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OFC-Eintracht Prognosen für einen heißen Abend

27.02.2007 ·  Als „Mutter aller Derbys“ beworben, steigt am Abend das Pokalspiel zwischen Kickers Offenbach und Eintracht Frankfurt. Wie stehen beide Mannschaften da? Eine Plus- und Minusliste von Hans-Joachim Leyenberg und Ralf Weitbrecht.

Von Hans-Joachim Leyenberg und Ralf Weitbrecht
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Als „Mutter aller Derbys“ beworben, steigt an diesem Dienstag abend das Pokalspiel zwischen Kickers Offenbach und Eintracht Frankfurt. Wie stehen beide Mannschaften da, die zuletzt aus eigener Sicht unerfreuliche Ergebnisse eingefahren haben? Eine Plus- und Minusliste von Hans-Joachim Leyenberg und Ralf Weitbrecht.

+ Für Friedhelm Funkel kommt die Pokalbühne gerade recht. In der Bundesliga mit seiner zuletzt glücklosen Mannschaft auf den vorletzten Platz abgerutscht, hat er im K.o.-Wettbewerb DFB-Pokal die Chance, innerhalb eines Jahres zum zweiten Mal ins Berliner Finale zu kommen. „Das ist außergewöhnlich für Eintracht Frankfurt“, sagt er. „Das hat es seit Jahrzehnten nicht gegeben.“ Die pokalerprobte Eintracht, die mehr oder weniger souverän nach Siegen in Siegen, in Essen und gegen Köln den Einzug in das Viertelfinale geschafft hat, sollte den Kickers trotz des Absturzes in der Bundesliga spielerisch überlegen sein. Ein Sieg am Berg als Frucht der von Funkel ausgegebenen „kontrollierten Aggressivität, das würde meiner Mannschaft und den Fans einen Schub geben. Ich persönlich kann das Spiel total genießen, weil ich den Pokal von der Bundesliga trenne.“

- Funkels Personalpolitik trägt nicht gerade zur Vertrauensbildung bei. In Hamburg waren es zuletzt sechs Spieler, die gehörig ins Rotieren gekommen sind. Für den Pokalkampf in Offenbach hat der Eintracht-Trainer abermals Veränderungen angekündigt - diesmal aber nicht in gleich großem Stil. Die Möglichkeit eines Systemwechsels mit zwei Spitzen hat er kategorisch ausgeschlossen. „Mit dieser Variante sind wir aufgestiegen und haben uns in der vergangenen Saison in der Bundesliga gehalten.“ Trotzdem aber dürfte der unzufriedene, von einer Verletzung genesene Ioannis Amanatidis zurück in die Offensivabteilung kehren.

- Funkel rechnet mit reichlich Provokationen und will seine Spieler in Gesprächen nachdrücklich darum bitten, sich unter Kontrolle zu halten. „Die Jungs müssen die Ruhe bewahren und sich in der Gewalt haben.“ Heißsporne wie Albert Streit, Michael Thurk und Patrick Ochs dürften in der hitzigen Atmosphäre des Bieberer Bergs unter besonderer Beobachtung stehen.

+ Funkel, grundsätzlich positiv denkend, sieht seine Mannschaft im Aufwärtstrend. „In Hamburg hätten wir gewinnen können“, redete er sich am Montag nochmals ein. Haarsträubende Fehler von Preuß und Russ, die zu Gegentoren geführt haben, schließt er für die Zukunft aus. „Ich kann mit den Jungs nur reden und sprechen. Jetzt dazwischenzuhauen und alles zu verdammen, wäre der falsche Weg.“

+ Die Leidenschaft ist zurückgekehrt an den Bieberer Berg. Schon gegen Koblenz gab es jenen Einsatz und Kampf, den der Kunde in Offenbach als Minimalbeitrag „seiner“ Kickers erwartet. Die Atmosphäre im Derby ist Stimulanz pur. „Wir sind Außenseiter. Wir fühlen uns wohl in dieser Rolle. Aber mit den Zuschauern im Rücken ist alles möglich“, verspricht OFC-Trainer Wolfgang Frank. Es ist plötzlich viel vom Spaß die Rede, die den Kickers angesichts von vier Niederlagen in der zweiten Bundesliga abhanden gekommen war.

- Der Spaß war am vergangenen Freitag prompt vorbei, als die Schwächen der Kickers mal wieder offenkundig wurden: Zwei eigene Treffer reichten nicht, weil es in der Defensive drunter und drüber ging. Die Achillesferse ist die rechte Abwehrseite, auf der sich Frank zum ständigen Experimentieren gezwungen sieht. Nachdem der junge Nico Bungert Abnutzungserscheinungen zeigte, konnte auch Daniel Schumann nicht überzeugen. Aktuell ist er schon deshalb kein Thema, weil Schumann mit einer Virus-Infektion flach liegt. Der am Freitag erstmals getestete Alen Basic ist noch keine Alternative. Lars Weißenfeld erstmals seit dem 8. November in die Anfangself zu stellen, birgt ein Risiko. Gut möglich, dass Frank Christian Müller in die Viererkette integriert. Frank wusste 24 Stunden vor dem Anpfiff noch nicht, wer letztlich die quirligen Eintracht-Spieler bändigen könnte. Erschwerend kommt hinzu: Er rätselt, wen der Kollege Funkel letztlich auflaufen lässt. „Da ist es schwer, sich zu orientieren.“

- Der Alltag lässt sich nicht ausblenden. Frank rühmt die „extrem hohe Qualität der Bank.“ Gemeint ist die Ersatzbank der Frankfurter Eintracht. In der Rückrunde schlitterten die Kickers nach dem unglücklichen 1:2 beim Spitzenreiter Karsruher SC von einer Ergebniskrise in eine richtige Krise. Keiner derer auf der Ersatzbank konnte sich empfehlen. Allerlei Hoffnungen konzentrieren sich auf den Winterzugang Marco Reich. Aber der laboriert noch an seinem am 1. Januar in England erlittenen Armbruch. Reich trägt eine Armschiene. Noch bremst sie ihn.

+ Als deeskalierende Maßnahme haben sich die Kickers das Vorspiel der Frauenmannschaften der Kickers und der Eintracht einfallen lassen. Überhaupt ist im Vorfeld vieles getan worden, um Dumpfbacken aus beiden Lagern im Zaun zu halten, die es auf Randale abgesehen haben. In den letzten zehn Minuten vor dem Countdown zum Anpfiff wird es keine Werbedurchsagen geben, wird der Bieberer Berg den Sprechchören der Fans gehören. „Das kann eine Mannschaft tragen“, sagt OFC-Vizepräsident Thomas Kalt aus Erfahrung. In jüngeren Jahren stand er selbst unter den Fans, weiß aus eigener Anschauung, was abgeht, was nervt. „Wir haben alles getan, um das Spiel ordentlich ablaufen zu lassen. Verbal werden sie sich einiges an die Köpfe werfen, da muss man auch mal die Ohren zuhalten“. Der Rat eines ebenso aufgeklärten wie abgeklärten Fußballkenners.

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