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Neymar Der König bleibt im Land

Zum zweiten Mal in Folge ist Neymar zum besten Spieler in Südamerika gewählt worden. Europäische Topklubs reißen sich um den brasilianischen Jungstar. Doch der verzichtet auf eine Weltkarriere - vorerst.

© REUTERS Vergrößern Die Frisur sitzt: Neymar

Brasiliens Haar-Stylisten schauen jedes Wochenende genau hin: Wenn Neymar zu einem Spiel im Trikot des FC Santos aufläuft, dann achten sie nicht auf die Pässe, Tore und Hackentricks des Teenie-Schwarms, sondern auf die neuesten Nuancen in der Haarpracht von Neymar da Silva Santos Júnior, wie der 20 Jahre alte Stürmer mit vollem Namen heißt. Sie wissen genau, gibt es eine neue Farbe in den langen Strähnen oder eine neue Facette in der Frisur, dann gibt es in den nächsten Tagen viel zu tun. Brasiliens Teenager sind verrückt danach, den Neymar-Style nachzuahmen. Nicht nur beim Fußball am Strand, sondern eben auch in der Disko am Wochenende.

Neymar, gerade erst zum zweiten Mal in Folge zum Spieler des Jahres in Südamerika gewählt, ist nicht nur auf dem Platz, sondern auch in Fragen von Mode und Lifestyle der brasilianische Trendsetter. Und wenn er obendrein zum Mikrofon greift, um mit einer Gesangseinlage Mädchenherzen höher schlagen zu lassen, oder medienwirksam die Hüften auf der Tanzfläche kreisen zu lassen, dann fehlen die Bilder in keinem Jahresrückblick. Ein klein wenig erinnert der Kult um den Wunderstürmer an die frühen Jahre des David Beckham bei Manchester United.

Viel mehr geht nicht in der Neuen Welt

Die Tageszeitung „El País“ hat traditionell zum Jahreswechsel die südamerikanischen Journalisten befragt, wen sie für den komplettesten und besten südamerikanischen Profi halten, der nicht in Europa die Fußballschuhe schnürt. Dabei zählen keine Frisuren und keine Gesangseinlagen, sondern die sportliche Qualität. Und das Urteil ist eindeutig: Von 438 teilnehmenden Sportjournalisten votierten 199 für Neymar. Der ehemalige Bundesligaprofi Paolo Guerrero vom brasilianischen Klub-Weltmeister Corinthians São Paulo landete auf Rang zwei. Für die brasilianischen Fußball-Legenden Zico und Pele ist Neymar ohnehin vor allem eines: ein Genie am Ball.

Mit der jüngsten Ehrung fügte Neymar seiner ohnehin schon beachtlichen kontinentalen Titelsammlung einen weiteren hinzu. Die südamerikanische Champions League, die Copa Libertadores, hat Neymar bereits mit dem FC Santos gewonnen. Nationale Titel und Auszeichnungen mit seinem Verein ebenso. Nun ist er zum zweiten Mal nacheinander Südamerikas Fußballer des Jahres - viel mehr geht nicht in der Neuen Welt.

Doch vom ganz großen Wurf ist er noch ein gutes Stück weit entfernt. Am 7. Januar wird im Kongresshaus in Zürich der „Weltfußballer des Jahres“ gekürt. Lionel Messi, Cristiano Ronaldo und Andres Iniesta sind die Kandidaten, Neymar hingegen hat es zum Leidwesen der brasilianischen Journalisten wieder nicht unter die Top 3 geschafft. Dabei sehen sie ihren Landsmann längst auf einer Stufe mit Argentiniens Lionel Messi.

Bislang zögert Neymar, sein Königreich zu verlassen

Joseph Blatter, der Präsident des Internationalen Fußball-Verbands (Fifa), musste deswegen bei seinem jüngsten Aufenthalt in São Paulo noch einmal die Maßstäbe zurechtrücken: „Derzeit liegt der Brennpunkt des Fußballs auf den großen europäischen Ligen, wo wir eine große Ansammlung von Stars vorfinden. Wenn man sich die Nominierten anschaut, wird diese Tatsache untermauert. Das ist natürlich für einen Spieler wie Neymar ein eher unglücklicher Umstand“, sagte Blatter und riet ihm damit indirekt zu einem Wechsel nach Europa.

Doch bislang weigert sich Neymar standhaft. Kein anderer Spieler weltweit hat derzeit so viele lukrative Anfragen vorliegen wie der junge Brasilianer: Die beiden Spitzenklubs aus Manchester sowie Real Madrid und der FC Barcelona, Italiens beste Adressen und natürlich der neureiche Klub aus Paris Saint-Germain werben um die Gunst des Mannes, der Brasilien 2014 zum WM-Titel im eigenen Land schießen soll.

Bislang aber zögert Neymar, sein Königreich zu verlassen. Die getreuen Untertanen danken es ihm mit devoter Zuneigung und Schulterklopfen, wenngleich sich zuletzt auch einige kritische Stimmen in den Jubelchor einreihten. Sie bemängelten die fehlende Konstanz in den Leistungen Neymars, der im Februar gerade einmal 21 Jahre alt wird. Vater Neymar da Silva hält dagegen an der Karriereplanung des Sohnes fest: Bis 2014 wird es keinen Transfer nach Europa geben. Aus finanziellen Gründen muss Neymar ohnehin nicht wechseln: Bei Santos machen elf Privatsponsoren den Topstar schon zum mehrfachen Millionär.

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Quelle: F.A.Z.

 
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