Kann man einem Klub, der sich anschickt, am Samstag die Champions League zu gewinnen, eine Mängelliste unter die Nase reiben? Der Fußball hat darauf zwei populäre Antworten. Niemals - aber nur dann, wenn die Bayern in ihrem Münchner Finale tatsächlich zum Meister von Europa werden. Natürlich - wenn sie am Ende mit leeren Händen dastehen, ohne Meisterschale, ohne DFB-Pokal, ohne Champions-League-Trophäe. Denn der Sieger, dieses Prinzip funktioniert nach wie vor, hat immer recht.
Aber so kommt man natürlich nicht weiter, das wissen auch die Bayern. Selbst wenn sie gegen Chelsea verlieren sollten, ist diese Saison kein Reinfall, auch wenn sie damit „Bayer Vizekusen“ anno 2002 mit drei verpassten Titeln innerhalb von ein paar Wochen Konkurrenz machen würden. Und wenn die Münchner tatsächlich in ihrer Arena triumphieren sollten, sind sie zwar die erfolgreichste Mannschaft Europas, aber eben noch nicht die beste. Das sind sie ja nicht einmal in Deutschland.
Nach der Niederlage gegen Dortmund kann man feststellen: Die Bayern haben nichts dazugelernt. Zumindest nicht, wie man gegen das Klopp-System ankommt. Gegen die Spritzigkeit, Leichtfüßigkeit und Giftigkeit, die die DNA des BVB ausmachen, reichen das Münchner Passspiel und die individuell eigentlich höhere Qualität nicht aus. Fünf Niederlagen nacheinander auf ein und dieselbe Weise sind kein Zufall, sondern das Ergebnis von erstklassiger Dortmunder Arbeit.
Die Borussia hat den Münchnern immer wieder gezeigt, wo ihre Schwächen liegen: in einem Angriffsspiel mit Stoßstürmer Gomez, der kaum mitspielen kann (wie Lewandowski in Dortmund oder Klose im Nationalteam), wenn die Außenpositionen lahmgelegt werden; in einem Abwehrverbund, der neben individuellen Fehlern immer auch unter nachlässigem defensiven Mannschaftsspiel zu leiden hat - der sich bei einem Rückstand oft so weit auseinanderziehen lässt, dass Raum frei wird, den ein kluges und laufstarkes Team wie die Borussia zu nutzen versteht.
Aber daraus entsteht keine Dortmunder Dominanz auf Jahre hinaus, das sind Münchner Schwächen, an denen sich auf dem Trainingsplatz und am Transfermarkt arbeiten lässt - wenn man es denn will.
Dem deutschen Fußball kann es jedenfalls nur guttun, wenn die Bayern nun auch national auf höchstem Niveau gefordert werden - und sich nicht nur von Europa anspornen lassen. Den überheblichen Hinweis, die Dortmunder müssten erst mal in der Champions League ihre Klasse beweisen, haben sich die Bayern nach der Demütigung diesmal gespart. Sie ahnen vielleicht, dass die Borussia das tatsächlich bald tun kann.
Die Klasse sowie die spielerische und finanzielle Kraft hat der deutsche Double-Gewinner mittlerweile, um die Bayern nicht nur national hinter sich zu lassen, sondern auch in der Champions League herauszufordern. Auf die großen Duelle zwischen Borussen und Bayern in den nächsten Jahren kann sich der deutsche Fußball schon jetzt freuen.
Die Nummer 1 und der Emporkömmling
Michael Rembrink (mr1960)
- 14.05.2012, 18:59 Uhr
Vor allem hat der DFB nichts gelernt!
Michael Scheffler (Striesner)
- 14.05.2012, 12:36 Uhr
Zweifellos, den Bayern...
Thomas Kobler (ThomasKobler)
- 14.05.2012, 10:29 Uhr
Dordmunder Dominanz
Tautz von Tronje (Tautron)
- 14.05.2012, 10:06 Uhr