheimer Mentalität in die Quere kommt.
Natürlich ist es viel zu früh, um von einem Scheitern Babbels im Kraichgau zu sprechen. Aber der Blick zurück in die vergangene Saison zeigt, wie schwer es ist, einen solchen Rückschlag im ersten Pflichtspiel zu verarbeiten. Robin Dutt und Bayer Leverkusen etwa haben sich vom 3:4 nach 3:0-Führung in Dresden danach nie so richtig erholt. Die schwierige Beziehung endete mit der Entlassung im Frühjahr. Erst mit einer neuen Trainerkombination (Hyypiä/Lewandowski) wurde das kleinste Saisonziel (Europa League) noch erreicht.
Auch Achim Sorg und der SC Freiburg verdauten das 2:3 in Unterhaching nie. Nach einer schwachen Bundesligavorrunde trennte sich der Klub vom Trainer - und legte mit Christian Streich einen aufsehenerregenden Neustart hin. Und Felix Magath „überlebte“ zwar beim VfL Wolfsburg das 2:3 gegen RB Leipzig, aber auch deren Bundesligasaison wendete sich nicht mehr zum Guten. Einzig Werder Bremen spielte eine gute Hinrunde nach dem Pokal-Aus in Heidenheim, aber die Mannschaft von Trainer Schaaf schlitterte in der Rückrunde in eine Krise. Ob Blamage oder nicht: auf Hoffenheim, Greuther Fürth, den Hamburger SV, Werder Bremen, Eintracht Frankfurt und den 1. FC Nürnberg kommt offenbar nicht viel Gutes zu.
Pokal sagt gar nichts
Hermann Erb (sorbas17)
- 20.08.2012, 10:33 Uhr
Zwei Bundesligisten darf es schon...
Thomas Kobler (ThomasKobler)
- 20.08.2012, 10:15 Uhr