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Nationalmannschaftskommentar Winterfavoriten und Sommerhelden

13.11.2011 ·  Jede Möglichkeit, die der Bundestrainer bietet, auf dem Platz neue Erkenntnisse zu sammeln, wird mit Eifer wahrgenommen. Gegen die Niederlande wird es experimentierfreudig weitergehen.

Von Michael Ashelm
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© dpa So viele Möglichkeiten: Der Bundestrainer in Hamburg

In sieben Monaten erst beginnt die Fußball-EM. Nicht mal alle Teilnehmer stehen fest, geschweige denn die einzelnen Gruppen und damit die ersten Gegner der deutschen Mannschaft.

Zu einer Zeit in der Saison, in der sich die Konzentration der Spieler vor allem auf ihre Vereine richtet, ging es in der Vergangenheit bei der Nationalmannschaft üblicherweise nur darum, die letzten Aufgaben des Jahres einigermaßen mit Anstand über die Bühne zu bringen.

Doch nicht erst seit der Siegesserie in der EM-Qualifikation ist spürbar, dass das junge deutsche Team diesmal sehr früh und fokussiert wie nie zuvor den sportlichen Höhepunkt der Spielzeit ins Visier genommen hat. Jede Möglichkeit, die der Bundestrainer bietet, auf dem Platz neue Erkenntnisse zu sammeln, wird mit Eifer wahrgenommen.

Die neue Qualität der Spieler, ihre Aufnahmefähigkeit, der Einsatzwillen auch für die Gruppe und die Breite des personellen Angebots sorgen für eine Basis, auf der sich vielversprechend arbeiten lässt. Der Bundestrainer nutzt dieses Potential, um das Handlungsprogramm seiner Elf zu erweitern.

Beim 3:3 am Freitag gegen die ukrainische Auswahl in Kiew schickte Joachim Löw drei Innenverteidiger als Dreierabwehrkette aufs Feld. Mit dieser taktischen Variante lässt sich durch einen weiteren Akteur im Mittelfeld mehr Druck entwickeln, was zum Beispiel nötig wäre, wenn unbedingt ein Rückstand im Spiel aufgeholt werden müsste.

Özil und Götze wenig geschmeidig

Die Simulation des Ernstfalls am Endspielort der bevorstehenden Europameisterschaft verlief zwar unterhaltsam, aber einigermaßen holprig. Bemerkbar machte sich nicht nur das Fehlen des zentralen Spielstrategen Bastian Schweinsteiger. Auch das Zusammenwirken der beiden Zauberfußballer Mesut Özil und Mario Götze im offensiven Mittelfeld gestaltete sich wenig geschmeidig.

Zugleich sind genau diese Erfahrungen notwendig, damit Löws talentierte Mannschaft den gewünschten nächsten Schritt nach vorne macht. Wer den Weltfußball beherrschen will, muss über eine hohe taktische Flexibilität verfügen und Spielsysteme jederzeit intelligent verändern können, ohne dass es bei den Spielern „viele Fragen" gibt, wie Löw das ausdrückt.

So könnte der Bundestrainer in der letzten Partie des Jahres an diesem Dienstag gegen die Niederlande wieder einmal nach längerer Zeit mit den Stürmern Miroslav Klose und Mario Gomez in einer 4-4-2-Formation statt im gewohnten 4-2-3-1-System aufspielen lassen. Damit aus den deutschen Winterfavoriten im nächsten Jahr wahre Sommerhelden werden, ist jedenfalls auch im Prestigeduell gegen Holland Experimentierfreude auf deutscher Seite alles andere als ein Unwort.

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