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Veröffentlicht: 02.02.2015, 12:23 Uhr

Pegida und der Fußball Hooligans als Schutztruppe

Den Erfolg fremdenfeindlicher Bewegungen wie Pegida haben „rechtsmotivierte“ Fans von Fußballvereinen ermöglicht. Manche der Hooligans verstehen sich als eine Art moderne SA. An diesem Montag beginnt der erste Prozess gegen eine von ihnen.

von Olaf Sundermeyer, Leipzig
© dpa Machten Pegida erst möglich: die Hooligans und ihre kruden Vorstellungen

Vereinzelt fallen Schneeflocken auf die Köpfe derjenigen, die sich auf dem von Polizisten mit Helmen eingefassten Augustusplatz in Leipzig versammelt haben. Es sind sehr viel weniger Menschen als in den Vorwochen bei Legida, dem lokalen Ableger von Pegida. Es hat sich reduziert auf einen radikalen Rest, auf 1500 zumeist männliche Protestierer. Geblieben sind vor allem „rechtsmotivierte“ Hooligans und Neonazis aus freien Kameradschaften, die von Anfang an dabei sind, und die sich an diesem nasskalten Abend an der Zuneigung wärmen, die ihnen mit gepresster Stimme von der Bühne aus zuteilwird: „Nun ein Wort an euch Hools, die ihr heute Abend wieder hier seid, weil ihr versprochen habt, das Volk vor der Antifa zu schützen.“ Jubel und Applaus bei den Angesprochenen.

Legida-Redner Friedrich Fröbel stellt damit öffentlich klar, was sich bei den Demonstrationen der Pegida-Bewegung, ob in Leipzig oder Düsseldorf, vor allem aber auch in Dresden, deutlich gezeigt hat: dass „rechtsmotivierte“ Hooligans als Schutztruppe und lautstarke Einpeitscher dieser bundesweiten fremdenfeindlichen Bewegung auftreten. An diesem Abend werden sie öffentlich zu einer allgemeinen Bürgerwehr stilisiert: „Wenn die Politik unsere Polizei weiter so kaputt spart, dann werdet ihr noch einmal gefordert sein, Seite an Seite mit diesen Polizisten Recht und Gesetz zu verteidigen“, brüllt Fröbel. Die angesprochenen Hooligans, von denen sich nicht wenige als eine Art moderne SA verstehen, brüllen ihre Antwort zu Hunderten in den Nachthimmel: „Wir sind da! Wir sind da!“

Gefühltes Gewaltmonopol

Seit Wochen waren sie da. In Leipzig und in Dresden, die meisten von ihnen aus Sachsen, von Lokomotive Leipzig und Dynamo Dresden, aber auch aus Chemnitz, Erfurt, Magdeburg, Braunschweig, Cottbus und vom BFC Dynamo aus Berlin. Sie waren es, die Journalisten auf Distanz hielten, unliebsame Reporter und Fotografen sogar körperlich angriffen, die Kameramänner bedrängten, die immer wieder, auch an diesem Abend in Leipzig, den „völkischen“ Ruf von der „Lügenpresse“ intonieren, der es nur durch sie zum Unwort des Jahres gebracht hat. Die über Wochen das gefühlte Gewaltmonopol bei den Pegida-Demonstrationen in Dresden innehatten, überlassen von einer Polizei, die sich dort auffallend zurückhielt, wo die Masse am größten war.

„Ihr müsst heute alle Ordner sein“, rief die damalige Pegida-Sprecherin Kathrin Oertel noch in der vergangenen Woche den Demonstranten auf dem Theaterplatz vor der Semperoper in Dresden zu. Und die Hooligans unter ihnen, die auch dort wieder zahlreich erschienen waren, wussten, was gemeint war. Sie haben den zwischenzeitlichen Erfolg von Pegida erst ermöglicht. Weil sie den Gegenprotest ferngehalten und die Pressefreiheit während der Demonstrationen eingeschränkt hatten. Sie haben dafür gesorgt, dass sich Tausende Pegida-Demonstranten für rund drei Stunden als eine Art Volksgemeinschaft fühlen und sich dem Irrglauben „Wir sind das Volk“ in erstaunlicher Selbstüberschätzung hingeben konnten.

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In Dresden hat sich ihnen niemand in den Weg gestellt, nicht die Gegendemonstranten, aus Angst und weil sie dort zu wenige waren, nicht die Polizei, aus taktischen Gründen, wie es hieß, nicht der Sächsische Fußball-Verband und auch nicht der Verein, dessen Hooligans von Beginn an ein wesentlicher Faktor im Pegida-Konzept waren. Dynamo Dresden, dessen Geschäftsführung keine Notwendigkeit darin sah, sich zu diesem Einfluss zu positionieren, will den Rechtsextremismus bei manchen Anhängern des Vereins nicht mal wahrgenommen haben. Sie alle haben die Hooligans und damit Pegida stark gemacht.

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