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Paris Saint-Germain Kein Platz mehr für alten Adel

 ·  Paris Saint-Germain wird von Geld aus Qatar geflutet, ist „chic“ - aber frühere Anhänger wenden sich ab. Frauen in hohen Schuhen, die in der Halbzeit den Eingangsbereich der Damentoiletten blockieren, mag nicht jeder.

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© AFP Vergrößern Die Scheichs aus Qatar zahlen nicht nur, sie verändern auch den Verein

Adieu, PSG. Bonjour, PFC. Getreu dem Credo, dass Tradition nichts und Vermarktung alles ist, wagt sich die qatarische Klubführung von Paris Saint-Germain nach der sportlichen Rundumerneuerung an das mediale Feintuning. Um den Verein als Marke mit globalem Wiedererkennungswert zu etablieren, soll der Namenszusatz Saint-Germain auf dem Vereinsemblem getilgt und zum griffigeren Paris FC verschlankt werden.

Auch Lilie und Wiege, als royale Familieninsignien der Bourbonen seit 42 Jahren als Symbol der geographischen Geburtsstätte des Klubs auf dem Wappen abgebildet, sollen weichen. Neben dem Herrscherhaus von Doha ist kein Platz für alten Adel mehr.

Um den Prestigefaktor von PSG zu mehren, ist den Qatarern, die weltweit in Luxusgüter mit hoher Symbolkraft investieren, jedes Mittel recht. Ohne Rücksicht auf gewachsene Strukturen hat sich die Eignergesellschaft Qatar Sports Investment (QSI) den Verein so hemmungslos gründlich einverleibt, dass die eigenen Fans ihn nicht wiedererkennen.

Noch keine zwei Jahre ist es her, da dachte, wer über PSG sprach, an rassistische Ausschreitungen und Ultras, die sich lieber miteinander prügelten als mit denen des Gegners. PSG, das war die Rivalität der Kurven Boulogne und Auteuil und vor allem sportliches Mittelmaß. Jetzt ist Paris - Herbstmeister der Ligue 1 - „chic“ und bietet Fußball als Society-Erlebnis für die gehobene Pariser Klasse.

Wo sich früher rechtsgesinnte Bürgersöhne und Migranten aus der Banlieue grölend gegenüber standen, stehen jetzt Frauen in hohen Schuhen und edlen Jeans, die in der Halbzeit den Eingangsbereich der Damentoiletten blockieren, weil sie sich die Haare richten müssen. In Blocks, in denen einst die Stimmung überkochte, animieren nun professionelle Einheizer das träge Publikum zum Klatschen, während unten auf dem Rasen Cheerleader die Buchstaben des Vereinsnamens tanzen. Die QSI hat den Fußballklub im Schnellverfahren zu einem Lifestylezirkus umgewandelt, der den Fan nur noch als zahlenden Kunden duldet.

Es zählen nur mehr Erfolg und Publicity, und insofern liegt Paris auf Kurs. Als einziger französischer Teilnehmer zog der Gruppensieger ins Achtelfinale der Champions League ein und trifft dort auf den FC Valencia, erfüllte mit dem Gewinn der Herbstmeisterschaft am letzten Hinrundenspieltag auch national seine Pflicht und verfügt mit Zlatan Ibrahimovic über die unumstrittene Attraktion der Liga. In 16 Spielen erzielte der schwedische Liga-Liebling mehr als die Hälfte der Pariser Tore und lenkte mit seinen 18 Treffern die internationale Aufmerksamkeit nach Frankreich. Mit dem 40-Millionen-Euro-Brasilianer Lucas traf nun im Trainingslager in Doha ein weiterer „Wunderspieler“ bei der Mannschaft ein.

Doch das neue PSG materialisiert sich nicht nur in teuren ausländischen Stars, es visualisiert sich vor allem auf den Tribünen. Mit den „Bobos“, den bourgeoisen Bohemiens, haben die Schönlinge und Erfolgsfans den Fußball für sich entdeckt. In nagelneuen Vereinstrikots bevölkern sie, die dekorative Freundin im Schlepptau, das Stadion. Auf der Strecke geblieben sind der gemeine Fan und die Atmosphäre. Mit der Parole „Der Park ist tot“ rufen frühere Dauerkartenbesitzer seit Saisonbeginn zum Boykott der Heimspiele auf. Die Folge ist eine Stimmungsflaute und die Erkenntnis, dass sich eben nicht alles kaufen lässt. Dabei wurden vergangene Woche bereits neue Finanzmittel akquiriert.

Ein millionenschwerer Sponsoring-Vertrag mit der Tourismusbehörde von Qatar (QTA) erlaubt in dieser Winterpause weiterhin ungebremste Transferaktivität und verspricht dank eines gewieften Kniffs auch die Lösung für das Ungemach des Financial Fairplay (FFP). Da der europäische Fußballverband ( Uefa) künftig von allen Vereinen verantwortungsvolleres Wirtschaften fordert und unterbinden will, dass reiche Gönner Defizite ausgleichen, müssen sich auch bei PSG Ausgaben und Einnahmen fortan annähernd decken.

Insofern kommt gelegen, dass die QTA vier Jahre lang pro Saison zwischen 150 und 200 Millionen Euro für die Trikotwerbung zahlen will. Weil die Pariser Brust damit aber weit mehr wert wäre als die der Spieler von Barcelona, Madrid und Manchester United zusammen und sich selbst bei einer Dreingabe der Namensrechte am Stadion nicht von einem angemessenen Marktpreis sprechen ließe, hat sich die Klubführung etwas einfallen lassen, um dem Vorwurf der Unverhältnismäßigkeit vorzubeugen.

Paris fungiere von nun an als Botschafter des Emirats, als erster internationaler Repräsentant des Wüstenreichs, lautete die Erklärung der Qaterer - als sportliche Projektionsfläche des nahöstlichen Geltungsdrangs, lautet hingegen der Vorwurf der Kritiker. Die Reaktion der Uefa steht noch aus, die Anhänger allerdings haben bereits reagiert und den Vereinsslogan „Paris est magique“ vielsagend umgedeutet. Für sie heißt es jetzt: „Paris, c’est tragique.“

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