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Oliver Kahn Die Nummer eins hat der Society nichts zu sagen

13.05.2004 ·  Wer Neues aus dem Liebesleben des Oliver Kahn erwartet, der darf „Nummer eins“ getrost liegenlassen. Als Reflektion seines Berufes sieht Kahn das Buch und schreibt über Heldentum, Einsamkeit und Besessenheit.

Von Elisabeth Schlammerl
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Das Außergewöhnliche war, daß Oliver Kahn pünktlich auftauchte. Um 13.30 Uhr betrat der Kapitän des FC Bayern München, der sich sonst meistens viel Zeit läßt, in dunkelblauem Nadelstreifenanzug und hellblauem Hemd das Podium in dem Raum im dritten Stock des Münchner Literaturhauses. Rund 150 Journalisten hatten darauf gewartet, 18 Fernsehkameras waren auf Kahn gerichtet, noch mehr Fotoapparate. Kein berühmter Schriftsteller hätte bei einer Lesung im Literaturhaus wohl mehr Beachtung gefunden als der Torhüter und Kapitän der Fußball-Nationalmannschaft bei der Vorstellung seines Buches "Nummer 1".

Senta Berger folgte Kahn auf dem Fuß. Die Schauspielerin wirkte zunächst wie eine Statistin, übernahm aber als Moderatorin schnell die Hauptrolle. Wenigstens für ein paar Minuten. Sie sprach über ihre Fußballkenntnisse und ihre Verbindung zum Klub des Oliver Kahn. "Ich war schon Bayern-Fan, da spielten noch Bayern beim FC Bayern." Und darüber, daß sie natürlich nur das Beste vom Buch des Torhüters halte. Oliver Kahn spielte in dem schwarzen Ledersessel derweil mit dem Mikrofon, sein Blick schweifte über die Menge im Raum hinweg. Hinter ihm, auf einer tiefroten Wand, prangte das Buchcover mit einem Konterfei von ihm.

Im Buch von Kahn geht es nur um Kahn

Endlich, nach dem Senta Berger eine erste Passage vorgelesen hatte, durfte Kahn reden. Über die Inspiration, ein Buch zu schreiben, zum Beispiel. Er habe so viele erlebt in seiner Karriere, "tolle Siege und lehrreiche Niederlagen", daß er nun den Zeitpunkt für gekommen sah, endlich den Anfragen, ein Buch zu schreiben, nachzukommen. Den Titel "Nummer eins" wählte er, "weil ich die Nummer eins auf dem Rücken trage. Und weil mich seit zehn Jahren der Anspruch begleitet, die Nummer eins sein zu müssen."

Das Buch ist keine Biografie, wie derzeit so viel den Markt überschwemmen - und so gar nicht lesenswert sind. Kahn versteht es vielmehr als Reflektion seines Berufes. Er hat keinen Autor oder Ghostwriter verpflichtet. "Ich habe alles auf ein Band gesprochen, das wurde dann eins zu eins abgetippt." Zusammen mit einer Journalistin hat er das Manuskript dann so lange überarbeitet, "bis es mir gefallen hat, bis es authentisch war". Er schreibt von überzeichnetem Heldentum, über die Einsamkeit des Torhüters, über das Phänomen der Besessenheit, seiner Besessenheit. Aber er schreibt anders wie sein ehemaliger Teamkollege beim FC Bayern, Stefan Effenberg, nicht über andere Fußballspieler, über andere Menschen. In dem Buch von Oliver Kahn geht es nur um Oliver Kahn. "Es ist mir fremd, andere Leute für etwas verantwortlich zu machen."

Nichts Neues aus Kahns Liebesleben

Er habe auch bewußt "auf peinliche Enthüllungen" verzichtet. Er hat das Buch eher als Möglichkeit gesehen, "mit vielen Dingen, die noch nicht abgearbeitet waren, ins Reine zu kommen". Daß keine privaten Angelegenheiten vorkommen, hat die Mehrzahl der anwesenden Journalisten nicht nur verblüfft, sondern auch enttäuscht. "Wer was über mein Privatleben erwartet, braucht mein Buch nicht zu kaufen", sagte Kahn.

Die Society-Reporter der diversen Life-Style-Blätter und Gesellschaftsmagazine waren wohl kaum wegen der sportlichen Reflektion des Oliver Kahn gekommen, sondern um Neues aus Kahns Liebesleben zu erfahren. Die Society-Redaktionen der Life-Style-Blätter und Fernsehsender haben das Kontingent der Mitarbeiter bei diesem Termin offenbar noch einmal erhöht nach den bewegten Tagen des Bayern-Kapitän. Dem Fehlgriff beim Bundesliga-Gipfel gegen Werder Bremen am Samstag folgte die Bekanntgabe der Trennung von seiner jungen Freundin. Oder besser: Er hat sie einer ausgewählten Zeitung bekannt gegeben und damit ein wenig abgelenkt von seinem Patzer, der nicht der erste gewesen ist.

Da endeten Kahns Auskunftsbereitschaft abrupt

Die Liaison mit der Bardame einer Münchner Nobeldiskothek hatte seit gut einem Jahr, seit die Affäre öffentlich geworden war, die Bedürfnisse des Boulevard bestens erfüllt. Nun wollte man Näheres erfahren über eine mögliche Versöhnung mit Ehefrau Simone. Da endeten Kahns Auskunftsbereitschaft abrupt. "Ich bin ein Mensch, der in der Öffentlichkeit nicht über sein Privatleben redet", antwortete er auf die indiskrete Frage einer Journalistin von RTL. Als die junge Dame des Privatsenders aber partout nicht aufgeben wollte und noch ein paar Versuche startete, Kahn etwas über seine amourösen Geschichten zu entlocken, riet der Torhüter ihr dann entgegen seinem Tip ein paar Minuten zuvor dann doch zur Lektüre seines Buches: "Ich weiß, es ist Ihre Pflicht nachzuhaken. Man muß sich Ziele setzen und versuchen, diese zu erreichen. Sie können das auch in meinem Buch nachlesen."

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung
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