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Nationalmannschaft : Die Deutschland-WG

Löws Strandquartier: So sieht der Strand bei Santo Andre aus Bild: dpa

Ein Münchner Investor baut der Nationalelf ein „Germanisches Dorf“ in Brasilien. Zuvor soll das Juniorenteam als Sparringspartner dienen.

          Immerhin: Die deutsche Flagge weht schon. Ansonsten gibt es noch nicht sehr viel, was auf die besondere Rolle dieses Orts im kommenden Sommer schließen lässt. Campo Bahia nennt sich die Anlage, die das deutsche Fußball-Nationalteam als Basisquartier für die Weltmeisterschaft im kommenden Jahr auserkoren hat.

          Und auch wenn sie derzeit eher auf Simulationen und Projektskizzen Gestalt annimmt als in der Realität der brasilianischen Atlantikküste, soll es Joachim Löw und seinem Team dort natürlich an nichts fehlen im nächsten Sommer. Teammanager Oliver Bierhoff überschrieb die entsprechende Seite seiner Präsentation am Freitag in Frankfurt mit dem Titel „Das germanische Dorf“ und sprach davon, dass sich die Spieler dort fühlen sollen wie an einem College – oder „wie in so einer Art Wohngemeinschaft“.

          Noch in Planung: Das Campo Bahia soll bis Mörz erbaut sein Bilderstrecke

          An studentische oder gar spartanische Wohnverhältnisse braucht man selbstverständlich nicht zu denken, wenn man sich die Deutschland-WG des kommenden Sommers vorzustellen versucht. Campo Bahia, 30 Kilometer nördlich vom Ferienort Porto Seguro, ist als eher feudale Angelegenheit konzipiert. Ein Bauherr aus München lässt dort 14 mondäne Häuser entstehen, die im Anschluss an die Nutzung durch die deutsche Fußballelite einem ebenfalls eher elitären Zweck zugeführt werden: als Privatvillen betuchter Brasilianer mit gemeinschaftlicher Infrastruktur und Versorgung.

          Genau in dieser Mischung aus Luxus und kuscheliger Nähe liegt die Hoffnung von Bierhoff und Löw begründet, hier möge eine besonderer Atmosphäre entstehen, die das deutsche Team auch sportlich beflügelt. Sechs oder sieben Personen, sagte Bierhoff, sollen in jedem Haus untergebracht sein – und das soll für ständige Begegnung („ein gemeinsamer Kühlschrank“), Kommunikation und letztlich Kollektivgeist sorgen.

          Kurze Wege

          Fertig werden soll das Ganze samt dazugehörigem Trainingsplatz im März. Bierhoff gab sich am Freitag natürlich zuversichtlich, dass alles im Plan bleibt – dass ein deutscher Unternehmer hinter allem steckt, bezeichnete er in diesem Zusammenhang als „Vorteil“. Zugleich reagierte er entschieden auf die Interpretation, wonach das Quartier mehr oder weniger ein Projekt des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) und unterstützt von dessen Sponsoren sei. „Das wird nicht für uns gebaut. Und es wird auch nicht nach unseren Wünschen gebaut“, betonte er. In jedem Fall aber war es ein hilfreicher Zufall, dass Bierhoff im Rahmen von Gesprächen mit einem brasilianischen Unternehmerverband auf die Spur dieses Projekts kam – und dass der Bauherr, die Hirmer-Gruppe, sogleich die Akkreditierung als offizielles Quartier beim Internationalen Fußball-Verband (Fifa) beantragte.

          Die Spielorte der Fußball-Weltmeisterschaft 2014 und der Standort des deutschen Quartiers

          Ursprünglich hatten Bierhoff und die deutschen Planer um Generalsekretär Helmut Sandrock ein Quartier in der Nähe von Sao Paulo ins Auge gefasst. Das sei aber nach der Auslosung, die die Deutschen zu ihren Gruppenspielen in die nördlichen Spielorte Salvador, Fortaleza und Recife führte, nicht mehr in Frage gekommen. Es sollte etwas mit kürzeren Wegen sein, zugleich aber auch nicht zu weit im Norden. Zum einen ist es dort zum Trainieren und Regenerieren doch etwas heiß, zum anderen würde der weitere Turnierverlauf im Falle des Gruppensiegs dann doch Spiele weiter Norden mit sich bringen. Da schien die Gegend um Porto Seguro als passende Wahl: eine Art goldener Schnitt zwischen der tropischen Klimazone im Norden und der subtropischen weiter südlich. Die Flugzeiten zu den Vorrundenspielen sollen maximal zwei Stunden betragen, der Flughafen sei in 40 Minuten zu erreichen, sagte Bierhoff.

          Sportliche Pläne

          In Campo Bahia selbst sollen die Deutschen auf insgesamt 15.000 Quadratmetern einerseits Abgeschiedenheit und Ruhe genießen können – dafür sorgt die etwas entlegene Lage auf einer Halbinsel, die man mit einer kleinen Fährüberfahrt erreicht. Zum anderen sollen sie auch brasilianisches Flair schnuppern – wofür der 1,8 Kilometer lange Sandstrand bürgen soll. Bierhoff kündigte an, dass der DFB der Region auch etwas hinterlassen möchte – was genau, blieb aber noch offen.

          Ebenfalls vorgestellt wurden am Freitag die sportlichen Pläne. Hier gab es noch die eine oder andere markante Abweichung von den bislang diskutierten und auch bei vergangenen Turnieren praktizierten Varianten: Ein Trainingslager wurde zu Gunsten einer freien Woche für die Spieler nach Saisonende (14.-20. Mai) gestrichen – auch, wie Co-Trainer Hans-Dieter Flick sagte, weil die sportliche Leitung eine Situation wie 2012 vermeiden wollte, als die Spieler wegen diverser Verpflichtungen mit ihren Vereinen erst nach und nach eintrudelten.

          Der Kern der Vorbereitung wird vom 21. bis 31. Mai im Passeiertal in Südtirol absolviert. Dorthin nimmt sich die deutsche Mannschaft sogar ein U-Team des Verbands als Sparringspartner mit. Die drei letzten Testspiele vor der WM finden am 13. Mai in Hamburg gegen Polen sowie am 1. Juni in Mönchengladbach und am 6. Juni in Mainz gegen noch unbekannte Gegner statt. Ursprünglich war das Spiel am 13. Mai gegen Polen in Mainz geplant, aus logistischen Gründen hat der DFB nun aber die Spielorte getauscht. Aus Mainz ist der Weg zum nahen Frankfurter Flughafen und der Abreise nach Brasilien am 7. Juni bequemer. In Brasilien wird die Mannschaft zur rechtzeitigen Akklimatisierung acht Tage vor dem ersten Spiel gegen Portugal (16. Juni in Salvador) ihr Quartier bezieht.

          Bis dahin will Bierhoff im Übrigen auch das brasilianische Fußballvolk hinter sich gebracht haben. Sein Wunsch sei es, „dass wir die zweite Mannschaft Brasiliens sind“, sagte er am Freitag – ambitionierte Projekte, wohin man auch schaut.

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