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Veröffentlicht: 23.12.2012, 16:17 Uhr

Oliver Bierhoff im Gespräch „Wir müssen neue Wege gehen“

Die Fußball-Nationalelf auf Suche nach der Siegermentalität: Im F.A.S.-Interview spricht Teammanager Oliver Bierhoff über Veränderungen im Training, Pläne für ein Leistungszentrum und Reformen beim DFB.

© dpa Fordert ein Umdenken vom gesamten Team: Oliver Bierhoff, Manager der Fußball-Nationalmannschaft

Es gibt in Deutschland keinen Fußballprofi, der es so punktgenau geschafft hat, seine Leistung zu bringen wie Sie. Als Stürmer eingewechselt im Endspiel der Europameisterschaft, sofort den Ausgleich erzielt und dann das Golden Goal geschossen. Leider ist das 16 Jahre her. Aber weil das keine deutsche Elf mehr zu schaffen scheint: Wie haben Sie das gemacht?

Manche sagen ja, das wäre nur totales Glück gewesen. Glück gehört dazu, aber es lag auch daran, dass ich während des Turniers nie abgeschaltet habe und immer auf meine Chance gewartet habe. Es war in meiner Karriere häufig so, dass ich in wichtigen Spielen als Stürmer wichtige Tore gemacht habe, auch in Italien. Ich habe dabei wohl eine innere Ruhe, Konzentration und Fokussierung entwickelt. Eine ganz exakte Erklärung kann ich allerdings auch nicht liefern.

Schade, wir fragen uns nach diesem Jahr und dem verschenkten Halbfinale gegen Italien gerade besonders: Warum schafft es die aktuelle Nationalmannschaft von Joachim Löw immer wieder nicht, zum Saisonhöhepunkt ihre beste Leistung zu bringen?

Das ist eine Frage, die man sich tatsächlich stellen muss. Das zieht sich ja eigentlich schon seit der WM 2006 wie ein roter Faden durch unsere Auftritte: 2006 das Halbfinale gegen Italien, 2008 das EM-Finale gegen Spanien, 2010 das WM-Halbfinale gegen Spanien und nun das Halbfinale gegen Italien. Jedes Ausscheiden hat seine eigene Geschichte, eine eigene Begründung. 2006 hat etwa Torsten Frings gefehlt, 2010 Thomas Müller. Dazu kam, dass 2006, 2008 und 2010 immer auch etwas an Qualität gegenüber dem Gegner gefehlt hat. Das macht sich in kleinen Situationen bemerkbar. 2010 nutzt Toni Kroos eine gute Chance nicht, und ein paar Minuten später bekommen wir das Tor durch einen Eckball von Spanien, was nun nicht gerade zu ihren größten Stärken zählt. 2008 war es eine kurze Unaufmerksamkeit in der Abwehr, die Torres genutzt hat. Diesmal aber war es anders, auf dem Papier waren wir die bessere Mannschaft. Das macht es umso bitterer und ärgerlicher. Auf diesem extrem hohen Niveau, auf dem wir mit und dank Jogi Löw ja erst angekommen sind, ist die Luft eben dünn. Es geht nur noch um Nuancen, und die gilt es auszuschöpfen. Anders erklären kann ich das auch nicht.

Bild Nationalteam © dapd Vergrößern Das DFB-Team: Technisch stark, spielfreudig, gut ausgebildet - aber nicht immer effektiv

Wirklich nicht? Das Hockey-Nationalteam, das zweimal Olympiasieger wurde, hat die Erfahrung gemacht, dass es bei einem Turnier zwei verschiedene Phasen gibt: die Spiele bis zum Halbfinale und ab dem Halbfinale. Ihre Mentalität, so die Hockeyspieler, sei ganz auf die beiden letzten Spiele ausgerichtet. Warum hat das die Nationalelf nicht?

Meine Aufgabe ist es, die Dinge unemotional und differenziert zu betrachten. Ich hinterfrage das auch, aber ich betrachte nicht nur dieses eine Spiel. Man muss sich auch fragen: Warum haben es die Bayern im Finale der Champions League nicht geschafft, gegen Chelsea den Sack zuzumachen? Warum haben wir es nicht geschafft, gegen Schweden das Spiel souverän zu Ende zu bringen? Auch in der Vorrunde, obwohl wir die Gruppe souverän gewonnen haben, sind wir in jedem Spiel unnötig in Gefahr geraten: gegen Dänemark, gegen Portugal, selbst nach einem 2:0 gegen Holland. Das waren teilweise Spiele, bei denen man gedacht hat: Der Gegner kommt nicht wieder zurück. Aber wir haben ihn wieder ins Spiel gebracht, trotz der enorm starken Phasen.

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