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Nationalmannschaft Rückkehrer Podolski sucht den Anschluss

12.09.2007 ·  Joachim Löw lässt rotieren, aber trotz des Wechsels der halben Startelf soll sich die deutsche Fußball-Nationalmannschaft auch gegen Rumänien behaupten. Im Angriff setzt der Bundestrainer auf die „Kölner“ Lösung mit Podolski und Helmes.

Von Michael Ashelm, Köln
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Fußball in Köln, das ist neben dem Klüngel beim FC auch immer volkstümlicher Frohsinn. Dieser warmherzigen Mentalität der Fans bedient sich die Nationalmannschaft natürlich gerne, wenn sie hier mal Station macht.

An diesem Mittwochabend, zum Länderspiel gegen Rumänien (20.30 Uhr, FAZ.NET-Liveticker), wird im Stadion erst mal die zum lokalen Kult erhobene Gruppe Höhner kölsches Liedgut zum Besten geben. „Schön was zum Mitklatschen“, wie Oliver Bierhoff, der Manager der deutschen Elf, ankündigt. Und weil dem derzeit mit Spitzenfußball wenig verwöhnten Publikum auch sportlich noch etwas mehr geboten werden soll, war zu Beginn der Woche schon geklärt, dass die beiden mit der Stadt so eng verbundenen Nationalspieler Lukas Podolski und Patrick Helmes gemeinsam im Angriff auflaufen werden. „Die brennen auf das Spiel“, so Bierhoff.

Die lockeren Tage von einst sind passé

Eigentlich könnte dieser Mittwoch zum neuen Feiertag für die Stadt erklärt werden. Während der 23 Jahre Kölner Zweitligastürmer Helmes als unerfahrener Novize den Abend absolvieren wird, ist die Testpartie für Podolski ein ungeduldig erwarteter Rückkehrversuch. Zum ersten Mal nach seiner viermonatigen Verletzungspause wegen einer Knieoperation spielt er von Beginn an. Gegen Wales und zuletzt beim FC Bayern war er nur kurz eingewechselt worden.

„Jetzt will ich wieder Gas geben“, sagt Podolski zwar gewohnt unbekümmert. Doch es scheint, als seien die lockeren Tage von einst passé. Einiges hat sich um den Liebling der Fußballmassen herum verändert. Als die Nationalelf zuletzt in Köln vorbeischaute, es war im Jahr 2005 zum Confederations Cup, da startete Podolski gerade als neuer Star der Nationalelf durch und wurde zusammen mit seinem Spielpartner Bastian Schweinsteiger zum Pop-Duo des deutschen Fußballs.

Es lief mit der Show, es lief auf dem Platz. Mit jugendlicher Frische nahm er die ersten Hürden im großen Geschäft, und während der Weltmeisterschaft war er an der Seite von Miroslav Klose im Angriff fester Bestandteil des deutschen „Sommermärchens“ (Siehe auch: WM-Abschied am Brandenburger Tor: Loveparade für Klinsmann und sein Team).

In München nur Ersatz

Wenn Bundestrainer Joachim Löw heute über den 22 Jahre alten Angreifer spricht und erklärt, weshalb er gegen Rumänien aufgestellt wird, dann bemüht er auch erst mal die Vergangenheit. „Er hat 2005 und 2006 viel für die Nationalmannschaft geleistet und viele Tore für uns geschossen“, so Löw. Durch die Verletzung und das langwierige Aufbauprogramm fehlt Podolski derzeit nicht nur Praxis, sondern auch der Anschluss. In der Nationalmannschaft sind der Neu-Bayer Klose und der erstarkte Schalker Kevin Kuranyi erste Wahl im Angriff. Beide werden von Löw für das Bundesliga-Spitzenspiel am Samstag zwischen ihren Vereinen geschont. Nebenbei ist Mario Gomez vom VfB Stuttgart, der „Fußballer des Jahres“, zum offensiven Kandidatenkreis dazugestoßen.

Beim FC Bayern steht Podolski ebenfalls im zweiten Glied, noch mehr nach seiner Verletzung und der personellen Aufrüstung in der Offensive. In seiner ersten Saison in München gelangen ihm vier Bundesligatore in 22 Spielen, was keine gute Empfehlung ist. „Das war nichts“, wie er einräumt. Er habe sich das bei den Bayern anders vorgestellt. Es gibt nun Stimmen aus der Branche, die bezweifeln, dass Podolski seinen Weg zum nationalen Stürmer-Star machen wird – ob böswillig oder nicht. Er selbst bleibt da standhaft. „Mich interessiert nicht, was die Leute sagen. Ich kenne meine Qualitäten und werde mich durchsetzen.“

Die Höhner und die Fußball-Lieblinge

In 39 Spielen für die Nationalmannschaft hat er 22 Tore erzielte, eine gute Quote. Von Löw und Co. wird er weiterhin als eines der ganz großen Talente gesehen und gefördert. Genauso wie beim FC Bayern, wo ihn Trainer Ottmar Hitzfeld ebenfalls anteilnehmend behandelt. Wie vehement der junge Stürmer mit den wechselvollen Erfahrungen ein eindrucksvolles Comeback nach Podolski-Art sucht, zeigte sich schon im Wales-Spiel, als er die letzten Minuten für Kuranyi eingesetzt wurde. Er forderte ständig Anspiele. Doch nicht immer bringt einen diese Ungeduld nach vorne. Entweder verstanden die Mitspieler auf dem Feld seine Idee nicht – oder umgekehrt. Podolski lief ins Leere und wirkte ein wenig fremd. Seine lange Abwesenheit beunruhigt ihn allerdings nicht, sagt er zumindest. „Das geht nicht von heute auf morgen. „Ich mache mir da keine Gedanken.“

Erst einmal gilt für Podolski nun, über gute Leistungen in den Kreis der arrivierten Kräfte zurückzukehren. Sein neuer Sturmpartner in der Nationalmannschaft nannte in diesen Tagen nochmals die Stärken des Mitspielers, für den er einst beim 1. FC Köln durch einen Wechsel zu seinem ersten Bundesligaspiel kam. „Dass er recht schussstark und nicht allzu langsam ist, wissen wir alle“, sagte Helmes. Und er selbst will an diesem Mittwochabend ja auch richtig zulangen. Damit Köln so richtig ausgelassen feiern kann. Mit den Musikanten von Höhner und den Toren seiner Fußball-Lieblinge.

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Jahrgang 1965, Sportredakteur.

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