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Neuer Wettskandal Der neue Fußball-Wettskandal löst kein Beben aus

10.03.2006 ·  Im neuen Wettskandal wird gegen den Zweitligaverein Sportfreunde Siegen, den Regionalligaklub 1. FC Eschborn und den Siegener Torwart Adnan Masic ermittelt. Nach Informationen der F.A.Z. sollen fünf Klubs in die neueste Wettaffäre verwickelt sein.

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Ein neuer Wettskandal trifft ein Jahr nach der Bestechungsaffäre um den ehemaligen Schiedsrichter Robert Hoyzer und drei Monate vor Beginn der Weltmeisterschaft den deutschen Fußball. Die Frankfurter Staatsanwaltschaft hat am Freitag bestätigt, daß sie gegen vier Verdächtige Haftbefehle beim Amtsgericht erwirkt hat.

Die Untersuchungshaft ist nach Darstellung von Oberstaatsanwalt Thomas Bechtel wegen des dringenen Verdachts erlassen worden, die Verdächtigen hätten versucht, „andere Personen zu gewerbsmäßigem und bandenmäßigem Betrug“ anzustiften. Nach dem bisherigen Ermittlungsergebnis ist dieser Versuch bei mindestens fünf Spielen der Zweiten Bundesliga und der Regionalliga unternommen worden. Die Erste Bundesliga ist nicht betroffen.

Die Täter, Mitglieder einer international zusammengesetzten und agierenden Gruppierung, seien an Spieler mit Geldversprechen herangetreten. Für ein gewünschtes Ergebnis seien Geldbeträge in Höhe von mehreren tausend Euro versprochen worden, sagte Bechtel. In einem Fall habe ein Spieler das Angebot und das Geld angenommen. Manipuliert wurden laut Angaben der Strafverfolgungsbehörde solche Sportwetten, in denen die Teilnehmer auf die Anzahl der erzielten Tore setzten. Durch die Vorausbestimmung dieses Resultats sollten der Gruppe hohe Wettgewinne entstehen.

Zielscheibe der Drahtzieher

Die Frankfurter Staatsanwaltschaft ermittelt seit Wochen in dieser Sache gemeinsam mit dem hessischen Landeskriminalamt wegen bandenmäßigen Betrugs. In den sich abzeichnenden Skandal sind, unabhängig von der Frage nach Schuld oder Nichtschuld, der Zweitligaverein Sportfreunde Siegen, der Regionalligaklub 1. FC Eschborn und der Siegener Torwart Adnan Masic verwickelt. Auch der letztjährige Zweitliga-Absteiger Rot-Weiß Erfurt ist nach eigenen Angaben Zielscheibe der mutmaßlichen Drahtzieher gewesen.

Erfurts Manager Beutel bestätigte, daß der aus dem Kongo stammende RWE-Stürmer Dominick Kumbela mit einer Geldzahlung zur Manipulation bewegt werden sollte. Der 21jährige lehnte jedoch ab und meldete den Vorgang unverzüglich dem Verein. Die Affäre lösten die Eschborner durch eine Selbstanzeige beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) aus. Der Verband informierte daraufhin die Frankfurter Staatsanwaltschaft. Die bis zum Donnerstag diskrete Behandlung des Falles erklärte der DFB mit der Bitte der Staatsanwaltschaft um vertrauliche Behandlung aller Fakten.

Inzwischen wurde bekannt, daß zwei Fahnder des hessischen Landeskriminalamts auf der Geschäftsstelle der Sportfreunde Siegen deren bosnischen Torhüter Masic vernahmen. Masic soll sich vor dem am 26. Februar ausgetragenen Spiel der Sportfreunde bei Hansa Rostock (2:0) mit mutmaßlichen Drahtziehern der Wettbetrugsmanöver getroffen haben. „Masic“, sagte das Siegener Vorstandsmitglied Holger Rathke, „hat uns gegenüber bestätigt, daß er einen der vier Beteiligten kennt. Das hat er den Ermittlern bei seiner Vernehmung durch das LKA am Freitag auch mitgeteilt.“ Da der Torwart dem Verein gegenüber seine Unschuld beteuerte, wollen die Siegener vorerst keine Konsequenzen ziehen und Masic weiter einsetzen.

Wettbetrüger wollten 40.000 Euro zahlen

Aus Eschborn ließ Pressesprecher Kissau verlauten, daß „wir auf einen Manipulationsversuch sofort reagiert und den DFB informiert haben“. Wie der hessische Privatradiosender FFH meldete, hätten zwei Wettbetrüger einen Eschborner Spieler dazu zwingen wollen, das Heimspiel gegen den FC Augsburg am 26. November 2005 zu manipulieren. Die Begegnung, für die dem Verteidiger 40.000 Euro mit dem Ziel eines deutlichen Augsburger Sieges geboten worden sein sollen, fiel aber wegen schlechten Wetters aus und ist bisher nicht nachgeholt worden.

Nach Informationen der F.A.Z. sollen fünf Klubs in die neueste Wettaffäre verwickelt sein. Die Wettbetrüger, deren Herkunftsländer auf dem Balkan zu suchen seien, stammten aus dem Rhein-Main-Neckar-Raum mit dem Schwerpunkt Mannheim. Mutmaßungen und Spekulationen mochte die Staatsanwaltschaft Frankfurt am Freitag nicht kommentieren. Nicht einmal der Name des ins Gerede gekommenen Torwarts Masic wurde bei der Pressekonferenz bestätigt.

Die Informationspolitik der Staatsanwaltschaft ist nach Angaben ihres Sprechers bewußt restriktiv, um die sich noch im Anfangsstadium befindenden Ermittlungen nicht zu gefährden. Nach Bechtels Darstellung sollen die Wettbetrugsfälle Anfang dieses Jahres begonnen haben. Am Montag dieser Woche seien „nach zielgerichteten Ermittlungsmaßnahmen“ vier Personen, über deren Nationalität und Identität keine Angaben gemacht wurden, festgenommen worden. Der zuständige Amtsrichter habe am folgenden Tag die beantragte Untersuchungshaft angeordnet. Es bestehe sowohl Flucht- als auch Verdunkelungsgefahr.

Zwanziger: „Wir nehmen die Sache sehr ernst“

Die richterlich bestätigte Rechtskonstruktion für den Haftbefehl ist ungewöhnlich. Sie geht davon aus, daß die Verdächtigen sowohl Mitglieder einer Bande sind als auch ihren Lebensunterhalt mindestens zu einem erheblichen Teil während des Tatzeitraums durch Wettmanipulationen verdient haben oder verdienen wollten.

Um dies zu erreichen, sollen sie Fußballspieler zur Teilnahme angestiftet haben. Unter diesen Voraussetzungen stellt sich nach Angaben Bechtels das Vorgehen der Verdächtigen als Verbrechen dar, ließ sich der Haftbefehl begründen und wurde zugleich die Möglichkeit eröffnet, das Fahndungsmittel der Telefonüberwachung einzusetzen.

Beim DFB wird die Tragweite dieses Wettbetrugs als nicht so gravierend wie der Hoyzer-Skandal eingeschätzt. DFB-Präsident Zwanziger sagte am Freitag: „Dennoch nehmen wir die Sache sehr ernst. Alle sollen entsprechend bestraft werden, denn sie gehören nicht zu uns.“ Zwanziger zeigte sich erleichtert, daß diesmal wohl keine Schiedsrichter in die Betrugsaffäre verwickelt seien.

Quelle: r.z./tk., F.A.Z., 11.03.2006, Nr. 60 / Seite 32
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