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Nationalmannschaft Mit Offensivgeist gegen das Defensivproblem

18.06.2005 ·  Mit Ausnahme des vor Turnierbeginn beschlossenen Torwartwechsels von Kahn zu Lehmann läßt Bundestrainer Klinsmann seine Mannschaft unverändert. Mertesacker kann spielen, Robert Huth erhält gegen Tunesien eine weitere Chance.

Von Michael Ashelm
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Ruhige Bewegungen, gelockerte Mimik und dann dieses knallrote Trainingshemd. Schon optisch wollte Joachim Löw Selbstbewußtsein signalisieren. Das heißt: Keine Furcht vor unschönen Diskussionen, die derzeit vor allem die fragwürdige Abwehrkraft der deutschen Fußball-Nationalelf betreffen. Als der Assistent von Bundestrainer Jürgen Klinsmann am Freitag auf das zweite Gruppenspiel beim Confederations Cup gegen Tunesien an diesem Samstag in Köln einstimmte, versuchte er, an das Hauptproblem mit Offensivgeist heranzugehen.

"Natürlich sind wir uns bewußt, daß wir in der Defensive einiges verbessern müssen", sagte Löw. "Aber wir kennen auch unsere Stärken." Also wieder einmal positiv denken und cool bleiben, um nach dem torreichen Turnierauftakt von Frankfurt, wo die Australier gleich drei Treffer am Geburtstag des vergrätzten Torwarts Oliver Kahn landen konnten, das mißliche Thema einigermaßen unbeschadet zu überwinden.

Huth hat „unsere absolute Rückendeckung"

Beispiel Robert Huth. Der Boulevard hat den Ersatzverteidiger vom FC Chelsea, der in den vergangenen Partien in der Nationalmannschaft mehr unglückliche als glückliche Momente zeigte, längst als Sündenbock für die mangelnde Abwehrbereitschaft des Teams ausgemacht. Zwar erkennt auch Löw von der Faktenlage bei dem 20 Jahre alten Innenverteidiger einen "Durchhänger", glaubt aber an die Robustheit von Huth. "Robert ist ein relativ stabiler Typ und einen rauhen Wind von Chelsea gewöhnt", so Klinsmanns Assistent. Dann lobte Löw die im Training zumindest auffällige "Zweikampfstärke" und die "unheimliche Kopfballstärke" des jungen Abwehrmannes, der in England wegen Herkunft und Statur "Berlin Wall" genannt wird.

In Gesprächen soll er über Nacht aufgebaut und fit für den Job gegen den Afrikameister gemacht werden. Löw beschwor noch einmal Huths starken Auftritt im Testspiel gegen die Brasilianer, welcher damals zum 1:1 in Berlin geführt hatte: "Er hat unsere absolute Rückendeckung." Als besonderen Vertrauensbeweis für ihn gaben die Trainer ganz gegen ihre Gewohnheit schon jetzt öffentlich seine Nominierung für die Stammformation im Spiel gegen Tunesien preis. Wie bei Torwart Jens Lehmann, der gemäß vorheriger Absprache mit Kahn wechselt, und auch im Fall des jungen Kölner Stürmers Lukas Podolski. Nach seinen Toren für die Nationalelf ist das nicht nur als Bonus für sein Heimpublikum zu sehen.

Kleine Korrekturen, aber weiter Powerfußball

Neben persönlicher Aufbauhilfe soll eine Korrektur des gesamten Defensivverhaltens im zweiten Spiel des Confederations Cup zu einem Leistungsschub bei den Deutschen führen. Wie der linke Außenverteidiger Thomas Hitzlsperger schon nach der Partie gegen die Australier gefordert hatte, müsse auch in den vorderen Teilen der Mannschaft der Gegner konsequenter abgeblockt werden. Der kreative Zuarbeiter hinter den Angriffsspitzen, Bastian Schweinsteiger, gemessen an seiner Form ebenfalls ein Kandidat für die Stammformation, nahm diesen Gedanken am Freitag selbstkritisch auf: "Es ist wegen der Fehler viel auf der Abwehr herumgehackt worden. Aber vieles passiert schon davor. Wir müssen noch kompakter stehen", sagte der Bayern-Profi. Löw kündigte an, daß Kapitän Michael Ballack noch mehr neben den defensiven Mittelfeldmann, also Torsten Frings, rücken solle; als doppelte Sicherung vor der Viererabwehrkette. "Außerdem müssen die äußeren Mittelfeldspieler das Zentrum verdichten", so der deutsche Co-Trainer als Anweisung an Schweinsteiger (links) und Bernd Schneider (rechts).

Ist das schon der erste Schritt einer Korrektur der propagierten offensiven Spielstrategie? Hier wollte Löw nicht mit sich reden lassen. Es bleibe bei der angestrebten offensiven Philosophie, es bleibe beim Powerfußball nach den Vorstellungen des Bundestrainers. Gut für die Atmosphäre rund um das Nationalteam, wenn die taktischen Forderungen nun genauso umgesetzt würden. Wenn das jedoch überhaupt nicht funktionieren sollte, dürfte Klinsmann seine Fähigkeiten dann auch im Krisenmanagement unter Beweis stellen. Aber so weit soll es gar nicht kommen. "Wir haben den absoluten Glauben an unsere Spieler", sagte Löw.

Deutschland - Tunesien
Deutschland: Lehmann/Arsenal London (35 Jahre/23 Länderspiele) - Friedrich/Hertha BSC Berlin (26/27), Mertesacker/Hannover 96 (20/8), Huth/Chelsea London (20/7), Hitzlsperger/Aston Villa (23/7) - Schneider/Bayer Leverkusen (31/49), Frings/Bayern München (28/40), Schweinsteiger/Bayern München (20/15) - Ballack/Bayern München (28/54) - Kuranyi/VfB Stuttgart (23/25), Podolski/1. FC Köln (20/12).
Tunesien: Boumnijel - Trabelsi, Abdi, Jaidi, Clayton - Mnari, Chadli - Nafti, Benachour, Jomaa - Santos.
Schiedsrichter: Peter Prendergast (Jamaika).

Quelle: F.A.Z. vom 18. Juni 2005
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Jahrgang 1965, Sportredakteur.

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