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Nationalmannschafts-Glosse Unterirdisch

Die Nationalmannschaft ist mit der London Underground zum Training gefahren. Deutschland hat schon bodenständige Elitekicker. Erstaunlich, wie viel man über Normalität reden muss.

© dpa Vergrößern Die Nachbarn sind entspannt: Jogi Löw und Co-Trainer Hansi Flick in der Londoner U-Bahn

Tue Normales und rede darüber: Die deutsche Nationalmannschaft ist also am Montag wirklich mit der Tube gefahren! Nicht einmal ein eigenes Abteil ließ sie sich flugs von der Polizei reservieren, um mit der Londoner U-Bahn zum Abschlusstraining im Wembley-Stadion anzureisen. Wahnsinn! Wie bodenständig unsere Elitekicker doch sind! Sie mischen sich unters Volk, ganz ohne Double und doppelten Boden!

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In Zeiten von Twitter und Facebook darf der Deutsche Fußball-Bund (DFB) solche Heldentaten natürlich gerne via soziale Medien in die Welt hinausposaunen. Aber dass der Verband, der bei seiner Nationalmannschaft üblicherweise nur eine Minimal-Transparenz von 15 Minuten Warmlaufen bei  Trainingseinheiten gewährt pflegt, nun gleich eine Pressemitteilung mit der sensationellen Anreisevariante für staugeplagte London-Touristen herausschickt - samt vier Fotos -, ist ein wenig grotesk. Auch wenn der Verband noch flugs erklärt, dass es sich nicht um einen PR-Gag handelt. Die spontane unterirdische Anreise sei alleine dem Verkehrschaos in London geschuldet gewesen.

Nationaltrikot WM 2014 © dpa Vergrößern Nationalspieler im öffentlichen Verkehrsmittel? Ist doch ganz normal, wie die Trikotpräsentation mit Fan-Normalo in der vergangenen Woche suggerieren sollte

So viel Aufhebens wäre vielleicht angebracht, wenn die Kicker höchstpersönlich Spenden eingesammelt hätten für die Verbesserung der Betreuungssituation in Kindertagesstätten. Aber eine Fahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln als Sensationsmeldung, wo der DFB in München erst in der vergangenen Woche in einer Scheinrealität von dem Ausrüsterlogo übersäten Bussen das neue Trikot im gestellten Kontakt zu „normalen“ Fans präsentiert hat? Please mind the gap zwischen Wirklichkeit und der Scheinwelt des Fußballs.

Wo waren die Klappräder?

Umso erstaunlicher ist das Prahlen mit einer Normalität, als nahezu jeder Londoner Fußballprofi und mit einigen Verwicklungen auch Trainer wie Englands Nationaltrainer Roy Hodgson oder Christian Gross den Weg in den Untergrund im normalen Berufsalltag auf dem Weg zum Arbeitsplatz antritt, wie beispielsweise der heutige 1860-Profi Moritz Volz in seinem amüsanten Erfahrungsbericht „Unser Mann in London“ über seine Jahre in der Premier League berichtet. Volz hatte sogar immer ein Klapprad dabei. Aber zwei Dutzend solcher praktischer Vehikel konnte der DFB natürlich spontan nicht mehr auftreiben.

Nationalspieler fahren  mit Londoner U-Bahn zum Training © dpa Vergrößern Auf der Bank: Marcel Schmelzer, Per Mertesacker, Rene Adler und Mats Hummels

So sitzt also Joachim Löw ohne Klapprad tatsächlich nur zwei Meter entfernt von einem ganz normalen Londoner, der seine Kapuze auch noch tief ins Gesicht gezogen hat! Und die Herren Sam, Weidenfeller und Boateng lassen sich sogar von einem kleinen Jungen fotografieren! Und der Fußball-Intellektuelle Mats Hummels liest ein Buch bei Tempo 80! Wird die Nationalmannschaft also auf dem Weg zur WM in Brasilien dann doch zur Daily Soap mit Big-Brother-Ödnis?

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Nun folgt der gemeinsame Toilettengang

Noch ein Hinweis an die DFB-Öffentlichkeitsarbeiter: Heute, am Dienstag, am Spieltag (Anpfiff 21 Uhr/ live in der ARD und F.A.Z.-Liveticker inklusive WM-Relegation) ist Welt-Toilettentag. Wie wäre es denn, wenn die Nationalspieler nun auch noch den Kampf für bessere Hygiene auf öffentlichen Toiletten mit einem Team-Besuch auf den Zuschauer-Örtlichkeiten in Wembley unterstützen würden? Dann machen sich die Herren ganz sicher nicht in die Hose vor dem schweren Kick beim Erzrivalen.

Nationalspieler fahren  mit Londoner U-Bahn zum Training © dpa Vergrößern Ein kleiner Junge filmt mit seiner Handy-Kamera

Quelle: FAZ.NET

 
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