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Nationalmannschafts-Kommentar Ausrufezeichen zur rechten Zeit

04.06.2010 ·  Vor dem erfreulichen Testspielsieg gegen Bosnien-Hercegovina wirkte Bundestrainer Löw noch wie ein Verwalter des deutschen Fußballs. Nun aber verbreiten er und sein Kader Zuversicht für die Reise nach Südafrika.

Von Michael Horeni
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Wenn man Joachim Löw in Frankfurt über seine Mannschaft, seine Pläne und die Weltmeisterschaft plaudern hörte, dann merkte man, dass die Vorbereitungswochen auch dem Bundestrainer gut bekommen sind. Angespannt und mit ernster Miene hatte er noch vor einem Monat wie der erste Fußballverwalter des Landes die Nominierung seines Kaders vorgenommen. Er sprach wie bedrückt und beladen von der schwierigsten Vorbereitung der deutschen WM-Geschichte. Als er in der vergangen Woche die Wahl seines Kapitäns in staatstragender Manier bekanntgab, hätte man glauben können, er müsse Lahms Rücktritt verkünden. Nach der Generalprobe in Frankfurt und drei Tage vor dem Abflug wirkte Joachim Löw öffentlich so selbstbewusst und lebendig wie seine junge Mannschaft. Und den Schuss Souveränität, der seinem Team noch fehlt, brachte der Bundestrainer nach dem 3:1 gegen Bosnien-Hercegovina wie selbstverständlich mit ein.

Das letzte Testspiel vor dem Start am 13. Juni gegen Australien war auch eine erstklassige Arbeitsprobe des Bundestrainers. Die Erleichterung darüber, wie er sich selbst nach zähen und quälenden Monaten durch den Frankfurter Auftritt, der seine starke konzeptionelle Handschrift trug, aus der Defensive befreite, war jedenfalls unverkennbar – wie die Zufriedenheit über seine geglückte Grundlagenarbeit.

Auf all die Diskussionen in diesem Jahr hat Löw seine Mannschaft gegen Bosnien eine Antwort geben lassen, die fürs Erste die ständige Kritik an seiner Personalauswahl merklich dämpfen, vielleicht sogar verstummen lassen könnte. Das zielstrebige und temporeiche Bemühen um offensiven Fußball, der im defensiven Mittelfeld nun nicht zuletzt mit Khedira seinen vielversprechenden Anfang nimmt (siehe auch: Nationalmannschaft: Gut für die Hierarchie), war in Frankfurt das stärkste Argument, das Löw etwa für seinen Verzicht auf Frings ins Spiel bringen konnte. Die flotte Spielweise sagte mehr als tausend Worte – sie ist Löws Ausrufezeichen zur rechten Zeit nach den vielen Wochen und Monaten der Besserwisserei von Boulevard und Bundesliga.

Glaube der Mannschaft an die Fähigkeiten ihres Trainers

Es wurde ebenfalls sichtbar, dass sich der Erfolg dieser Mannschaft jedenfalls nicht an Kuranyi bemisst, trotz aller Schwächen Kloses. Auch Löws Verzicht auf Nachnominierungen nach den Ausfällen von Ballack, Träsch und Westermann bestätigte die Mannschaft durch geschlossenes Engagement und Spielwitz, was zur Freude des Trainers schon wie einstudiert wirkte.

Dass sich auf dieser Vorstellung und diesen Vorstellungen aufbauen lässt und der Glaube der Mannschaft an die Fähigkeiten ihres Trainers durch den Praxisbeweis noch einmal gestärkt wurde, das weiß der Bundestrainer sehr genau.

Begeisterungsfähigkeit weiter ausleben

In drei Wochen hat es Löw geschafft, aus einer schwierigen Lage ein WM-Gefühl hervorzubringen, das seine junge Mannschaft dringend braucht, um sich davon über sich selbst hinaus tragen zu lassen. Ein Erfolg in Südafrika ist damit keineswegs garantiert. Selbst die Vorrunde zu überstehen wird für das junge deutsche Team immer noch kein Kinderspiel. Dafür muss es größere innere Sicherheit gewinnen und seine Begeisterungsfähigkeit weiter ausleben, um dann auch individuelle Schwächen gegen erstklassige Konkurrenz mehr als nur wettzumachen.

Aber dass der Bundestrainer und sein Team einen Plan besitzen, wie das gelingen könnte, dies zu erleben war der größte Gewinn einer Generalprobe, die Fußball-Deutschland ein erstes schönes Sommergefühl schenkte, von dem es in den nächsten Wochen gar nicht genug bekommen kann.

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Jahrgang 1965, Korrespondent für Sport in Berlin.

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