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Nationalmannschaft Löw muß bei seinem Debüt auf Ballack verzichten

13.08.2006 ·  Gleich in seinem ersten Spiel als Bundestrainer muß Joachim Löw mit Personalproblemen fertig werden. Neben Kapitän Ballack fallen auch Mertesacker, Huth und Kehl aus. Metzelders Einsatz ist ungewiß. Im Angriff setzt Löw auf das Duo Klose/Podolski.

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Ohne Kapitän Michael Ballack muß Joachim Löw bei seinem Debüt als Bundestrainer auskommen. Der 29jährige Neu-Londoner sagte am Sonntag abend für das erste Länderspiel der Saison am kommenden Mittwoch gegen Schweden (20.30 Uhr/ARD) ab. Der DFB-Kapitän mußte im ersten Pflichtspiel für den FC Chelsea im Supercup-Finale gegen Liverpool (1:2) wegen einer Hüftverletzung ausgewechselt werden.

„Er hat starke Schmerzen und kann kaum laufen. Ballack wird in England bleiben“, teilte der Deutsche Fußball-Bund (DFB) mit. Zuvor mußten schon Per Mertesacker, Robert Huth und Sebastian Kehl verletzt passen. Zudem plagt sich der Dortmunder Christoph Metzelder mit einem Bluterguß im Knie.

Stammplatz für Podolski und Klose

„Ich hoffe, daß er auflaufen kann“, hoffte Löw zumindest im Fall Metzelder, bei dem eine Kernspin-Untersuchung zum Glück keinen größeren Schaden ergab, noch auf eine Besserung. „Er hat Flüssigkeit im Knie. Falls es nicht geht, muß ich neu überlegen“, sagte der 46jährige Nachfolger von Jürgen Klinsmann, Nachnominierungen sind nicht ausgeschlossen. Beste Aussichten auf ein Debüt hat Manuel Friedrich, neben Jens Nowotny der einzige gesunde Innenverteidiger. Der Mainzer ist der einzige Akteur, der nicht im WM-Aufgebot gestanden hatte.

Schon beim Treffen der deutschen Fußball-Nationalelf am Sonntag in Berlin sagte Löw den WM-Helden Lukas Podolski, von Bayern Münchens Trainer Felix Magath zum Bundesliga-Auftakt auf die Ersatzbank verbannt, und Miroslav Klose einen Einsatz von Beginn an zu. „Beide beginnen. Das haben sie sich bei der WM erarbeitet“, kündigte Löw an.

„Qualifikation eine Selbstverständlichkeit“

Der Bundestrainer machte vor der ersten Bewährungsprobe nach der erfolgreichen WM sofort deutlich, was er von seinem Personal erwartet. Zwar verzichtet der neue Chefcoach, der die neuen Aufgaben mit dem alten Stab einschließlich der amerikanischen Fitness-Experten um Mark Verstegen angehen wird, vor seinem Bundestrainer-Debüt auf motivierende Computer- Präsentationen oder Filmvorführungen, wie sie Klinsmann eingesetzt hatte. Aber Löw sagte klar: „Die Qualifikation für die EM 2008 ist eine Selbstverständlichkeit. Wir wollen jetzt das ernten, was uns bei der WM versagt blieb, einen Titel nach Deutschland holen.“

Wie er dieses Ziel erreichen will, machte Löw am Sonntag vor Journalisten in einer fast viertelstündigen Grundsatzrede deutlich. Innovation, Neugier, Offenheit, Stolz, Spaß bei der Fortsetzung der von Klinsmann geprägten offensiven Spielphilosophie waren die Schlagworte seiner Ausführungen.

„Erwartungen immens“

Als mögliche neue Auswahl-Kandidaten nannte er neben Stefan Kießling, Eugen Polanski und Piotr Trochowski überraschend auch den Mainzer Mimoun Azaouagh. Auch Kevin Kuranyi und Fabian Ernst seien nicht abgeschrieben. „Die Erwartungen sind sicher immens“, weiß der Schwarzwälder, der ab sofort aus dem Schatten von Klinsmann treten muß und will. Nur ein einziges Mal nach Klinsmanns Rückflug nach Kalifornien habe er noch mit seinem ehemaligen Chef telefoniert. „Aber dabei ging es eigentlich nur um private Dinge“, berichtete Löw.

Klinsmann und auch der aus der Nationalelf zurückgetretene Oliver Kahn werden an diesem Montag im Schloß Bellevue fehlen, wenn Bundespräsident Horst Köhler an die WM-Helden das „Silbernen Lorbeerblatt“, die höchste Sportauszeichnung des Landes, verleiht.

Löw bittet um Realitätssinn

„So sehr ich mich über die Auszeichnung freue und dies als große Ehre betrachte, in Zukunft sollen bei Nationalmannschafts-Ereignissen die jüngeren Spieler im Blickpunkt stehen“, begründete der 37jährige Kahn seine Absage. Auch Klinsmann wollte den aktuellen Protagonisten und vor allem seinem Nachfolger die Bühne überlassen. „Daß Jürgen nicht mehr weitermachen will, haben wir alle sehr bedauert, weil er sehr viel für den deutschen Fußball getan hat. Wir werden mit neuer Motivation und Elan an die Aufgaben gehen“, versprach Löw.

Vor der Neuauflage des WM-Achtelfinals gegen Schweden, das Podolski vor sieben Wochen mit zwei Toren entschieden hatte, bat Löw jedoch erst einmal um Gelassenheit, Nüchternheit und Realitätssinn: „Das große Fußball-Sommerfest ist vorbei, der Alltag kehrt allmählich wieder ein. Euphorie und Feierstimmung sind nicht von Dauer.“ Gegen die „Tre Kronors“ werden die Nationalspieler noch nicht „hundertprozentig im Rhythmus sein“, merkte Löw an. Deshalb will er in Gelsenkirchen auch so viel wie möglich ein- und auswechseln.

Für die kommende Woche kündigte Löw Gespräche mit vier bis fünf Kandidaten für den noch vakanten Co-Trainer-Posten an. Der Assistent solle dann schnell benannt werden. Sein Debüt auf der Bank neben Löw wird der neue Co-Trainer am 2. September beim ersten EM- Qualifikationsspiel in Stuttgart gegen Irland haben. „Es ist wichtig, daß er menschlich zum Team paßt“, sagte Löw. Zudem verlangt der neue Bundestrainer von seinem zweiten Mann hohe „taktische Kompetenz in den Bereichen 4-4-2, Raumdeckung und 4-3-3“ sowie ein klares Bekenntnis zur offensiven Spielphilosophie.

Quelle: FAZ.NET mit Material von dpa
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