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Nationalmannschaft Klose bannt die belgische Gefahr

04.09.2010 ·  Wer eine lange Wanderung bewältigen will, der muss auch den ersten Schritt tun: Die deutsche Nationalmannschaft startet in Belgien mit einem 1:0-Sieg in die EM-Qualifikation. Klose schießt das erste Tor auf dem Weg, der 2012 im EM-Endspiel in Kiew enden soll.

Von Christian Kamp, Brüssel
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Es sah nicht immer so flott und inspiriert aus wie in den besten südafrikanischen Tagen. Doch um Stilfragen ging es bestenfalls am Rande beim Start der deutschen Fußball-Nationalmannschaft in die Europameisterschafts-Qualifikation. Das wichtigste war das Ergebnis - und das stimmte beim 1:0 (0:0)-Sieg von Joachim Löws Team am Freitagabend in Brüssel gegen Belgien. Miroslav Klose gelang in der 51. Minute der einzige Treffer des Abends, der für das deutsche Team einen Start nach Maß auf dem Weg zum kontinentalen Turnier 2012 in Polen und der Ukraine bedeutete.

Für Löw war es darüber hinaus eine erfreuliche Erkenntnis, dass das Gerüst, das seine Mannschaft bei der WM bis ins Halbfinale getragen hatte, seine erste europäische Stabilitätsprobe auf dem Weg zu neuen Zielen einigermaßen sicher bestand. Denn auch wenn noch nicht alles stimmte im deutschen Team, und die Belgier ein in jeder Hinsicht fordernder Gegner waren - daran, dass der Erfolg im Stadion Roi Baudouin in Ordnung ging, gab es wenig Zweifel. Am Dienstag schon geht es weiter mit der Pflichtaufgabe gegen die von Berti Vogts trainierten Aserbaidschaner in Köln. Nur der Gruppensieger hat das Ticket für das Europaturnier 2012 sicher.

Beim Blick auf die Startaufstellung war noch mal so etwas wie WM-Gefühl aufgekommen. Alle elf Profis, die Löw aufs Feld schickte, hatten auch in Südafrika zum deutschen Team gehört. Das bedeutete, dass Badstuber in der Innenverteidigung den Vorzug vor Westermann bekam; Jansen vertrat den verletzten Boateng auf der linken Abwehrseite. Die deutschen Turnierspezialisten, hatte Löw vor dem Spiel angemahnt, seien nun als Ausdauerkönner auf der langen Strecke gefragt. Eine Qualifikation, sagte der Bundestrainer in der vergangenen Woche, sei „wie ein Marathon“. (siehe auch: Stimmen zum Spiel: „Die Mannschaft hat guten Spirit bewiesen“)

Belgien als starker Gegner

Mit dem Spiel gegen Belgien galt es gleich zu Beginn, eine der schwierigeren Etappen zu bewältigen. Nicht nur, weil die belgische Mannschaft von WM-Strapazen unbelastet und entsprechend frisch in die neue Saison gehen konnte. Es ist auch eine junge, interessante Generation von Spielern, die das rote Trikot trägt und sich endlich wieder einmal für ein großes Turnier qualifizieren möchte. (siehe auch: EM-Qualifikation: Frankreichs Blamage - Türkeis Pflicht - Portugals Schock)

Es war also keine Überraschung, dass die Belgier dass Spiel ziemlich forsch angingen. Eine gute Viertelstunde lang setzten sie das deutsche Team nicht zu knapp unter Druck und drangen dabei in Zonen vor, die Löw sicher lieber als Sperrgebiet gesehen hätte. Lukaku, den Trainer Leekens als einzige Spitze aufgeboten hatte, erwischte die deutschen Verteidiger mehr als ein Mal in Eins-gegen-Eins-Situationen auf dem falschen Fuß. Fellaini, der Mittelfeldspieler vom FC Everton, war gewiss nicht nur wegen seiner Haarpracht im Afro-Stil ein Mann, der die Blicke auf sich zog. Und die beiden Flügelspieler Hazard und Dembélé wirbelten ebenfalls nach Kräften. Die Belgier trugen allemal ihren Teil dazu bei, dass das Spiel von WM-Niveau nicht allzu weit entfernt war.

