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Nationalmannschaft Khedira nimmt es mit allen auf

03.09.2010 ·  Ausreichend in Englisch: Mittelfeldspieler Sami Khedira von Real Madrid widerspricht seinem Klubtrainer José Mourinho. Und auch Michael Ballack bietet er vor dem EM-Qualifikationsauftakt in Belgien (20.45 Uhr) die Stirn.

Von Michael Ashelm
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Sami Khedira macht einen ganz entspannten Eindruck. Zum Start in die Qualifikationsrunde der Europameisterschaft 2012 in Belgien (20.45 Uhr/ live in der ARD und im FAZ.NET-Länderspiel-Liveticker) ist er bei Fußball-Bundestrainer Joachim Löw gesetzt und wird so an diesem Freitagabend in Brüssel zusammen mit Bastian Schweinsteiger gegen die belgische Auswahl das defensive Mittelfeld-Doppel bilden – wie schon beim WM-Turnier. Da kann ihn das, was er aus Madrid vernehmen muss, offenbar nicht aus der Ruhe bringen, obwohl ihn sein neuer Vereinstrainer José Mourinho erstmals öffentlich kritisiert hat – wegen seiner und Mesut Özils angeblich mangelnden Integrationsbereitschaft. Die beiden deutschen Jungstars hätten Verständigungsprobleme, beherrschten nicht mal Englisch und zeigten kein Interesse, am sozialen Leben des Kaders teilzunehmen, behauptet der Trainer-Guru von Real Madrid.

Khedira hat da seine eigene Meinung und will Mourinhos Worte nicht überbewerten. „Ich bin jetzt zwei, drei Wochen da. Mein Englisch ist so gut, dass ich alle taktischen Anweisungen hundertprozentig verstehe. Teilweise verstehe ich es sogar schon auf Spanisch. Aber natürlich will und muss ich die Sprache schnell lernen. Ich nehme jetzt drei mal pro Woche privaten Spanisch-Unterricht“, hält der ehemalige Stuttgarter selbstbewusst dagegen. Die Entwicklung zu einem Spitzenspieler von internationalem Format hat viele Aspekte und vollzieht sich vor allem nicht immer mit Harmonie. Gerade die besten jungen deutschen Spieler, wie Khedira, Özil, Müller, Torwart Neuer, Kroos, Badstuber oder Marin, die während der WM in Südafrika durch zum Teil mitreißende Darbietungen aufgefallen sind, werden diese Erfahrungen machen, während es für sie nun mit der Nationalmannschaft in eine weitere, wichtige Phase des Lernprogramms geht. Die EM-Qualifikation markiert einen neuen Abschnitt, in dem sie ihre Fähigkeiten dauerhaft beweisen und eine neue Qualitätsstufe erklimmen müssen.

Der vierwöchige Fußball-Sommer machte Hoffnung auf das Heranwachsen einer Sieger-Generation. „Die Leute erwarten einiges nach der erfolgreichen WM“, sagt Khedira. Dass der Bundestrainer zuletzt seinen Vertrag mit dem Deutschen Fußball-Bund verlängerte, hat viel damit zu tun, dass er seinem jungen Kader genau diesen letzten Schritt zu einem Titel-Team zutraut. Dieser Triumph blieb Fußball-Deutschland nach einem zweiten Platz (2002) und zwei dritten Rängen bei Weltmeisterschaften (2006, 2010) sowie einer EM-Finalteilnahme (2008) zuletzt versagt.

„Ich bin überzeugt, dass wir einen Titel gewinnen können“

Einige Indikatoren sprechen dafür, dass sich die Gesamtsituation weiter zum Vorteil verändert hat. „Ich sehe gute Perspektiven. Es ist nicht nur das, was wir als junges Team bei der WM gezeigt haben. Wir haben eine starke Bundesliga, in der man inzwischen sehr gefordert wird und jetzt auch noch Spieler wie Mesut Özil oder mich, die sich bei einem großen Klub im Ausland jeden Tag auf einem ganz hohen Niveau beweisen müssen. Davon können wir in der Nationalmannschaft nur profitieren“, sagt Khedira. Mehr ausländische Vereine würden ein Auge auf deutsche Spieler werfen, weil sie nicht nur taktisch gut wären und laufen könnten, sondern zudem einen schönen, dynamischen Fußball spielten. „Ich bin deshalb überzeugt, dass wir mit unserer Mannschaft einen Titel gewinnen können“, glaubt Khedira.

Mehr starke Spieler, mehr Konkurrenz, mehr Entwicklungsdruck auf den Einzelnen – dieser leistungsfördernde Mix soll die Basis sein für den Schwung der deutschen Elf. Khedira symbolisiert stellvertretend eine wachsende Gruppe junger deutscher Spieler, die diese Herausforderungen annimmt. Diese bestehen für sie nicht nur in der Nationalmannschaft, sondern noch mehr in den jeweiligen Vereinen. Ein Toni Kroos wechselte zurück zum FC Bayern und steht im Mittelfeld in Konkurrenz zu Stars wie Ribéry und Robben. Der Bundestrainer bezeichnete ihn gerade als einen der vielversprechendsten Spieler.

Führungsrolle im Visier

Real Madrid taxierte die Ablösesumme für den erst verpflichteten Özil auf irrwitzige 250 Millionen Euro. Es ist eine reine Phantasie-Summe, zeigt aber an, welche Erwartungen mit dem Spieler beim spanischen Weltverein verknüpft werden – und welchen Ansprüchen er genügen muss. Özil und Khedira sehen für sich mehr Chancen als Risiken. „Ich bin zu Real Madrid gegangen, weil ich dort irgendwann eine Führungsrolle übernehmen und mir wie beim VfB Stuttgart und in der Nationalmannschaft meinen Platz in der ersten Elf erkämpfen will“, sagt Khedira. Joachim Löw glaubt an das Durchsetzungsvermögen der beiden Spieler. „Wenn ich ihr Selbstbewusstsein sehe und ihre Fähigkeiten, bin ich sicher, dass sie das schaffen.“

Im Gefühl der Stärke stellen die Jungen alte Leitfiguren zur Disposition. Für Khedira zählt die eigene Zukunft nun viel mehr als die Verdienste zum Beispiel des langjährigen Kapitäns, der zudem seine Position besetzen würde. „Michael Ballack hat in seiner Karriere sehr viel geleistet für den deutschen Fußball und besonders bei großen Turnieren immer hervorragende Leistungen gezeigt. Aber bei allem Respekt vor ihm: das darf jetzt keine Rolle mehr spielen. Ich weiß, dass ich mich nicht verstecken muss und in der Nationalelf meinen eigenen Stil mit Erfolg einbringen kann.“

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