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Nationalmannschafts-Kommentar Vorbild für Brasilien

11.08.2011 ·  Der 3:2-Sieg gegen Brasilien ist nicht nur Argumentationshilfe für den Bundestrainer im Kampf um weitere Nationalmannschaftstermine. Das Spiel ist auch Abbild einer neuen Wirklichkeit. Und es vergrößert die Sehnsucht nach Titeln.

Von Michael Horeni, Stuttgart
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Man hat sich in Deutschland daran gewöhnt, dass vor Test-Länderspielen der Nationalmannschaft in der Bundesliga der Chor der Kritiker anhebt. Das vielstimmige Gezeter gehört mittlerweile dazu wie die Nationalhymnen vor dem Anpfiff. Zuletzt war es Christian Seifert, der Chef der Bundesliga, der hinausposaunte, dass er den Termin für die Partie gegen Brasilien unsinnig finde, und die Bayern halten ohnehin fast jedes Testspiel von Löw und Co. für Schmarrn.

Tatsächlich liegen einige Termine der internationalen Verbände ziemlich unglücklich, bekannt ist das den Kritikern längst, und zugestimmt haben sie ihnen auch, aber an ihrem deutschen Fußballritual halten sie seit Jahren eisern fest: meckern & motzen.

Joachim Löw hat nach dem wunderbaren 3:2 gegen Brasilien (siehe: 3:2 gegen Brasilien: Deutschland gewinnt den Klassiker) kurz daran erinnert, wie sehr auch dieser Klassiker zuvor im Zeichen der nationalen Eifersüchteleien gestanden hatte. Der sommerleichte Abend von Stuttgart war daher nicht nur einer der süßesten deutschen Erfolge der vergangenen Jahre in einem Testspiel. Er wird dem Bundestrainer auch in Zukunft eine schöne Argumentationshilfe sein, warum Länderspiele jenseits der Qualifikation für Europa- und Weltmeisterschaften ihren eigenen Wert besitzen.

Der erste Sieg gegen Brasilien nach 18 Jahren war nicht nur ein Erfolg für die Nationalmannschaft auf ihrem Weg zur Europameisterschaft 2012, die erstklassige Vorstellung diente auch als erstklassige Werbung für Fußball made in Germany auf der ganzen Welt.

Abbild einer neuen Fußball-Wirklichkeit

Man muss nicht gleich von einer Sternstunde des deutschen Fußballs sprechen angesichts der spielerischen und kombinatorischen Überlegenheit gegen eine Land von mythischer Fußballgröße. Aber es ist noch nicht oft vorgekommen, dass ein brasilianischer Nationaltrainer eingestand, dass seine Mannschaft in neunzig Minuten in allen Belangen unterlegen war und längst noch nicht so weit ist wie ihr Gegner.

Dass der deutsche Fußball einmal Vorbild für Brasilien sein könnte, hätte man vor ein paar Jahren noch für einen Witz gehalten. In Stuttgart war es das schöne Abbild einer seit der WM 2010 schon nicht mehr ganz so neuen Fußball-Wirklichkeit.

Sehnsucht nach Titeln

Dieser Erfolg, geboren aus jahrelanger, kontinuierlicher Aufbauarbeit, zu der auch manch zerfahrenes Länderspiel mit immer neuen Kandidaten gehörte, war in jedem Fall das Beste, was der deutsche Fußball unter Testbedingungen seit vielen Jahren zustande gebracht hat. Die Selbstverständlichkeit, mit der Löw und selbst seine jüngsten Helfer wie Mario Götze und Andre Schürrle diesen rundum eindrucksvollen Erfolg gegen den Rekord-Weltmeister ganz nüchtern als einen nur weiteren Entwicklungsschritt zur Kenntnis nahmen, machte eine Entschlossenheit deutlich, die sich nur noch mit höchsten Zielen zufrieden gibt: den Titeln bei der Europameisterschaft 2012 und zwei Jahr später bei der Weltmeisterschaft in Brasilien.

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Jahrgang 1965, Korrespondent für Sport in Berlin.

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