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Nationalmannschafts-Kommentar Jenseits der Feinschmeckerei

Der Sieg in Paris war eine Erlösung für Joachim Löw. Aber zum Liebling wird er erst wieder, wenn die Nationalmannschaft auch noch weitere Prüfungen besteht.

© dpa Vergrößern Weiter auf dem Prüfstand: Joachim Löw und die Nationalmannschaft

Dass Joachim Löw nach dem Schlusspfiff grummelnd in die Kabine verschwand, war ein gutes Zeichen. Es konnte dem Bundestrainer nicht gefallen, dass seine Mannschaft in den letzten Minuten des Spiels gegen Frankreich den Sieg noch einmal in Gefahr brachte. Vordergründig ging es um den verdienten Lohn eines bis dahin sehr engagiert absolvierten Arbeitstages.

Darüber hinaus aber hatte noch etwas ganz anderes auf dem Spiel gestanden. Auch Löw wird geahnt haben: ein ordentlicher Auftritt mit einem Unentschieden hätte längst nicht dieselbe Wirkung über den Tag hinaus entfaltet. Es drohte vielmehr eine Verlängerung dieses hypersensiblen und unangenehmen Zustands, den er und seine Mannschaft mit dem 4:4 gegen Schweden heraufbeschworen hatten. Ein Klima, in dem alles, was rund um die Nationalmannschaft passiert, mit einer mehr oder minder großen Portion Skepsis begleitet wird. Und an dem sich bis weit ins Jahr 2013 hinein nichts geändert hätte: Wirklich zu gewinnen wäre nichts gewesen in den Vergleichen mit Kasachstan im März und auf der Reise in die Vereinigten Staaten im Juni.

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Die Frankreich-Reise durfte deshalb auf gar keinen Fall schiefgehen. Und die Art und Weise, wie die Mannschaft sich der Aufgabe annahm - auch ohne einige der arrivierten Kräfte -, machte Mut und schuf Vertrauen. Auch in Löw.

Erst schwierige Situationen werden Antworten bringen

Wirklich leicht wird es der Bundestrainer auch so nicht haben. Seinen einstigen Status als Liebling der Massen kann er weiterhin nur mit dem Gewinn einer Trophäe wiedererlangen. Vor allem aber scheint seine Rolle innerhalb des deutschen Fußballbetriebs geschwächt: Die Kräfteverhältnisse verschoben sich zuletzt zusehends vom einstigen Motor Nationalmannschaft hin zu den (Spitzen-)Klubs. Empfindlichkeiten, wer welche Spieler abstellen muss, während andere offenbar zu Schonung neigen, sind bereits zu spüren. Eine neue Situation für Löw. Zumindest aber hat der Bundestrainer nun wieder Boden unter den Füßen: Eine einigermaßen solide Basis, von der aus er das Unternehmen WM 2014 nach seinen Vorstellungen angehen kann.

Ob das die richtigen sind, ist freilich mit einem einzigen Sieg noch nicht erwiesen. Thomas Müller, einer der besten in Paris, schwärmte zwar schon von der „Siegermentalität, die wieder in uns ist“, und fügte hinzu: „Jetzt hat das ganze Land gesehen, dass beim DFB nicht alles schlecht ist.“ Das heißt aber eben auch noch nicht automatisch, dass alles gut ist im Staate Löws. Erst die kommenden Monate werden zeigen, ob der Konkurrenzkampf, von dem der Bundestrainer in diesen Tagen so oft gesprochen hat, auf längere Sicht am Leben bleibt und die gewünschten Kräfte freisetzt.

Erst die nächsten schwierigen Situationen werden zeigen, ob er selbst die nötigen Antworten findet. In seinen öffentlichen Ausführungen konnte man zuletzt das Gefühl gewinnen, dass die Freude am schönen Spiel wichtiger sei als alles andere. Dazu passend stellte in Paris ein französischer Journalist das schöne Wort von den „romantischen Verlierern“ in den Raum. Löw schien es nicht zu schmecken. Soll es am Ende seiner Schaffenszeit doch etwas mehr sein als der Schönheitspreis, ist jetzt Biss gefragt. Und zwar der eines Hungrigen. Nicht der des Gourmets.

Quelle: F.A.Z.

 
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