10.10.2005 · Nach der enttäuschenden Vorstellung in Istanbul mußten sich Bernd Schneider und Torsten Frings harsche öffentliche Kritik gefallen lassen. Mangels Alternativen dürften sie aber auch gegen China eingesetzt werden.
Mit einem umfangreichen Maßnahmenpaket will Jürgen Klinsmann die Nationalmannschaft nach dem Tiefpunkt in der Türkei wieder auf WM-Kurs bringen. Nach dem 1:2-Desaster von Istanbul greift der Bundestrainer durch und erwartet am Mittwoch (20.30 Uhr/ARD und FAZ.NET-Liveticker) in der Hamburger AOL-Arena bei der Länderspiel-Premiere gegen China von einer umgekrempelten Mannschaft sofortige Wiedergutmachung. „Wir werden die richtigen Schlüsse ziehen und eine Reaktion einfordern auf das schlechte Spiel in der Türkei. Es gibt auch sicherlich die eine oder andere personelle Änderung“, sagte Klinsmanns Assistent Joachim Löw am Montag.
Schonungslos hatte Klinsmann den Spielern am Sonntag abend in einer 90minütigen Teamsitzung seine Kritik-Punkte vorgehalten. Vor allem die ungenügende Einstellung wurde dabei angeprangert. „In der ersten Halbzeit waren wir nicht vorhanden. Jeglicher Biß und die Leidenschaft fehlten“, faßte Löw zusammen. Erfahrene Akteure wie Torsten Frings und Bernd Schneider, die Kapitän Michael Ballack ersetzen sollten, müssen sogar nochmals zum Rapport antreten, verriet Löw: „Sie müssen klare Anweisungen geben und Zeichen setzen. Sie müssen die jungen Spieler führen und ihnen Hilfestellung geben. Sie dürfen sich nicht in ihr Schicksal ergeben.“
Frings erhält weitere Chance
Gegen China dürfte Frings auch mangels Alternativen Gelegenheit zur aktiven Rehabilitation erhalten. Umstellungen wird es bestimmt in der Abwehr geben, zumal hinter den Youngstern Lukas Sinkiewicz (Mittelfußprellung) und Marcell Jansen (Wadenzerrung) ein „großes Fragezeichen“ (Löw) steht. Bei Schneider (Bluterguß in der Wade) stehen die Einsatzchancen dagegen besser. Im Sturm steht Miroslav Klose nach überwundener Grippe zwar wieder zur Verfügung, aber der Bremer bremste zu große Hoffnungen auf ihn. „Wenn ich mich nicht hundertprozentig fit fühle, hat es keinen Sinn zu spielen.“
Egal, wer aufläuft, vor heimischem Publikum muß der Sturz in die Krise unbedingt aufgehalten werden. Schadensbegrenzung ist mit einem überzeugenden Sieg gegen die in der WM-Qualifikation kläglich gescheiterten Chinesen angesagt. „Die Mannschaft hat die Möglichkeit, wieder einen Fortschritt zu machen“, meinte Team-Manager Oliver Bierhoff. Er erwartet vom Anpfiff weg Vollgas: „In Istanbul wurde das Spiel mit Schlafwagen-Fußball angegangen.“
Beckenbauer: Ballack, Kahn, Podolski sollen immer spielen
Wenige Monate nach dem stimmungsvollen Confed-Cup hat Klinsmann die schwierigste Phase bei seinem WM-Projekt zu bewältigen, auch weil der Gegenwind aus der Bundesliga heftiger wird. Er stimmte zwar einem Gipfeltreffen mit den Bundesliga-Managern sofort zu, aber von seinem „durchdachten Plan“ will er sich durch „nichts abbringen“ lassen. Ob Fitness-Tests oder wie am Montag Yoga, alle Maßnahmen bleiben auf den 9. Juni 2006 ausgerichtet. „Wer Champion werden möchte, muß einfach mehr investieren. Die 25 Spieler der absoluten deutschen Elite müssen 15 bis 20 Prozent mehr tun“, erläuterte Löw. Klinsmann stellte die Nationalmannschafts-Ambitionen sogar klar über die Vereinsinteressen: „Unser Maßstab ist die WM und nicht die nationale Meisterschaft.“
In der WM-Saison stagniert sein extrem verjüngtes Personal aber nach der zunächst rasanten Entwicklung einschließlich Confed-Cup. Oliver Kahn schlägt bereits Alarm: „In acht Monaten beginnt die WM. Wir müssen schnellstens schauen, daß wir unser Leistungs-Level steigern.“ Doch wo soll Klinsmann den Hebel ansetzen bei einem Team, in dem der gegen China wiederum fehlende Ballack der einzige Fixpunkt ist? „Bild“-Kolumnist Franz Beckenbauer forderte am Montag, daß „drei immer spielen müssen“, nämlich Kapitän Ballack, Torhüter Kahn und Torjäger Lukas Podolski. „Der Rest ist eigentlich austauschbar“, sagte Beckenbauer und fällte damit ein vernichtendes Urteil.
