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Philipp Lahm Selbstlos wie Harry

 ·  Der Kapitän als Assistent de luxe: Philipp Lahms Offensivgeist soll über das Rückspiel gegen Arsenal am Mittwoch (20.45 Uhr) hinaus tragen. Der Nationalspieler sieht bei den Bayern rosigen Zeiten entgegen.

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© AFP Vergrößern „Es passiert jetzt so, wie ich es immer wollte, wie ich es mir immer erträumt habe“: Philipp Lahm

Verteidiger haben es schwer, mit Zahlen zu imponieren. Das Zählbare besorgen meist die Sturmkollegen. Doch Philipp Lahm geht mehr und mehr in die Offensive. Seine Flanke auf Jerome Boateng zum 3:2-Siegtor gegen Fortuna Düsseldorf am Samstag war seine neunte Torvorlage in der laufenden Bundesligasaison, persönlicher Rekord für den Kapitän des FC Bayern.

Allein in den vergangenen drei Wochen ist der Außenverteidiger sechsmal in fünf Spielen erfolgreich in die Rolle des Außenstürmers geschlüpft, der die Kollegen in der Mitte mustergültig bediente: zweimal gegen Bremen, zweimal gegen Düsseldorf, dann bei Arjen Robbens Siegtor im Pokal gegen Dortmund; und nicht zuletzt bei Mario Mandzukics Tor zum 3:1-Endstand im Achtelfinalhinspiel der Champions League beim FC Arsenal, das die Bayern für das Rückspiel an diesem Mittwoch (20.45 Uhr / Live im Champions-League-Ticker bei FAZ.NET) in eine glänzende Position brachte.

Insgesamt stehen damit in 34 Bayern-Saisonspielen für Lahm 15 sogenannte „Assists“ zu Buche - ein Assistent de luxe, so selbstlos, wie man in München keinen sah, seit Harry für Kommissar Derrick schon mal den Wagen holte.

Es war immer Derrick, der den Fall löste, und auch Lahm überlässt den Glanz gern einem anderen - an 15 Toren beteiligt, an keinem als Torschütze. Dass einer wie Lahm, der von all seinen Trainern mit unterschiedlichen Worten, aber immer demselben Tenor gelobt wurde - 1,70 Meter Fußballintelligenz -, nun so offensiv spielt, zeigt die Stabilität der Bayern.

Denn er war als Verteidiger nie ein verkappter Stürmer wie etwa die Brasilianer Dani Alves (Barcelona), Marcelo (Real Madrid) oder Maicon (einst Inter Mailand), sondern einer, bei dem die Sicherheit seiner Abwehrseite stets Priorität hatte. Nun aber genießt er die Freiheit der Ordnung. „Die Außen können offensiver spielen“, sagt er, „weil das Zentrum dichter ist, dank der Innenverteidiger und des defensiven Mittelfelds.“

So erlebt Lahm nach einigen turbulenten Jahren eine besonders ruhige Saison. 2009 hielt er der Klubführung in einem nicht genehmigten Interview vor, der FC Bayern habe keine fußballerische Identität und hole Spieler „nach dem Zufallsprinzip“. Das brachte ihm eine Rekordstrafe von 50.000 Euro ein - aber auch die nun im Interview mit dem Magazin „Bundesliga“ geäußerte Genugtuung, dass inzwischen alles anders geworden sei: „Wir haben ein Spielsystem, wir holen Spieler gezielt - wir sind auf einem sehr, sehr guten Weg.“

2010 spaltete er das Fußballvolk, als er die Verletzung Michael Ballacks dazu nutzte, die Kapitänsbinde im Nationalteam dauerhaft von Ballack zu übernehmen. Und 2011 löste seine Autobiographie Ärger bei früheren Weggefährten wie Rudi Völler aus. 2012/13 aber ist mehr Ruhe eingekehrt in die Lebensplanung des Jungvaters. Dafür leistet sich der Mann, den viele Kritiker als Strippenzieher hinter Lahms karrierefördernden Aktionen sahen, sein Berater Roman Grill, nun turbulente Tage: Seit er als Trainer den viertklassigen Vorortklub FC Ismaning übernahm, ist das Team von einem Spielerstreik zerrissen.

Ismaning ein Intrigenstadel, der FC Bayern ein Hollywood der Harmonie - kuriose Fußballzeiten. Lahm jedenfalls kann sich auf die Schulter klopfen, auf das richtige Pferd gesetzt zu haben, also in München geblieben zu sein. 2008 wollte Pep Guardiola, dass Lahm nach Barcelona kommt. 2013 kommt Guardiola nach München, und Lahm ist noch da.

„Es passiert jetzt so, wie ich es immer wollte, wie ich es mir immer erträumt habe: mit meinem Verein, bei dem ich groß geworden bin, eine Größe in Europa zu werden“, sagte der gebürtige Münchner im Interview mit der „Welt am Sonntag“. „Der FC Bayern ist mein Zuhause, ich fühle mich hier pudelwohl. Ich sehe rosigen Zeiten entgegen.“ Vieles spreche dafür, „dass ich meine Karriere beim FC Bayern beende“.

Pressestimmen: Habemus Messi

Lahm sieht sein Team als „Mitfavoriten“ in der Champions League, man sei „gegen niemanden Außenseiter“. Schon gar nicht gegen Arsenal, das - zumal ohne den verletzten Lukas Podolski - einen historischen Abend brauchte, um den Bayern beikommen zu können. In zwanzig Jahren Champions League haben nur zwei Mannschaften nach einer Heimniederlage im Hinspiel das Weiterkommen noch geschafft: 1996 Ajax Amsterdam (gegen Panathinaikos Athen) und 2011 Inter Mailand - gegen Bayern München.

Doch ist der 3:1-Vorsprung aus dem Hinspiel in London deutlicher als das damalige 1:0 in Mailand, und so müssten sich die Bayern schon die schlechteste Heimdarbietung ihrer Champions-League-Geschichte leisten, um das Viertelfinale noch zu verpassen. Dagegen spricht vieles: die Defensive der Bayern, die Offensive der Bayern und ein Bayern-Kapitän, der in Defensive und Offensive eine Bank ist.

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