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Niederländische Nationalelf Louis van Bayern

 ·  Bondscoach Louis van Gaal preist immer noch seine Arbeit beim FC Bayern. Er sieht Uli Hoeneß als Grund für seine Entlassung und fände eine Rückkehr „schön“. An diesem Mittwoch (20.30 Uhr) trifft er mit den Niederlanden auf Deutschland.

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© dpa Vergrößern Deutschland-Kenner: Reizfigur Louis van Gaal

In einem Jahr ohne Fußball hat Louis van Gaal 15 Kilo Körpergewicht verloren. Aber kein Milligramm Selbstbewusstsein. Die deutsche Nationalelf spiele „jetzt so, wie ich es beim FC Bayern eingeführt habe“, erklärte er vor zwei Wochen in „Sportbild“, im ersten Interview seit der Entlassung in München im März 2011. Er sagte dabei nicht, dass das 4-5-1-System spätestens seit Mitte des letzten Jahrzehnts in ganz Europa gebräuchlich ist; und dass es vom deutschen Team schon im EM-Viertelfinale 2008 übernommen wurde. Also ein Jahr bevor van Gaal in Deutschland erschien.

Auch van Gaals Selbstdarstellung, dass die aktuelle Klasse des FC Bayern noch auf seiner Arbeit beruhe, beruht auf exklusiver Wahrnehmung: vielleicht nicht ganz falsch, aber höchstens halb wahr. Denn van Gaal ordnete in München zwar Spielaufbau und Offensive, interessierte sich aber nie allzu sehr für seine Abwehr, im Gegensatz zum Nachfolger Jupp Heynckes. Der entscheidende Fortschritt der Bayern in der Zeit nach van Gaal ist die viel größere Stabilität in der Defensive. Aber niemand bestreitet die Fähigkeiten des Fachmanns van Gaal, vor allem den Blick für Talente, den Mut zur Jugend.

Deutschland gegen Holland: Immer ein besonderes Spiel

Deshalb glaubt sein niederländischer Landsmann Arjen Robben, dass sich van Gaal, nunmehr als Nationaltrainer, freuen wird, an diesem Mittwoch beim Länderspiel in Amsterdam seine Münchner Entdeckung Thomas Müller wiederzusehen. Müller ist einer der vielen Spieler, die van Gaals Weggang aus München bedauerten. Es sei „immer noch eine Freude, mit ihm zu arbeiten“, sagt auch Robben, der unter van Gaal 2009/10 seine stärkste Saison spielte. Als dessen „größte Qualität“ nennt er, „dass er Spieler besser macht“.

Van Gaal ist Wiederholungstäter

Van Gaal selber sagt zwar, es sei für ihn „kein besonderes Spiel“, wenn zum dritten Mal binnen zwölf Monaten die Nachbarländer aufeinandertreffen. Doch räumt er „das irritierende Gefühl“ ein, dass bei ihm als TV-Zuschauer während des EM-Spiels zwischen Holland und Deutschland im Juni „zwei Herzen in meiner Brust schlugen“. Damals sei er „fast noch mehr Fan von Deutschland“ gewesen, weil im deutschen Team „einfach zu viele Spieler“ gestanden hätten, „denen ich näher stand“ - seine alten Bayern-Zöglinge.

Am Ende war van Gaal einer der Profiteure des deutschen 2:1-Sieges und des daraus resultierenden EM-Debakels der Holländer, die als Titelfavorit mit null Punkten ausschieden. Die Entlassung Bert van Marwijks öffnete die Tür für die Rückkehr des auch in der Heimat stets umstrittenen van Gaal. Noch im Frühjahr war seine Ernennung zum Generaldirektor bei Ajax Amsterdam vom ewigen Gegenspieler Johan Cruyff verhindert worden. Ein zweiter Intimfeind ähnlicher Kragenweite ist ihm auch mit Uli Hoeneß erwachsen („er ist der Präsident, ich bin ein Passant in München“).

Er sieht Hoeneß als einzigen Grund für seine Entlassung in München – wenngleich er es „schön fände“, irgendwann zum FC Bayern (ohne Hoeneß) zurückzukehren. Denn van Gaal ist Wiederholungstäter. An jeder Wirkungsstätte hat er in seiner Karriere eine zweite Amtszeit erlebt: bei Ajax, in Barcelona, in Alkmaar und nun auch als „Bondscoach“. Auf dem Posten hat er etwas gutzumachen. 2001 scheiterte Oranje mit van Gaal blamabel in der WM-Qualifikation – auch weil der Trainer an zu vielen Altstars festhielt. Nun beschreibt er als „neue Strategie, dass ich keinem Spieler mehr Vertrauen geben will. Als Nationaltrainer bist du noch abhängiger von Resultaten, deshalb haben sie mein Vertrauen nur für ein Spiel.“ Van Gaal probierte in den ersten drei Monaten viele junge Spieler aus der heimischen „Eredivisie“ aus.

„Die Ergebnisse geben ihm recht“, sagt der Hamburger Rafael van der Vaart, einer der fünf Bundesligaspieler im holländischen Aufgebot. Nach vier Siegen in vier Spielen führen die Niederlande ihre WM-Qualifikationsgruppe überlegen vor Ungarn und Rumänien an. „Nicht unzufrieden“ ist van Gaal: „Aber erst nach dem Spiel gegen Deutschland wissen wir, wo wir stehen.“ Nach der 0:3-Vorführung vor einem Jahr und dem 1:2 bei der EM brennen die Holländer auf Revanche, wenngleich der sportliche Wert des Spiels nach den vielen Ausfällen im deutschen Team (und denen von Sneijder und van Persie im holländischen) deutlich geschrumpft ist.

Immerhin bekommt die Partie „durch die Personalie van Gaal zusätzliche Brisanz“, findet Oliver Bierhoff, Manager des Nationalteams. Dabei ist van Gaals persönliche Ausgangsposition gemütlicher als die des Kollegen Joachim Löw nach dem 4:4-Kollaps gegen Schweden. Van Gaal nennt Löw „einen guten Trainer“, der aber „noch nicht viel gewonnen hat“.

„Deutschland ist viel weiter als wir“, urteilt Arjen Robben, deshalb sei es „ein ganz wichtiger Test, denn unsere jungen Spieler können sich mit einigen der besten Spieler der Welt messen.“ Ein Reporter fragte, ob er eventuell noch ein Ticket für Uli Hoeneß besorgen könnte. Robben konnte nicht. „Da muss er Louis van Gaal anrufen.“

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