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Veröffentlicht: 06.10.2012, 11:45 Uhr

Neonazis im Fußball Braune Flecken

Das deutsche Fußball-Idyll zeigt Risse: Neonazis unterwandern nun auch im Westen zunehmend selbst offizielle Fanklubs. Besonders betroffen von der geschickten, rechtsextremen Agitation sind Dortmund und Aachen.

von und Olaf Sundermeyer
© imago sportfotodienst Untertauchen in der Masse: Neonazis versuchen in Dortmund die Fanszenen zu unterwandern

Das 5:0 gegen Mönchengladbach am Samstagabend war wieder ein Fußballfest für Borussia Dortmund. Die Südtribüne feierte. Und mittendrin im schwarz-gelben Jubel auf der größten Stehtribüne Europas standen auch wieder die alten Freunde von „SS-Siggi“, wie immer bei Heimspielen. Unter der Südtribüne, am Aufgang zu Block 13, in dem kleinen Raum des Dortmunder Fanprojekts, sitzen auch einige Rechtsradikale in der Halbzeit zusammen und kippen ein paar Pils. Rocker stehen daneben, auch sie gehören zur rechtsextremen Szene in der Region.

Michael Horeni Folgen:

Man kennt sich im Stadion. Die rechte Stammkundschaft des BVB hat sich lange im Hintergrund gehalten, neuerdings aber gibt sich die Szene zu erkennen. Beim Auswärtsspiel in Hamburg vor zwei Wochen tauchte ein Banner auf. „30 Jahre Borussenfront Dortmund - Ein Mythos stirbt nie“, stand darauf. Schon während der Saisonpremiere gegen Bremen hatte auf der Südtribüne ein Transparent mit dem Schriftzug „Solidarität mit dem NWDO“ Schlagzeilen provoziert. Die Neonazi-Gruppierung „Nationaler Widerstand Dortmund“ war kurz davor vom Innenministerium in Nordrhein-Westfalen verboten worden, ebenso die „Kameradschaft Hamm“ und die „Kameradschaft Aachener Land“.

In diesen verbotenen Organisationen ist die Verbindung zwischen Rechtsextremen und Fußballfans eindeutig. Und auch das Problem, das sich für die Klubs daraus ergibt. Nicht nur in Dortmund, Paderborn oder Bielefeld, auch in Aachen. Aber beim deutschen Meister ganz besonders.

21637607 © Archiv Vergrößern Rechtsextreme setzen wieder Zeichen: Transparent des „Nationalen Widerstands Dortmund“

In den vergangenen Jahren hat man den deutschen Fußball als reine Erfolgsgeschichte wahrgenommen, von Krise keine Spur. Überall im Land zogen die neuen Arenen ihr eigenes, neues Publikum an: Immer mehr Frauen und Kinder kamen, die Bundesliga war auf einmal auch ein Magnet für Familien - komfortabel, unterhaltsam und harmlos wie ein Holiday-Park.

Die Zeiten, in denen Hooligans ihr Unwesen trieben und das Stadion ein Ort war, in dem junge Männer die Sau raus ließen, Schwarze und Schwule ungestraft beleidigen durften, lagen weit zurück. Auch die rechten Schreckgespenster schienen aus der schönen neuen deutschen Party-Fußballwelt verbannt. Aber nur auf den ersten Blick.

Schwerpunkt Nordrhein-Westfalen

Spätestens im vergangenen Jahr zeigten sich erste Risse im modernen deutschen Fußball-Idyll. Mit Politik schien das zunächst nichts zu tun zu haben. Es waren zündelnde und schlagende Ultras, die Vereine und Verbände in Unruhe versetzten. Im Schatten dieser vielschichtigeren und auch politischeren Jugendbewegung, die mittlerweile seit rund zehn Jahren den Ton in den Arenen angibt, sind die alten, nur scheinbar vertriebenen Geister erstarkt. In den strahlenden Arenen zeigen sich mittlerweile bundesweit braune Flecken, nicht mehr nur im Osten.

Aus einer bisher unveröffentlichten Anlage des „Jahresberichts Fußball Saison 2010/2011“ der Zentralen Informationsstelle Sporteinsätze geht hervor, dass es mittlerweile bei 16 Klubs aus den drei Profiligen Überschneidungen zwischen gewaltbereiten Fans und der rechten Szene gibt. Eindeutiger Schwerpunkt mit insgesamt acht Vereinen: Nordrhein-Westfalen. Auch Düsseldorf, Mönchengladbach, Oberhausen und Duisburg gehören dazu.

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