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Nationalmannschaft Löw sieht nach Hankes Ausfall keinen Handlungsbedarf

29.08.2006 ·  Fußball-Bundestrainer Joachim Löw muß gegen Irland und San Marino auf Stürmer Mike Hanke verzichten. In welchen Schuhen die deutschen Kicker auflaufen dürfen oder müssen, wird wohl in dieser Woche entschieden.

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Abwehrsorgen, „Schuh-Streit“ und noch eine Absage: Die Vorbereitung auf die ersten Qualifikationsspiele der deutschen Fußball-Nationalmannschaft seit fast drei Jahren wird für Joachim Löw von unliebsamen Nebengeräuschen und Personalproblemen begleitet. Nach Christoph Metzelder (Meniskus-Operation) sagte am Dienstag wenige Stunden vor der Zusammenkunft des DFB-Kaders in Stuttgart auch der Wolfsburger Mike Hanke dem Bundestrainer wegen einer Mandelentzündung ab.

Löw verzichtete jedoch auf eine Nachnominierung für den Reservestürmer und geht mit nur noch 19 Akteuren in die Auftaktspiele am Samstag gegen Irland und vier Tage später auswärts in San Marino. „Wir haben genug Stürmer im Aufgebot“, sagte Löw.

„Die Qualifikation ist eine Selbstverständlichkeit“

Wenigstens kann Löw bei der Rückkehr nach Stuttgart vielleicht ein letztes Mal auf die WM-Euphorie vertrauen: Im Daimler-Stadion, wo die deutsche Mannschaft vor acht Wochen mit einem umjubelten 3:1-Erfolg gegen Portugal den dritten WM-Platz sicherte, sollen am kommenden Samstag (20.45 Uhr in der ARD und im FAZ.NET-Liveticker) vor ausverkauften Rängen gegen den unbequemen Auftaktgegner Irland die ersten drei Punkte auf dem Weg zur EM-Endrunde 2008 in Österreich und der Schweiz eingefahren werden.

„Die Qualifikation für die Europameisterschaft ist für mich eine Selbstverständlichkeit“, sagte Löw, der seinen mit noch 16 WM-Akteuren bestückten Kader am Dienstag gleich in einer ersten Trainingseinheit auf das EM-Unternehmen einstimmen wollte. „Irland ist der Auftakt zum Projekt 2008“, hob der 46 Jahre Fußball-Trainer hervor.

Es folgen vier Auswärtsspiele

Ein erfolgreicher Start ist Pflicht, denn im Anschluß folgen gleich vier unangenehme Auswärtspartien in San Marino (6. September), der Slowakei (11. Oktober), Zypern (15. November) und Tschechien (24. März 2007), bei denen statt WM-Flair trister Länderspiel-Alltag einziehen wird. „Es bedarf des Siegeswillens eines jeden Einzelnen, denn es warten unangenehme Gegner auf uns“, sagte Löw vor dem ersten Spiel in Gruppe D, der außerdem noch Wales angehört. Der Gruppenerste und -zweite qualifiziert sich für die EM-Endrunde in zwei Jahren.

Beim ersten Training sollten sich die Blicke im Amateurstadion des VfB Stuttgart vor allem auf zwei Neulinge richten: Löws neuen Trainer-Assistenten Hans-Dieter Flick und den für das Abwehrzentrum nachnominierten Debütanten Alexander Madlung. Der Wolfsburger ist nach dem Ausfall der kompletten WM-Innenverteidigung die einzige Alternative zu Arne und Manuel Friedrich. „Wir haben in der Abwehr ein Problem“, warnte Michael Ballack. Nach seinem Liga-Debüt für den FC Chelsea wird der von einer Hüftverletzung genesene Mittelfeldspieler die deutsche Elf wieder als Kapitän in die Qualifikation führen.

Spieler sahen sich schon am Ziel

Mit Spannung wird verfolgt, in welchen Schuhen die deutschen Akteure trainieren und spielen werden. Spätestens bis zum Ernstfall gegen Irland soll der vor dem Testspiel gegen Schweden (3:0) ausgebrochene „Schuh-Streit“ beendet werden; mit einer „vernünftigen Lösung“, wie DFB-Präsident Theo Zwanziger forderte. „Die Nationalspieler müssen erkennen, daß sie nicht eine Rolle spielen dürfen, die mit Geldgier und anderen Dingen einhergeht“, mahnte Zwanziger vor der neuen Verhandlungsrunde.

Die Einführung der freien Schuhwahl gilt als sicher, die Spieler sahen sich schon nach dem Schweden-Spiel etwas voreilig am Ziel. Der verletzte Dortmunder Christoph Metzelder machte noch einmal deutlich, daß das Monopol des DFB-Ausrüsters (adidas) fallen müsse. „Wir spielen eben Fußball, und das bedeutet, daß unsere Schuhe unser wichtigstes Arbeitsmaterial sind. Da kann man sich einfach keine Kompromisse erlauben.“ Den Vorwurf, den Spielern ginge es vor allem ums Geld, wies Metzelder auch mit einem Verweis auf andere Nationen zurück. „Ich kann mich nicht erinnern, daß den Spielern in Brasilien oder Frankreich Geldgeilheit vorgeworfen wurde, nur weil sie selbst wählen können, in welchen Schuhen sie spielen.“

Frings „ist nicht müde“

Löw wird auf ein rasches Ende des Konfliktes drängen, um die Konzentration auf die anstehenden sportlichen Aufgaben zu richten. Ihn plagt nicht nur das Abwehrproblem, sondern etliche WM-Spieler sind noch nicht wieder in Form. Der Ausfall von Reservist Hanke ist da eher leicht zu verkraften. Kapitän Ballack dagegen fehlt Spielpraxis, der Bremer Tim Borowski ist völlig außer Form, und der neben Miroslav Klose im Angriff gesetzte Lukas Podolski ist beim FC Bayern weiterhin nur zweite Wahl. „Er leidet, wie alle Nationalspieler, noch unter den Nachwirkungen der WM“, kommentierte Bayern-Manager Uli Hoeneß. Einen Durchhänger nach der WM dürften sich die Spieler aber gar nicht erst einreden lassen, erklärte der Bremer Torsten Frings: „Ich bin nicht müde und will davon auch gar nichts hören.“

Quelle: FAZ.NET mit Material von dpa und sid
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