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Nationalmannschaft Ein Stürmer oder zwei - das ist die Frage für Völler

12.06.2004 ·  Es darf spekuliert werden: Präsentiert Teamchef Rudi Völler im Spiel gegen die Niederlande am Dienstag taktische und personelle Überraschungen - oder bleibt alles beim alten?

Von Gregor Derichs, Almancil
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Der Fernsehsaal war voll besetzt. Kollektives Zuschauen beim EM-Eröffnungsspiel zwischen Portugal und Griechenland gehörte für die 23 deutschen Nationalspieler am Samstag im Ria Park Garden Hotel zum Pflichtprogramm. Zur Halbzeit war jedoch Schluß mit dem TV-Studium. Teamchef Rudi Völler und sein Assistent Michael Skibbe riefen die Spieler zur zweiten Trainingseinheit des Tages auf dem Fußballplatz nebenan.

"Das Feeling und das Gespür für das Turnier sind mit dem EM-Start vorhanden", sagte Skibbe. "Nach fast drei Wochen Training beginnen auch wir jetzt mit dem Countdown." Die deutsche Mannschaft, die am Dienstag mit dem Duell der Vorrundengruppe D gegen die Niederlande (Anstoß 20.45 Uhr) als letzte in das Turnier einsteigt, begann unter strenger Abschirmung durch die Sicherheitsdienste mit den abschließenden taktischen Lektionen.

Gelingt eine Überraschung?

"Das findet top secret statt, damit wir gegen die Holländer vielleicht eine Überraschung präsentieren können", sagte Skibbe. Der 38 Jahre alte Bundestrainer hatte schon Ende Mai angedeutet, daß Völler und er an einem neuen taktischen Schachzug feilten, um im Estadio do Dragao in Porto gegen die Niederländer die ersten EM-Punkte sammeln zu können. Man darf nun spekulieren, ob Völler und Skibbe sich tatsächlich dazu durchringen, vom gewohnten System abzukehren und nur mit einen Stürmer anzutreten. Skibbe bezeichnete diese Variante bei der Pressekonferenz am Samstag als "Option".

In den letzten drei Trainingseinheiten unter Ausschluß der Öffentlichkeit soll eine griffige Erfolgsstrategie erarbeitet werden. Die Debatte um die Abwehr ist vor dem Flug der Mannschaft am Montag nach Porto vorerst beendet: Die Viererkette vor Torwart Oliver Kahn mit Arne Friedrich, Jens Nowotny, Christian Wörns und Philipp Lahm bleibt trotz der Schwächen beim 0:2 gegen Ungarn unverändert.

Schweinsteiger besonders auffällig

Als letzte offene Frage ist nur noch die nach der Offensivausrichtung zu beantworten. Falls Kevin Kuranyi als einzige Spitze aufgeboten wird, könnte das Mittelfeld mit Bernd Schneider, Michael Ballack, Dietmar Hamann und Torsten Frings um einen zusätzlichen Mann erweitert werden. Würde die Wahl auf Frank Baumann fallen, wäre dies die defensive Variante. Im Training hat sich allerdings auch Bastian Schweinsteiger empfohlen - dessen Nominierung freilich einer Überraschung gleichkäme.

Der 19 Jahre alte Münchner sorgt für kreative Impulse nach vorne und wirkt mit seiner beim FC Bayern in der Champions League gesammelten Erfahrung abgeklärt genug, um dem Streß des EM-Duells gegen die Niederländer standzuhalten. "Die Trainer unterhalten sich auch mit uns Spielern über die Taktik", sagte Michael Ballack. Der Mittelfeldstar der Bayern votiert für das System mit einem Stürmer. "Gegen stärkere Mannschaften haben wir mit einer Spitze sehr gut ausgesehen", sagte Ballack, "dann können wir im Mittelfeld kompakt stehen."

Denn gegen die kombinationsstarken Niederländer lautet ein Ziel, "das Spielfeld klein zu machen", so Skibbe. Beim 2:0 gegen die Schweiz am 6. Juni hatte die deutsche Elf exakt diese Spielweise eingeübt. Zuweilen bauten sich die Abwehr und das Mittelfeld in zwei eng gestaffelten Viererketten auf. Ein solcher Wall wäre, so Völlers Hoffnung, auch für die Niederländer schwer zu knacken. "Ich bin zuversichtlich, daß wir sie in Schach halten werden", sagte Skibbe, der die Stimmung im Team als "sehr positiv" beschrieb. Der Gelsenkirchener, als chronischer Optimist bekannt, glaubt sogar, daß das aktuelle Team besser sei als die Mannschaft, die vor zwei Jahren den zweiten Platz bei der WM belegte.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 13.06.2004
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