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Neue Trainingsarbeit Lachen und loben für Deutschland

06.10.2005 ·  Ein Jahr ist vergangen, seit Klinsmann in den Vereinigten Staaten um Amtshilfe bat. Die Fitnesstrainer Verstegen, Forsythe und Friedman aus Los Angeles machen in diesen Tagen zum dritten Mal den besten deutschen Fußballspielern Beine.

Von Frank Heike, Hamburg
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Manchmal schauen die Kollegen bei Hertha BSC Berlin irritiert, wenn Arne Friedrich seine Hausaufgaben macht. "Ich konnte sie bisher noch nicht anstecken", sagt Friedrich, "aber das macht nichts. Ich halte die Übungen für richtig gut. Das sind Sachen, die uns weiterbringen. Sie fördern die Eigenverantwortlichkeit."

Friedrich schätzt diese manchmal komisch aussehenden Einheiten zur Schnellkraft und Sprintausdauer, zur Sprungkraft und Beweglichkeit. Er hat sie zum ersten Mal vor einem Jahr im Nationalteam erlebt. Skeptisch sei er damals nicht gewesen. "Ich konnte mir nur nichts drunter vorstellen. Es war ein ganz neues Gebiet für mich. Aber ich habe mir gedacht: Wenn die besten Leute aus Amerika kommen, werden sie schon nichts Schlechtes mitbringen."

„Excellent!“ - „Faster!“ - „Good!“

Mark Verstegen würde Friedrich für solche Sätze wahrscheinlich ein lautes "Great, Arne!" entgegenschmettern. So, wie es der notorisch positive amerikanische Fitnesstrainer auch auf dem saftigen Rasen an diesem strahlenden Mittwoch macht. Die Profis gehen nach einem Trainingsspiel auf den Nebenplatz und arbeiten dort mit farbigen Medizinbällen, schwarzen Gummibändern und niedrigen, silbrigglänzenden Hürden: hoch konzentriert, mit Spaß bei der Sache, eine halbe Stunde lang. In der Teambesprechung am Morgen sei die Einheit angekündigt worden, sagt Friedrich.

Verstegens Kommandos kommen schnell, laut, klar: "Excellent!" - "Faster!" - "Good!" ruft der Mann mit dem Bürstenschnitt im roten DFB-Trainingsanzug. Er nennt alle Deutschen beim Vornamen. Er lobt auch bei Fehlern. Wenn Bernd Schneider etwa Schwierigkeiten hat, den Medizinball aus der Hocke genauso kraftvoll hochzustoßen wie es Patrick Owomoyela eindrucksvoll gelingt. Schneider sagt später: "Medizinbälle, die haben wir in Leverkusen nicht so." Aber auch ihm gefällt die Abwechslung im Training. "Natürlich spiele ich lieber mit dem richtigen Ball. Aber es geht nicht immer darum, was Spaß macht." Bemerkt er Veränderungen? "Ich glaube schon, daß meine Fitness besser geworden ist", sagt Schneider.

„Ein Stückchen besser machen“

Ein Jahr ist vergangen, seit Jürgen Klinsmann in den Vereinigten Staaten um Amtshilfe bat. Verstegen und seine Kollegen Shad Forsythe und Craig Friedman vom Trainingszentrum "Athletes' Performance" in Los Angeles sind in diesen Tagen zum dritten Mal seit September 2004 mit den besten deutschen Fußballspielern im Einsatz.

Verstegen sagt, während sein grüner Tee kalt wird: "Es macht uns große Freude, mit diesen Topathleten zu arbeiten. Wir lachen viel, wir haben ein tolles Verhältnis. Wir sind genauso leidenschaftlich wie die Spieler. Wir wollen sie alle ein Stückchen besser machen. Gemeinsam." Verstegen ist ansteckend energisch und zuversichtlich. Eine Sprachbarriere gebe es nicht, die meisten Deutschen könnten gut Englisch und überhaupt: "Wir arbeiten viel mit Gesten und Geräuschen."

Es scheint manchen noch etwas peinlich, wenn sie die Luft aus dem Brustkorb beim Hochstoßen der schweren Bälle geräuschvoll auspressen sollen. Verstegen kann das perfekt vormachen. Seine Mischung aus klarer Ansage, kurzen, knackigen Übungen und sanfter Korrektur scheint den Profis zu gefallen.

Lechzen nach Ablenkung

Mancher scheint nach Ablenkung im Trainingsalltag gelechzt zu haben. Timo Hildebrand sagt: "Ich arbeite unheimlich gern mit Mark. Er ist absolut professionell. Die Übungen bringen mich weiter, sie machen auch Spaß." Seine Schnelligkeit, seine Spritzigkeit hätten sich verbessert, und die lockere Art von Verstegens Team gefällt ihm auch. Beim VfB Stuttgart hat Hildebrand diese Professionalität nicht erlebt. "Hier ist die Betreuung viel intensiver."

Am Dienstag hat jemand Mark Verstegen gefragt, ob sich die Deutschen unter seiner Obhut denn irgendwann so tänzerisch-elegant aufwärmten wie die Brasilianer. Verstegen hat gegrinst, überlegt und geantwortet: "Die Brasilianer haben einen anderen kulturellen Hintergrund. Wir wollen die deutschen Eigenschaften behalten: Präzision, Effektivität." Aus seinem Mund klingt das wie ein Lob. Absolut.

Quelle: F.A.Z., 06.10.2005, Nr. 232 / Seite 33
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