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Nationalmannschaft Diven im Tor: Psychotest bis zum Mai 2006

27.06.2005 ·  Jürgen Klinsmann wird auch im kleinen Finale des Confed Cups gegen Mexiko die Torhüter-Rotation fortsetzen. Erst kurz vor Beginn der Fußball-WM will sich der Bundestrainer auf seine Nummer eins festlegen - sehr zum Verdruß von Oliver Kahn und Jens Lehmann.

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Es kann wirklich keine Rede davon sein, daß der Confederations Cup als gemeinschaftsbildende Maßnahme der deutschen Fußball-Nationalelf zu einer Verbesserung der Beziehungen zwischen Oliver Kahn und Jens Lehmann geführt hätte. Überall und jederzeit ist das gespannte Verhältnis zwischen den Diven im Tor zu spüren. Eigentlich würdigen die beiden sich keines Blickes, und sowieso vermeiden sie es, in irgendeiner Art und Weise mit dem anderen in Zusammenhang gebracht zu werden.

Hätte er seinem Kollegen nicht mit einem Sieg über Brasilien den Torwartplatz im Finale gegönnt? Die Frage ging an Lehmann nach der 2:3-Niederlage, und seine prompte Antwort lautete: „Der Mannschaft. Der Mannschaft hätte ich das Finale gegönnt.“

Klinsmann behauptet: „Beide sind besser geworden“

Giftige Äußerungen wie diese sind Teil des Konkurrenzkampfes. Eine Art Psychospiel zwischen zwei besonders eigenwilligen Charakteren, in dem es schlußendlich um die eine feste Position im Tor bei der Weltmeisterschaft im nächsten Jahr geht. Jürgen Klinsmann, der durch die Einführung des Rotationsprinzips Oliver Kahns uneingeschränkten Machtanspruch auf die Nummer eins der Mannschaft gebrochen hatte, verteidigte am Sonntag nach der Halbfinalniederlage gegen Brasilien nochmals die Vorgehensweise. „Wir haben bisher nur gute Erfahrungen damit gemacht. Beide Torhüter sind besser geworden“, behauptet der Bundestrainer.

Eigentlich kann Kahn mit dem Verlauf des Turniers aber nicht zufrieden sein, auch wenn ihn Klinsmann in der Hierarchie ein kleines Stück im Vorteil sieht. Eingesetzt im ersten Spiel gegen Australien, bei dem er drei Treffer hinnehmen mußte, folgt plangemäß der zweite und letzte Auftritt an diesem Mittwoch im Spiel um Platz drei. Lehmann stand gegen Tunesien und Brasilien im Tor, der jüngere Kollege Timo Hildebrand zeichnete sich beim 2:2 gegen Argentinien aus. Keine besondere Herausforderung für den „Titan“ der WM 2002, der sich bemüht entspannt und in Sorge um seine Kollegen gibt.

Bis Mai 2006 bleibt der Kampf offen

„Es ist doch wurscht, ob es das Spiel um Platz eins, drei oder fünf ist. Wir wollen zusammen als Mannschaft Erfahrung sammeln“, sagte Kahn. Tut er so locker oder ist er es wirklich? Jedenfalls sollte sich der Münchner auf eine lange Auseinandersetzung einstellen, bis er hundertprozentig sicher sein kann, bei der WM im eigenen Lande das deutsche Tor hüten zu können.

Bundestrainer Jürgen Klinsmann äußerte im Mannschaftsquartier in Herzogenaurach, daß das Wechselspiel zwischen den drei Kräften länger dauern wird als angenommen. Nämlich bis unmittelbar vor Beginn des Weltturniers im Mai 2006. „Bis dahin wird der Kampf offen bleiben“, so der Bundestrainer. Er begründete die Entscheidung mit seiner Absicht, alle drei Torhüter noch nach ihren Ligaspielen und Leistungen im Europapokal bewerten zu wollen. In die gleiche Richtung tendiert die Meinung von Oliver Bierhoff, Manager der Nationalelf: „Das ist stimulierend für den Leistungswettkampf“, sagte Bierhoff.

Kahn: Confed Cup kein Prüfstein

Nur Torwarttrainer Andreas Köpke sieht den Dauertest als eine Fortsetzungsgeschichte mit Grenzen. Der frühere Nationaltorwart hatte sich dieser Tage wohl mit einer frühzeitigen Entscheidung angefreundet. „Wir dürfen den richtigen Zeitpunkt nicht verpassen und müssen Fingerspitzengefühl zeigen. Die Nummer eins und die Nummer zwei müssen genügend Zeit haben, sich mit der Entscheidung auseinanderzusetzen.“

Das Psychospiel geht weiter. Jetzt zählen nur noch starke Nerven und selbstbewußte Auftritte, auch wenn man derzeit nicht viele Möglichkeiten hat, sich direkt auf dem Platz zwischen den Pfosten auszuzeichnen. „Ich habe schon oft gezeigt, was ich kann. Da ist der Confederations Cup nicht der große Prüfstein für mich“, sagte Oliver Kahn in Nürnberg. Nachdem er in den Mannschaftsbus entschwunden war, folgte Lehmann und begann seine Sicht der Dinge darzulegen - mit ebenso großer Überzeugung.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27. Juni 2005
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