Münchner Koproduktion

Löws Hoffnung war es gewiss gewesen, dass trotz fehlender Frische noch mancher für Südafrika erarbeitete Automatismus greifen würde. Bis auf die durch den Ausfall von Friedrich, Boateng und Aogo leicht ausgedünnte Abwehr konnte er personell aus dem Vollen schöpfen. Im Mittelfeld übernahm Schweinsteiger wie gewohnt die Rolle des Antreibers, Müller Özil, und Podolski sollten gemeinsam mit Klose für Torgefahr sorgen. Um die exzellent organisierte belgische Deckung abzuschütteln, war es zunächst jedoch noch etwas zu abwartend, wie die Deutschen zu Werke gingen. Das gepflegte Passspiel war gut anzusehen, zündende Ideen fehlten jedoch. Wenn, dann deutete Özil seine Extraklasse an - zeigte aber bei zwei guten Gelegenheiten (16. und 19.) wieder einmal, dass der Torschuss nur an ausgewählten Tagen seine Stärke ist. Khedira, sein Klubkollege bei Real Madrid machte es kurz darauf nicht viel besser (20.).

Je mehr Zeit verging, desto souveräner wirkte das Spiel der deutschen Mannschaft - auch wenn die Belgier bei ihren Vorstößen stets gefährlich blieben. Ein Unentschieden nach 45 Minuten ging in Ordnung, auch wenn sich die rund 9000 deutschen Fans sicher etwas mehr erwartet hatten. Zur zweiten Hälfte kam Jansen nicht mehr aufs Feld, ihn plagte eine Sehnenreizung im Knöchel. Westermann, sein neuer Hamburger Klubkollege, übernahm. Nach nur sechs Minuten im zweiten Spielabschnitt war es eine Münchner Koproduktion, die zum ersten Volltreffer des Abends führte. Müller, in der Bundesliga zuletzt von Bayern-Trainer van Gaal noch für fehlende Orientierung kritisiert, bewies im Nationaltrikot Übersicht. Er sah, dass Klose sich im Strafraum freigelaufen hatte und legte ihm den Ball perfekt vor. Klose nutzte das Zuspiel mit all seiner Erfahrung: Mit Ruhe und Präzision schob er den Ball an Bailly vorbei ins linke Eck. Es war sein 53. Tor im 102. Länderspiel.

Eine wirklich beruhigende Führung war es allerdings nicht. Die Belgier taten alles, um noch zum Ausgleich zu kommen. Müller hatte nach einem Zuspiel von Lahm die große Chance, für die Entscheidung zu sorgen, scheiterte aber an Bailly (70.). In den letzten zwanzig Minuten wirkten die Deutschen zunehmend müde, mit Geschick und etwas Glück verteidigten sie aber den knappen Vorsprung. (siehe auch: Einzelkritik: Klose treffsicher - Neuer sicher - Özil unsicher)

EM-Qualifikation, Gruppe A, in Brüssel
Belgien - Deutschland 0:1 (0:0)
Belgien: Bailly (Bor. Mönchengladbach/24 Jahre/5 Länderspiele) -Alderweireld (Ajax Amsterdam/21/7), van Buyten (BayernMünchen/32/56), Kompany (Manchester City/24/33), Vermaelen (FCArsenal/24/30) - Simons (1. FC Nürnberg/33/75 - 83. Vossen/KRCGenk/21/3) - Hazard (OSC Lille/19/14 - 73. Defour/StandardLüttich/22/26), Fellaini (FC Everton/22/22), Vertonghen (AjaxAmsterdam/23/24), Dembélé (FC Fulham/23/29) - Lukalu (RSCAnderlecht/17/4 - 73. Benteke/Standard Lüttich/19/3)
Deutschland: Neuer (FC Schalke 04/24/12) - Lahm (BayernMünchen/26/72), Mertesacker (Werder Bremen/25/70), Badstuber (Bayern München/21/5), Jansen (Hamburger SV/24/36) (46. Westermann/Hamburger SV/27/20) - Khedira (Real Madrid/23/13), Schweinsteiger (Bayern München/26/82) - Müller (BayernMünchen/20/9), Özil (Real Madrid/21/18 - (88. Cacau/VfBStuttgart/29/13), Podolski (1. FC Köln/25/80 - 70. Kroos/BayernMünchen/20/10) - Klose (Bayern München/32/102)
Schiedsrichter: Hauge (Norwegen)
Zuschauer: 42.000
Tor: 0:1 Klose (51.)
Gelbe Karten: Kompany / Cacau, Schweinsteiger

Quelle: F.A.Z.
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