„Jürgen ist unzufrieden, darum probiert er“
Den langjährigen Kapitän und Wortführer Kahn hat Klinsmann allerdings selbst durch die Torhüter-Rotation mit Jens Lehmann als Führungsfigur geschwächt. Und der 20jährige Podolski ist zwar im Sturm inzwischen gesetzt, aber als Führungsfigur noch zu „grün“ und ähnlich wie der von Klinsmann zum Abwehrchef ernannte Per Mertesacker (21) den typischen Leistungsschwankungen junger Spieler unterworfen.
So steht Klinsmann vor immer neuen Experimenten. „Jürgen ist unzufrieden, darum probiert er“, verriet der einstige Bundestrainer und Klinsmann-Intimus Berti Vogts. Am Ziel WM-Titel wird dennoch nicht gerüttelt. „Kleine Träume wecken keine große Motivation“, begründete Bierhoff. Die WM hatten die Spielern auch am Montag vormittag bei der Aufnahme eines Werbespots (Telekom) schon wieder im Focus. Erst nachmittags stand beim ausnahmsweise öffentlichen Training in der AOL-Arena die eigentliche sportliche Arbeit auf der Tagesordnung.
| Verein | Sp | Diff | Pkt. | |||
|---|---|---|---|---|---|---|
| 1. | ![]() |
Borussia Dortmund | 34 | 55 | 81 | ![]() |
| 2. | ![]() |
Bayern München | 34 | 55 | 73 | ![]() |
| 3. | ![]() |
FC Schalke 04 | 34 | 30 | 64 | ![]() |
| 4. | ![]() |
Bor. Mönchengladbach | 34 | 25 | 60 | ![]() |
| 5. | ![]() |
Bayer Leverkusen | 34 | 8 | 54 | ![]() |
| 6. | ![]() |
VfB Stuttgart | 34 | 17 | 53 | ![]() |
| 7. | ![]() |
Hannover 96 | 34 | -4 | 48 | ![]() |
| 8. | ![]() |
VfL Wolfsburg | 34 | -13 | 44 | ![]() |
| 9. | ![]() |
Werder Bremen | 34 | -9 | 42 | ![]() |
| 10. | ![]() |
1. FC Nürnberg | 34 | -11 | 42 | ![]() |
| 11. | ![]() |
1899 Hoffenheim | 34 | -6 | 41 | ![]() |
| 12. | ![]() |
SC Freiburg | 34 | -16 | 40 | ![]() |
| 13. | ![]() |
FSV Mainz 05 | 34 | -4 | 39 | ![]() |
| 14. | ![]() |
FC Augsburg | 34 | -13 | 38 | ![]() |
| 15. | ![]() |
Hamburger SV | 34 | -22 | 36 | ![]() |
| 16. | ![]() |
Hertha BSC | 34 | -26 | 31 | ![]() |
| 17. | ![]() |
1. FC Köln | 34 | -36 | 30 | ![]() |
| 18. | ![]() |
1. FC Kaiserslautern | 34 | -30 | 23 | ![]() |