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Nationalmannschaft Löw: „Ballack bleibt mein Kapitän“

31.10.2008 ·  Das Treffen, auf das Fußball-Deutschland gewartet hatte, dauerte zwei Stunden. Auf die ausgefeilte Erklärung, was dabei rauskam, musste die bange Nation beinahe einen ganzen Tag warten: Ballack hat sich entschuldigt und bleibt Kapitän. Löw ist zufrieden.

Von Peter Heß
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Das Treffen, auf das Fußball-Deutschland gewartet hatte, dauerte zwei Stunden. Zwischen 17 und 19 Uhr saßen am Donnerstagnachmittag Bundestrainer Joachim Löw und Nationalspieler Michael Ballack in der Zentrale des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) zusammen, um über die Bedingungen und Möglichkeiten einer weiteren Zusammenarbeit zu sprechen.

Für die Formulierung des Ergebnisses der Unterredung wurde mehr als dreimal so lange benötigt. Als am Freitagnachmittag um 16.35 Uhr in einer offiziellen Mitteilung des DFB bekanntgegeben wurde, dass Löw und Ballack ihre Zukunft in der Nationalmannschaft gemeinsam sehen, war fast sieben Stunden an dem Text gefeilt worden. Die Überschrift sagte schon alles: Löw: „Ballack bleibt mein Kapitän.“

Der Kapitän unterwirf sich den sportlichen Entscheidungen des Trainers

Nach dem Durchlesen der weiteren Zeilen erhob sich die Frage, was die Verlautbarung so lange hinausgezögert hatte. Der verbliebene Inhalt war unstrittig. Sowohl Ballack als auch Löw hatten schon vorab diese Aussagen gemacht. Es könnte sich also um Sätze gehandelt haben, die herausgestrichen wurden. Eine inhaltliche Auseinandersetzung mit Ballacks Kritik an Löws Personalpolitik und Führungsstil findet sich jedenfalls nicht mehr in diesem Papier.

Es wurde jedoch festgehalten, dass sich der Kapitän den sportlichen Entscheidungen der Trainer künftig unterwirft und für seine Kritik entschuldigt hat. „Bundestrainer Joachim Löw und Michael Ballack haben am Donnerstagabend . . . eine neue Vertrauensbasis für die weitere Zusammenarbeit gefunden. . .Voraussetzung dafür war, dass sich Ballack zuvor in der Aussprache bei Löw entschuldigt hat und die aktuellen Konflikte damit gelöst werden konnten“, heißt es in der Mitteilung.

„Über alle detaillierten Abläufe Vertraulichkeit“

Ballack wird darin zitiert: „Ich habe eingesehen, dass es nicht in Ordnung war, an die Öffentlichkeit zu gehen, und bedauere auch, dass der Eindruck entstanden ist, ich wolle Joachim Löw in seiner Position als Bundestrainer kritisieren. Dafür habe ich mich bei Joachim Löw entschuldigt. Er ist der Bundestrainer, er trifft die Entscheidungen, und diese haben wir alle zu akzeptieren. Ich habe nach der Aussprache mit Joachim Löw keinerlei Zweifel daran, dass wir in der Nationalmannschaft in einer guten Atmosphäre unsere gemeinsamen Ziele realisieren können.“

Joachim Löw wiederholt in der offiziellen Note sein Credo, das er schon vor dem Treffen geäußert hatte: „Es war wichtig, dass wir dieses Gespräch in aller Offenheit geführt haben. Michael Ballack bleibt mein Kapitän. Aber auch als Kapitän muss er sich an unsere Regeln halten. Er weiß, dass er jederzeit alle Dinge intern ansprechen kann. Alle sportlichen und personellen Entscheidungen werden aber letztlich von unserem Trainerteam getroffen - und dies habe ich Michael unmissverständlich deutlich gemacht. Ich freue mich, dass damit ein hervorragender Nationalspieler, der in den vergangenen Jahren großen Anteil an unseren Erfolgen hatte, weiter zur Verfügung steht und uns helfen wird, die gesetzten Ziele auf dem Weg zur WM 2010 zu erreichen.“ Das Schreiben schließt damit, dass „über alle detaillierten Abläufe und Inhalte der Aussprache Vertraulichkeit vereinbart wurde“.

Drei Parteien, sieben Stunden, 1 DIN-A4-Blatt

Höchste Geheimhaltung sollte dazu führen, dass die beiden Köpfe der deutschen Fußball-Nationalmannschaft ungestört und unbeeinflusst zueinanderfinden, auf dass alle Missverständnisse ausgeräumt würden. Nicht einmal die persönlichen Berater, Löws Roland Eitel und Ballacks Michael Becker, sollen zunächst über den kurzfristig vereinbarten Termin unterrichtet worden sein. Das Büro des DFB-Präsidenten Theo Zwanziger in der Frankfurter Verbandszentrale schien der geeignete Ort für das entscheidende Gespräch unter vier Augen.

Das von Löw geforderte Treffen hatte sich verzögert, da Ballack wegen einer Operation an beiden Füßen einige Tage nicht fliegen durfte. Während dieser Wartezeit war der öffentliche Druck auf den Mannschaftskapitän wieder gestiegen, obwohl Ballack seine Entschuldigung angekündigt hatte. DFB-Präsident Zwanziger hatte dessen Signal der Einsicht relativiert und nicht als Ende des Zwists, sondern als Beginn der Aufarbeitung bewertet. Man müsse prüfen, ob Ballacks Entschuldigung ernst gemeint sei und ausreiche. Auch wegen dieser Aussage sorgte die ungewöhnliche Verzögerung der Pressemitteilung für Gerüchte. Und es ist auch ein Zeichen, dass das Vertrauen erst wieder aufgebaut werden muss, wenn drei Parteien sieben Stunden benötigen, um sich auf einen Text zu einigen, der auf eine DIN-A4-Seite passt.

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Jahrgang 1959, Sportredakteur.

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