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Mittwoch, 19. Juni 2013
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Niersbach folgt Zwanziger Aus dem Chefverwalter wird die Leitfigur

 ·  Der bisherige Generalsekretär Niersbach hat es geschafft, auch das Amateurlager hinter sich zu bringen. Am Freitag wurde er einstimmig zum DFB-Präsidenten gewählt. Für Vorgänger Zwanziger gab es reichlich Lobreden.

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© dpa Der neue und der alte DFB-Präsident: Wolfgang Niersbach und Theo Zwanziger (rechts)

Der richtige Mann zur richtigen Zeit am richtigen Ort? Die versammelten Fußballfunktionäre des Landes ließen an ihrem mehr als deutlichen Votum keinen Zweifel und wählten Wolfgang Niersbach am Freitag in Frankfurt zum neuen Präsidenten des Deutschen Fußball-Bundes (DFB).

Nach dem vorzeitigen Rückzieher Theo Zwanzigers war alles auf den 61 Jahre alten bisherigen DFB-Generalsekretär hinausgelaufen, zumal es zum außerordentlichen DFB-Bundestag keine anderen Personalvorschläge aus dem Fußball heraus gab. In einer offenen Abstimmung erhielt Niersbach alle 257 Stimmen der in Frankfurt anwesenden Delegierten - also 100 Prozent.

Für diese stramme Einheit war im Vorfeld schon durch viele Gespräche gesorgt worden. Damit ist Niersbach gewählt bis zum ordentlichen Bundestag im nächsten Jahr in Nürnberg. Ihm folgt Helmut Sandrock als Generalsekretär.

Der elfte Präsident des größten Sportfachverbandes der Welt nannte am Freitag schon einige erste Punkte seines Programms und beschwor dabei vor allem die Wichtigkeit der Fußballbasis für die Zukunft des DFB. Zudem nannte er als weitere Schwerpunkte seiner Arbeit die Nachwuchs- und Eliteförderung mit der Nationalmannschaft als „Fixstern“, die weitere Unterstützung des Frauenfußballs, der sich mittlerweile auf eine Million weibliche Mitglieder gründet (von insgesamt 6,8 Millionen), und die gesellschaftspolitische Verantwortung des Verbandes.

Niersbach erzählte da nichts Neues, sondern folgte in seinen Ausführungen mehr oder minder der bisherigen DFB-Politik unter Zwanziger. „Ich bin kein Revoluzzer. Der DFB hat auch keine Revolution nötig“, sagte Niersbach. Er führte an, die neue Spitzenaufgabe mit Teamwork bewältigen zu wollen. „Ich bin bereit, mir die Spielführerbinde überzustreifen, aber bleibe ein Mannschaftsspieler“, sagte Niersbach.

„Offenes und unerschrockenes Eintreten“

Der DFB hatte seine ganze Pracht entfaltet am Freitag, um sich als bedeutende Institution im Lande und wichtige gesellschaftliche Instanz darzustellen. Es wimmelte nur so von prominenten Wirtschaftsvertretern, Sportpolitikern, Fußballern, früheren Starkickern. Dazu gehörten mit Uwe Seeler, Franz Beckenbauer und Lothar Matthäus die drei Ehrenspielführer der Nationalmannschaft. In der ersten Reihe des Versammlungssaales saß auch Bundestrainer Joachim Löw.

Reichlich Lobesreden gab es dabei für den scheidenden Präsidenten Zwanziger, dessen letzte Zeit an der Spitze des Verbandes zwar von einigen unglücklichen Entscheidungen überschattet worden war, der aber dennoch aus Sicht der Fußball-Funktionäre auf wichtige Erfolge zurückblicken kann. In einem Videogruß dankte sogar Bundeskanzlerin Angela Merkel ihrem Parteifreund Zwanziger für sein „offenes und unerschrockenes Eintreten gegen Diskriminierung und Fremdenhass“.

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In einem Frankfurter Hotel wurde der elfte Präsident des DFB gewählt © Eilmes, Wolfgang In einem Frankfurter Hotel wurde der elfte Präsident des DFB gewählt

Ähnlich formulierte es Thomas Bach, der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes. Fußball-Ligapräsident Reinhard Rauball nannte Zwanziger den „heimlichen Integrationsminister in Deutschland“. Vom extra eingeflogenen Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) erhielt Zwanziger das Große Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland überreicht. Zudem wird die DFB-Kulturstiftung fortan den Namen Zwanzigers tragen.

Der scheidende Präsident selbst sagte etwas gerührt zum Abschied: „Es war eine spannende, emotionale, aufreibende und schöne Zeit. Aber man muss wissen, wann es Zeit ist zu gehen.“ Seinem Nachfolger Niersbach rief er im Flachs hinterher: „Ändere dich nicht. Der Einzige, der versucht hat, dich zu ändern, ist gescheitert.“ Niersbach ist nun nicht mehr der Chefverwalter des DFB-Apparats, sondern die Leitfigur des deutschen Fußballs. Er muss Diskussionen anstoßen, Richtlinien für den Fußball vorgeben und über das bloße Tagesgeschäft hinaus blicken.

„Wir müssen noch mehr Qualität an die Basis bringen“

Gerade im Amateurlager war er seit Bekanntwerden der Ambitionen für die Präsidentenposition mit Vorbehalt betrachtet worden, absolvierte Niersbach doch nicht die typische Ochsentour von der Basis an die Spitze. Er war bisher Teil des hauptamtlichen Apparats. Gut kam zuletzt bei der Fußballbasis an, dass Niersbach drei Tage lang auf intensive Weise teilnahm am Amateurkongress Ende Februar. Wichtig ist der Basis, dass beim DFB nicht nur Sponsoren, Nationalmannschaft und neue Millionenverträge im Mittelpunkt des Interesses stehen.

In den vielen kleinen Vereinen herrschen Zukunftsängste, es geht um Werteverlust, fehlende Motivation im Ehrenamt und ein radikal verändertes Freizeitverhalten. Die Amateure werden gerne gehört haben, dass sich Niersbach ihnen zuwenden will. „Wir müssen noch mehr Qualität an die Basis bringen“, sagte er. An der Spitze des Fußballs wird er sich aber noch weitaus brisanteren Themen widmen müssen. Er wird Antworten geben und dabei Führungsstärke beweisen müssen: im Kampf gegen Korruption, Spielmanipulation, Gewalt, Rassismus, Doping und sexuellem Missbrauch im Jugendbereich. Auch sein Freund und langjähriger Förderer Franz Beckenbauer merkte gestern an: „Das höchste Amt ist eine Herausforderung.“

Die DFB-Präsidenten seit 1900
  1. Ferdinand Hueppe (1900-1904)
  2. Friedrich Wilhelm Nohe (1904-1905)
  3. Gottfried Hinze (1905-1925)
  4. Felix Linnemann (1925-1945)
  5. Peco Bauwens (1949-1962)
  6. Hermann Gösmann (1962-1975)
  7. Hermann Neuberger (1975-1992)
  8. Egidius Braun (1992-2001)
  9. Gerhard Mayer-Vorfelder (2001-2006)
  10. Theo Zwanziger (2004-2012*)
  11. Wolfgang Niersbach (seit 2012)

* von 2004 bis 2006 als sogenannte Doppelspitze mit Mayer-Vorfelder als Präsident und Zwanziger als Geschäftsführender Präsident. Seit September 2006 war Zwanziger alleiniger DFB-Präsident

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Jahrgang 1965, Sportredakteur.

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