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Niederlage bei Real Madrid : Die Bayern reden sich das 0:1 schön

So fällt das Tor: Neuer und Alaba sind chancenlos gegen Torschütze Benzema Bild: REUTERS

Die Bayern erfreuen sich in Madrid ihrer Dominanz, aber Real gewinnt 1:0. Die Königlichen zeigen, dass man sich manchmal untreu werden muss, um Erfolg zu haben. Für die Münchner wird es ein weiter Weg zum Triple-Double.

          Wer den Bayern nach dem Halbfinal-Hinspiel in der Champions League bei Real Madrid zuhörte und ihren Aussagen Glauben schenkte, muss trotz der 0:1-Niederlage mit viel Optimismus in die zweite Partie am Dienstag (20.45 Uhr / Live im Champions-League-Ticker bei FAZ.NET) in München gehen. „Ich muss unserer Mannschaft ein Kompliment machen“, lobte Arjen Robben lächelnd. „Wir haben 95 Minuten auf Angriff gespielt“, sagte Kapitän Philipp Lahm. Thomas Müller fand, dass „man gesehen hat, wozu wir im Stande sind“. Und Trainer Pep Guardiola war „sehr stolz auf meine Mannschaft“. Es klang schon wieder ein wenig nach „Kuscheloase“.

          Tobias Rabe

          Verantwortlicher Redakteur für Sport Online.

          Die Statistik, die ein Fußballspiel in Zahlen zerlegt, untermauerte diese positive Stimmung. 15:3 Ecken, 17:9 Torschüsse, 72 Prozent Ballbesitz und 57 Prozent gewonnene Zweikämpfe standen für die Bayern zu Buche. Doch das einzige Tor schoss Real. Karim Benzema schloss einen blitzschnellen Konter über Cristiano Ronaldo und Fabio Coentrão ab (19. Minute) und bestärkte die Spanier in ihrer Spielweise, die sie eigentlich gar nicht mögen. Mit viel Defensive und Disziplin setzte Real auf die Kraft der Konter. „Madrid stellt sich im eigenen Stadion hinten rein, das muss man sich mal vorstellen“, wunderte sich Müller. „Real hatte riesengroßen Respekt.“

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          Es ist ein Kuriosum des Fußballs, dass die einzige der vier Mannschaften im Halbfinale, die ihrem Stil untreu wurde, die erfolgreichste war. Die Abwehrkünstler von Atlético Madrid und Chelsea mühten sich und die Fans am Dienstag zu einem 0:0, die Bayern hielten den Ball wie Guardiolas Barcelona in besten Zeiten, ein Tor aber schossen alle drei Teams nicht. Der Trainer verteidigte seine Strategie, die ihm zuvor im Santiago Bernabeu noch keine Niederlage beschert hatte, dennoch: „Wir wollten ein Spiel mit viel Ballkontrolle. Was uns gefehlt hat, war der Abschluss“, sagte Guardiola.

          Bei seinen vorherigen Besuchen mit Barcelona aber hatte er stets einen Lionel Messi in Bestform, der die Ballzirkulation irgendwann mit einem unwiderstehlichen Dribbling und einem Treffer abschloss. Dieser Baustein fehlte den Bayern. Mittelstürmer Mario Mandzukic mühte sich, kam zwischen den Abwehrhünen Pepe und Sergio Ramos jedoch nicht zum Torschuss. Arjen Robben lief immer wieder an, zielte aber nicht genau genug. Die eingewechselten Mario Götze und Thomas Müller hatten in der Schlussphase Chancen, scheiterten aber an Torwart Iker Casillas oder trafen den Ball nicht.

          Und von Franck Ribéry war fast nichts zu sehen. Seit Wochen fehlt dem Franzosen die Leichtigkeit, mit der er sonst die Gegner ausspielt. Auch in Madrid verhedderte er sich im Bemühen, etwas Besonderes zu zeigen, immer wieder. Die gemeinsame Bühne mit Cristiano Ronaldo, der statt Ribéry den Goldenen Ball des Weltfußballers bekam, tat ihm nicht gut. Folgerichtig wechselte Guardiola ihn aus. Ronaldo indes, der trotz einer Verletzung mitspielte, hielt sich merklich zurück. Für den öffnenden Pass vor dem 1:0 reichte es aber. Zufrieden ließ er sich kurz nach Ribéry auswechseln.

          Guardiola verblüffte später mit der Aussage, dass er „mehr Optimismus als vor diesem Spiel“ habe. Ohne Auswärtstor brauchen die Bayern für die dritte Champions-League-Finalteilnahme in Folge einen Sieg mit zwei Treffern Differenz. Wie das nach den Eindrücken von Madrid klappen soll, ist die größte Frage, die Guardiola und seine Spieler beantworten müssen. Auch wenn Real ein anderes Kaliber als die meisten Bundesliga-Gegner ist, machte die Partie in Bernabeu deutlich, dass sich die seit der März-Meisterschaft verlorengegangene Gier nach Siegen nicht durch gutes Zureden beliebig wieder aktivieren lässt.

          Und so war es wieder Sportvorstand Matthias Sammer, der am deutlichsten wurde. „Wir haben mit unserer Dominanz das Spiel, aber nicht das Ergebnis beherrscht“, sagte er. „Im Rückspiel muss der gnadenlose Abschluss kommen.“ So etwas erwartet man von einer „Bestia negra“, der schwarzen Bestie, die Real angeblich so fürchtet. Halten die Königlichen aber nochmal dicht und ziehen ins Endspiel ein, dürfte wohl eher von einer „Bestia blanca“ die Rede sein. Die Bestie in ihren königlich weißen Trikots, die ihren Spielstil aufgab und den Münchner Traum vom Triple-Double zerstörte.

          Erstmals unter Guardiola stehen die Bayern nun richtig unter Druck. Die Meisterschaft fuhren sie im ICE-Tempo ein, ins Pokalfinale marschierten sie fast mühelos. „In München wird am Dienstag der Baum brennen“, sagte der Vorstandsvorsitzende beim Bankett um Mitternacht hoffnungsvoll und meinte damit unausgesprochen die Stimmung auf den Tribünen der eigenen Arena, die die Münchner nach Lissabon ins Endspiel tragen soll. Sollte es nach der Partie allerdings immer noch brennen beim FC Bayern, werden auch keine schönen Worte mehr helfen.

          Real Madrid - Bayern München 1:0 (1:0)

          Real Madrid: Casillas - Carvajal, Pepe (73. Varane), Sergio Ramos, Coentrão - Di María, Modric, Xabi Alonso, Isco (82. Illarra) - Benzema, Cristiano Ronaldo (73. Bale)
          Bayern München: Neuer - Rafinha (66. Javi Martínez), Boateng, Dante, Alaba - Lahm, Kroos - Robben, Schweinsteiger (74. Müller), Ribéry (72. Götze) - Mandzukic
          Schiedsrichter: Webb (England)
          Zuschauer: 80.000
          Tor: 1:0 Benzema (19.)
          Gelbe Karten: Isco / -

          Quelle: FAZ.NET

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