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Ohne Transparency Rückschlag für die Fifa

01.12.2011 ·  Die Erfolgsmeldung wird schnell torpediert. Im Kampf gegen die Korruption beim Fußball-Weltverband gibt es Streit. Transparency International zieht sich zurück, weil eine „essentielle Forderung“ nicht erfüllt wird.

Von Peter Heß, Zürich
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© dpa Dieser Mittwoch geht in die Geschichte des gebeutelten Fußballverbandes Fifa ein

Um 14.30 Uhr stellte Joseph Blatter, der Präsident des Internationalen Fußballverbandes (Fifa) „voller Stolz und Freude“ den renommierten Antikorruptions-Experten Professor Mark Pieth als Vorsitzenden der neuen unabhängigen Governance Kommission vor, die entscheidend mithelfen soll, den skandalumwitterten Sportbund wieder in eine angesehene Organisation zu verwandeln. Drei Stunden später gab die renommierte Organisation Transparency International (TI) öffentlich bekannt, dass sie ihre Mitarbeit in dieser Kommission aufkündigt.

Dieser Mittwoch geht in die Geschichte des gebeutelten Fußballverbandes ein. In solch einer kurzen Zeitspanne wurde eine Erfolgsmeldung im Kampf um die Rückgewinnung der Glaubwürdigkeit noch nie torpediert. Was auch daran liegt, dass es bisher so wenige Erfolgsmeldungen gab.

Der Rückzug von TI kann als direkte Folge der Eröffnungsrede des Kommissionsleiters verstanden werden. Denn Professor Pieth machte deutlich, dass er nicht die Vergehen der Vergangenheit im Verband aufdecken, sondern Lösungen für die Zukunft erarbeiten werde. Was besser zu machen ist, stellte er in einem 36-seitigen Report vor.

Die Kernpunkte: Richtlinien erarbeiten, was integres Funktionärstum bedeutet, einen Überwachungsapparat installieren, ob die Verwaltung demokratisch und transparent arbeitet, und die Auflösung des Interessenskonfliktes, den manche Funktionäre wegen ihrer Ämterhäufung haben.

TI missfällt, dass Pieth von der Fifa bezahlt wird

„Es war unsere essentielle Forderung, dass auch die Vergangenheit aufgearbeitet wird - nur dann kann man in die Zukunft schauen. Dies scheint jetzt nicht mehr geplant zu sein“, sagte Sylvia Schenk, für den Sport zuständiges Vorstandsmitglied von TI-Deutschland zu den Gründen des Rückzuges ihrer Organisation aus der Kommission.

Auch TI hatte für die Fifa ein Papier ausgearbeitet, mit welchen Maßnahmen der Verband eine höhere Integrität seiner Funktionäre und mehr Demokratie und Transparenz in ihren Strukturen erreichen könnte. Schenks Organisation missfällt es außerdem, dass Pieth von der Fifa bezahlt wurde und wird.

Zunächst für ein Gutachten über eine Strukturreform, nun auch als Vorsitzender der Governance Kommission, deren weitere Mitglieder am 17. Dezember auf der außerordentlichen Sitzung des Fifa-Exekutivkomitees bekannt gegeben werden sollen.

„Die Kommission muss absolut unabhängig sein und kein Mitglied darf in irgendeiner Form direkt der Fifa verpflichtet beziehungsweise mit einem Vertrag verbunden sein. Deshalb haben wir Professor Pieth und sein Institut als Sekretariat vorgeschlagen - und natürlich sollte diese Arbeit bezahlt werden. Dazu muss er aber nicht Mitglied der Kommission sein“, sagte Sylvia Schenk. Weiter monierte sie, dass der Vorsitzende nicht von der Kommission gewählt wird, sondern vorab vom Fifa-Präsidenten bestellt worden ist.

„Ich habe nicht die drei Millionen und 20 Polizisten“

Professor Pieth reagierte auf die Vorhaltungen konstruktiv. Gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung sagte er: „Ich habe den größten Respekt vor TI und hoffe weiterhin, dass Transparancy in der Kommission noch mitarbeiten wird.“ Es sei seine Entscheidung gewesen, nicht die Verfehlungen der Vergangenheit aufzudecken.

„Um professionell zu ermitteln, fehlt das Geld und es fehlen die Ressourcen. Ich habe nicht die drei Millionen und 20 Polizisten, die ich brauchte.“ Pieth versichert, als „Bewährungshelfer für die Zukunft“ effektiver zu sein. „Wenn Frau Schenk diese Ermittlungen ohne Polizisten und Forensiker führen kann, dann soll sie das tun. Ich halte es für naiv zu glauben, dass es möglich ist.“

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Dem Vorwurf der Abhängigkeit von der Fifa entgegnet er: „Auch Wirtschaftsprüfer werden von den Firmen bezahlt und müssen dennoch unabhängig sein. Aber natürlich sind unbezahlte Helfer noch unabhängiger als professionelle. Aber das sagt nicht unbedingt etwas darüber aus, wessen Arbeit besser ist.“ Derweil verteidigte die Fifa den Schweizer Professor und Vorsitzenden der neuen Superkommission.

„Herr Professor Pieth ist über alle Zweifel erhaben. Wenn jetzt jemand seine Unabhängigkeit anzweifelt, dann muss man eher die Kritiker selbst in Frage stellen“, sagte Fifa-Sprecher Walter De Gregorio. Wird der Verband trotz der Unstimmigkeiten nochmals versuchen, Transparency wieder in die Arbeit mit einzubinden? „Das ist nicht unsere Aufgabe“, sagt der Fifa-Sprecher und verweist auf die Verantwortlichkeit Pieths in dieser Sache.

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Jahrgang 1959, Sportredakteur.

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