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Overath im Interview „Ganz Köln will Christoph Daum“

09.05.2005 ·  Der Präsident des 1. FC Köln, Wolfgang Overath, im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung über Wunsch und Wirklichkeit beim Aufsteiger, die schwierige Trainersuche und das Wagnis, den Etat kräftig zu erhöhen.

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FC-Präsident Overath über Wunsch und Wirklichkeit beim Aufsteiger.

Glückwunsch zum Aufstieg. Aber ist die aktuelle Mannschaft nicht zu schwach, um in der Bundesliga bleiben zu können?

Wir haben gesagt, wir wollen, wir werden und wir müssen aufsteigen. Das ist uns gelungen. Aber wir brauchen uns nichts vorzumachen: Spielerisch haben wir nicht das gezeigt, was wir uns alle vorgenommen haben. Wir haben eine saubere Mannschaft mit guten Charakteren, aber keine Führungsfiguren. In der ersten Liga werden wir besser spielen, anders geht es gar nicht.

Hört sich an, als wollten Sie die Mannschaft kräftig verändern.

Unsere wichtigste Aufgabe ist es, einen guten Trainer und drei, vier neue Spieler mit Führungsqualität zu holen.

Kommt Christoph Daum als Trainer für den FC in Frage?

Tun Sie mir das nicht an. Das Thema ist jetzt hier, Gott sei Dank, mal wieder vom Tisch.

Aber alle reden darüber.

Christoph ist sicher der Wunschtrainer der gesamten Region. Der Präsident, der Manager, die Fans, der Pressesprecher - alle wollen ihn haben. Aber es ist unrealistisch, zur Zeit darüber zu reden. Wir leben in verschiedenen Welten. Der Christoph hat ganz andere Möglichkeiten, er trainiert eine Mannschaft, die in der Champions League spielt. Er bekommt in Istanbul ein Gehalt, das nicht vergleichbar ist mit dem, was er bei uns verdienen könnte, selbst wenn wir uns anstrengen würden bis zum Gehtnichtmehr. Was er da hinten verdient, ist für uns im Moment nicht realisierbar.

Im Moment nicht, aber vielleicht später?

Ich stehe nach wie vor im Kontakt zu Christoph Daum, wir haben ein gutes Verhältnis. Wenn wir irgendwann eine Chance sehen, ihn zu verpflichten, gerne. Aber wir dürfen nur über Dinge reden, die realistisch sind. Es geht ja nicht nur um das Geld, das Christoph bekäme. Aufgrund seines Könnens und seiner Erfolge könnte er natürlich vom Klub erwarten, daß wir eine Mannschaft stellen, die um die Meisterschaft spielen kann. Da müßten wir zwanzig Millionen Euro oder mehr lockermachen, um so eine Mannschaft mal ganz schnell zusammenzukriegen. Dazu sind wir nicht in der Lage. Bei Bayern München geht das, aber bei uns noch nicht.

Unabhängig von der wirtschaftlichen Seite: Halten Sie Daum nach der Kokain-Affäre in der Bundesliga wieder für salonfähig?

Das ist überhaupt keine Frage, die Situation hat sich hier in den letzten ein, zwei Jahren zu seinen Gunsten gedreht. Vor vier Jahren oder wann das war, da gab's vielleicht noch ein paar Leute, die gesagt haben, das geht nicht. Aber inzwischen gibt es, glaube ich, keinen einzigen mehr, der so denkt. Das einzige Problem ist die finanzielle Situation.

Sie brauchen also in drei, vier Jahren eine Spitzenmannschaft, um Daum zu bekommen?

Ich dachte, Sie würden jetzt sagen: in drei oder vier Wochen. Noch einmal: Christoph ist für die Menschen und für diesen Klub immer ein Thema, immer. Ob das in einem Jahr sein wird, daß er vielleicht da hinten aufhört, oder in drei oder vier Jahren. Auf der anderen Seite müssen wir versuchen, jetzt einen guten Trainer zu kriegen, damit wir Erfolg haben. Wenn wir gewinnen und in der Tabelle gut stehen, wird so schnell keiner nach dem Christoph fragen. Wenn wir aber in die Bundesliga gehen und verlieren am Anfang fünf Spiele, was meinen Sie, wie das dann hier mit dem Thema Christoph Daum wieder losgeht.

Wenn Daum erst einmal nicht kommt, welches Profil muß der neue Trainer haben?

Es muß einer sein, der die Mannschaft weiterbringt, ganz einfach.

Das klingt sehr allgemein, was muß er können?

Mehr sage ich dazu nicht, da brauchen Sie gar nicht weiter zu bohren. Ob er groß oder klein, alt oder jung, schön oder nicht schön ist, spielt jedenfalls keine Rolle.

Legen Sie Wert auf einen großen Namen?

Nein, das ist nicht entscheidend. Aber es wäre schön. Köln ist ja eine Medienstadt. Aber wenn wir uns immer nach diesem Kriterium gerichtet hätten, wäre Christoph Daum nie Bundesligatrainer geworden. Der Verein hat damals den Mut gehabt, ihn zum Cheftrainer zu machen, obwohl ihn niemand kannte.

Haben Sie schon jemanden im Auge?

Die Namen sage ich Ihnen nicht.

Es gibt also mehrere Kandidaten?

Ich kann mir doch nicht nur Gedanken über einen machen. Wenn der sagt, es geht nicht - was mache ich denn dann? Es ist eine schwierige Aufgabe.

Sie wollen den Etat auf mehr als vierzig Millionen Euro erhöhen.

Wir müssen.

Um nicht in das Fahrwasser von Vereinen wie Bochum, Bielefeld oder Nürnberg zu geraten, die oft auf- und absteigen?

Diese Gefahr ist zweifellos da. Wir müssen versuchen, sie zu umgehen, deshalb die Erhöhung des Etats. Alle diese Mannschaften, die jedes Jahr oder alle zwei Jahre auf- und absteigen, haben in etwa den gleichen Etat, wie wir ihn sonst auch hatten. Aber mit einem Etat von fünfzehn Millionen bist du nicht in der Lage, auf Dauer in der Bundesliga zu bleiben. Die Mannschaften, die mehr Geld ausgeben, die ersten sechs, sieben oder acht, die steigen auch nie ab, komisch oder?

Gehen Sie nicht ein großes Wagnis ein?

Eine Studie hat ergeben, daß wir bei der Bonität an dritter Stelle unter allen Bundesligaklubs liegen, das ist schon eine Aussage. Wir müssen versuchen, uns dort weiterhin zu bewegen und schuldenfrei zu bleiben. Aber wir werden etwas mehr riskieren, sonst steigen wir wieder ab. Wenn wir so eine Fahrstuhlmannschaft sind wie Bochum oder Freiburg, dann geht auch die Tradition irgendwann verloren. Wir werden aber auf keinen Fall so ein hohes Risiko eingehen wie Dortmund oder Schalke.

Wo sehen Sie den 1. FC Köln in drei Jahren?

Wir haben eine Vision: Der erste Schritt war der Aufstieg, im nächsten Jahr müssen wir drin bleiben, dann wollen wir zwischen Platz acht und zwölf landen, und in drei Jahren wollen wir versuchen, ins internationale Geschäft zu kommen. Das ist die Vision. Ob es gelingt, sie zu verwirklichen, muß man abwarten. Aber so stellen wir uns das vor.

Das Gespräch führte Richard Leipold.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 08.05.2005, Nr. 18 / Seite 19
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