Home
http://www.faz.net/-gtm-74c07
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER

Nationalmannschaft Selbstverteidiger in der Offensive

Joachim Löw denkt gar nicht daran, nach der gewachsenen Kritik den Stil der Nationalelf zu verändern. Vor dem Länderspiel gegen die Niederlande (20.30 Uhr) gibt er die Losung aus: Weiter so.

© dapd Vergrößern Löw: Die Nationalmannschaft soll unter allen Umständen eine Attraktion bleiben

Heute weiß man, dass die Ära Löw vor exakt einem Jahr auf ihrem Höhepunkt war. Die Deutschen fegten im November 2011 die Niederlande mit ungeahnter Leichtigkeit hinweg. Dieser Sieg im großen Nachbarduell aber war mehr als nur ein Sieg. Er war ein Kunstwerk. So brillant wie bei diesem 3:0 in Hamburg hatte eine deutsche Nationalmannschaft seit Jahrzehnten nicht gespielt. Es war ein Fußball, den sich die Deutschen kaum zu erträumen gewagt hatten, von dem sie vor ein paar Jahren nicht einmal ahnten, dass sie ihn spielen konnten. Und Joachim Löw war es, der diesen Fußball geschaffen hat.

Michael Horeni Folgen:  

Die Gala von Hamburg enthielt aber auch ein Versprechen. Denn dass Schönheit kein Selbstzweck ist, gehört zum deutschen Fußballselbstverständnis. Eine verspielte Europameisterschaft und eine verschenkte 4:0-Führung gegen Schweden später trifft die Nationalmannschaft an diesem Mittwoch (20.30 Uhr/ live in ARD und F.A.Z.-Liveticker) wieder auf Holland. Am Tag vor dem Spiel wird Löw auf der Pressekonferenz gefragt, ob seine Mannschaft spielerisch immer noch besser als die holländische sei. Es ist die Frage eines Holländers. Löw ist in seinem Element, er spricht vom Ballbesitz- und Offensivspiel, dass die Holländer seit dreißig Jahren lernen, und dass sie immer noch zu einem der spielstärksten Teams der Welt gehörten. „Aber wir haben spielerisch aufgeholt, wir haben Holland zweimal hintereinander geschlagen.

Löw muss kämpfen

Wir haben es geschafft, einen solchen Gegner auch mal spielerisch zu dominieren.“ Es ist eine letzte Reminiszenz an die leichten Tage vor der EM, als der spielerische Glanz auch den großen Gewinn versprach. In Deutschland werden dem Bundestrainer mittlerweile andere Fragen gestellt. Sie drehen sich darum, was dem Team fehlt. Was geschehen muss, um das schöne Spiel zum Erfolg zu führen. Es geht um Defensivarbeit, deutsche Tugenden, um Hierarchie und Führung. Die Fragen sind spätestens nach dem 4:4 gegen die Schweden so drängend geworden, dass Löw nun in seiner „schwierigsten Phase“ als Bundestrainer steckt, wie er zuletzt sagte, eine Phase, die schon vier, fünf Monate dauert. Ob sie sich zum Dauerzustand bis zur WM ausweitet, ist nicht ausgeschlossen.

Länderspiel Deutschland - Niederlande © dpa Vergrößern Der Höhepunkt der Ära Löw: November 2011, 3:0 gegen Holland

Löw muss kämpfen. Zum ersten Mal, seit er die Nationalelf im Sommer 2006 übernahm. Aber noch weiß man nicht, ob der Begründer des schönen neuen deutschen Fußballs das kann. Schon die erste Frage eines deutschen Reporters zeigt in Amsterdam die neue Richtung an. Der holländische Trainer Louis van Gaal habe gesagt, Löw sei ein guter Trainer, aber was ihm fehle, sei Erfolg. Der Bundestrainer hält zunächst ein paar Komplimente für den ehemaligen Bayern-Trainer bereit, dann kontert er: „Es ist auch gut für einen Nationaltrainer, sich für ein Turnier zu qualifizieren. Dass hat er beim letzten Mal ja nicht geschafft.“ Der Bundestrainer hat den Angriff abgewehrt, spielerisch. Ganz so, wie er sich das auch von seiner Mannschaft auf dem Fußballplatz bei Attacken wünscht.

Eine kleine Medienoffensive

„Es wird viel von deutschen Tugenden gesprochen“, fuhr Löw fort. „Aber man muss auch den Mut haben zu sagen, dass die deutschen Tugenden heute auch technisch gut ausgebildete Spieler sind, ein technisch gutes Spiel - Angriffsfußball. Das wollen wir fördern.“ Jahrelang erschien Löw wie Deutschlands bester Fußballingenieur, einer, der sein Team immer weiter optimiert nach seinem Bild vom attraktiven Fußball. Nun aber ist er auch als Krisenmanager gefragt, als Sanierer der Defensive, als Motivator nach Rückschlägen. „Zwei Dinge“ seien ihm wichtig, sagt er. „Dass wir unserem Spielstil treu bleiben können - schnelles Spiel und Ballsicherheit. Und dass wir unsere Grundordnung herstellen.“ Die Balance zu finden, dass sei das Thema der nächsten Monate.

1 | 2 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Fußball-Nationalteam Löw nominiert Neuling Bellarabi

Mit 16 Weltmeistern geht Bundestrainer Joachim Löw in die EM-Qualifikationsspiele gegen Polen und Irland. Kevin Großkreutz fehlt, Max Kruse ist wieder dabei. Erstmals berufen wird Karim Bellarabi, der auch für Marokko spielen könnte. Mehr

02.10.2014, 14:44 Uhr | Sport
Deutsche Mannschaft brennt aufs Spiel

Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft will im WM-Achtelfinale Außenseiter Algerien nicht unterschätzen. Bundestrainer Löw hat aber ein gutes Gefühl. Er sei entspannt, konzentriert und fokussiert. Mehr

30.06.2014, 11:59 Uhr | Sport
Bayer Leverkusen Calhanoglus Empfehlung

Leverkusens Offensive brilliert beim 3:1-Sieg über Benfica in der Champions League. Calhanoglu lässt sich von seiner vergebenen Riesenchance nicht irritieren – und gibt Bundestrainer Löw eine Empfehlung. Mehr Von Peter Heß, Leverkusen

02.10.2014, 12:12 Uhr | Sport
Löw: Argentinien ist nicht nur Messi

Der Bundestrainer sagte vor dem Finale, die deutsche Mannschaft dürfe sich nicht nur auf den argentinischen Kapitän konzentrieren. In Berlin fiebern die Fans unterdessen dem großen Spiel am Abend entgegen. Mehr

13.07.2014, 14:31 Uhr | Sport
Ryder Cup Fußball-Weltmeister als Vorbild

Martin Kaymer und seine elf Mitstreiter wollen den Ryder Cup für Europa gegen die Vereinigten Staaten verteidigen. Am Freitagmorgen geht es mit klassischen Vierern los, Kaymer spielt zusammen mit Thomas Björn. Mehr

25.09.2014, 13:32 Uhr | Sport
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 13.11.2012, 17:12 Uhr

Medaillen sind nicht alles

Von Anno Hecker

Die Eislauf-Trainerkarriere des ehemaligen Stasi-Spitzels Ingo Steuer ist gefährdet. Wer im Fall Ingo Steuer von einem Berufsverbot für den Eislauftrainer spricht, verkennt die Realität. Mehr 2 4