Prominenter Besuch hat sich für diesen Mittwoch im Trainingslager der Nationalmannschaft angekündigt. Die Formel-1-Piloten Nico Rosberg und Michael Schumacher wollen bei den deutschen Fußballprofis vorbeischauen, die sich derzeit in Südfrankreich auf die Europameisterschaft vorbereiten. Eine naheliegende Idee, von Monte Carlo, wo am Sonntag der Große Preis von Monaco ausgefahren wird, ist es für flotte Fahrer schließlich kaum mehr als eine Autostunde ins DFB-Quartier. Und weil Rosbergs und Schumachers Rennstall zugleich Sponsor der nationalen Fußball-Elite ist, fiel die Entscheidung für den Tagesausflug sicher noch ein bisschen leichter. Dass es in Tourrettes zu gemeinsamen Ausfahrten kommen könnte, wie Teammanager Oliver Bierhoff ankündigte, schien manchen jedoch mit ein wenig Sorge zu erfüllen. „Nur als Beifahrer“ - so lautete am Montag André Schürrles fürsorgliche Bitte an den Kollegen Hummels.
Für den Fußballplatz gilt das so freilich nicht. Dort darf Mats Hummels darauf hoffen, bei der EM keine passive, sondern eine verantwortungsvolle, man könnte auch sagen: lenkende, Aufgabe im deutschen Team zu übernehmen. Drei ernsthafte Kandidaten gibt es für die beiden Plätze in der Innenverteidigung. Und auch wenn Holger Badstuber und Per Mertesacker zuletzt in der Gunst von Bundestrainer Joachim Löw höher zu stehen schienen, könnte beim Turnier in Polen und in der Ukraine Hummels’ Chance gekommen sein.
In bester Verfassung
Schließlich hatte Mertesacker lange mit einer Verletzung zu kämpfen, die er im Trikot des FC Arsenal davongetragen hatte. Hummels hingegen, der Dortmunder Double-Sieger, ist in bester Verfassung und mit noch besserer Laune zur Mannschaft gestoßen. „Im Moment“, sagte er am Montag, „sieht es so aus, als wäre die Chance zu spielen für mich da.“ In der von großer Vorsicht geprägten Diktion des Nationalteams war das schon eine Ansage.
Inwieweit das auch für seine Dortmunder Kollegen gilt, ist ein anderes, ein schwieriges Thema. Fünf Borussen stehen in Löws vorläufigem Kader, nach den acht Bayern ist das der zweitgrößte Block. Aber einen Stammplatz konnte bislang keiner für sich beanspruchen. Spitze in der Liga und im Pokal, aber nicht gut genug für die Nationalmannschaft? Das leuchtete nur deshalb ein, weil die Bayern unzweifelhaft Stärke und Erfolg des deutschen Teams verkörperten. Seit Sonntag allerdings scheint es nicht mehr so sicher, wie viel von der bayerischen „Mia san mia“-Mentalität nach der schlimmstmöglichen Niederlage im Champions-League-Finale noch übrig ist. Oder zumindest, wie lange es im besten Fall dauern wird, um diese für nationale Aufgaben wiederherzustellen.
Ob es nun nicht doch ein bisschen mehr Borussia sein dürfte - die Vorlagen zu dieser Frage kamen auch aus München selbst. Präsident Uli Hoeneß äußerte die Vermutung, den Bayern könnte es an Spielern fehlen, die einen Titel erzwingen wollen. Und auch wenn man Neuer, Lahm, Schweinsteiger, Gomez, Müller sicher nicht absprechen konnte, gegen den FC Chelsea Verantwortung übernommen zu haben - wie man einen Titel wirklich erzwingen kann, lässt sich derzeit nun einmal am besten in Dortmund studieren. Franz Beckenbauer formulierte es in seiner Zeitungskolumne so: „Klar ist: Die Dortmunder Spieler sind mit dem Double im Rücken psychologisch im Vorteil gegenüber den Münchnern mit drei verlorenen Titeln.“ Deren psychische Verfassung nannte er „erbärmlich“.
Keine Ansprüche auf die Führungsrolle
Zeit für einen Führungswechsel also im deutschen Team? Davon wollte Hummels am Montag nichts wissen. „Führungsrolle? Diesen Anspruch haben wir noch gar nicht“, sagte er in Bezug auf das Dortmunder Quintett, zu dem noch Mario Götze, Marcel Schmelzer, Sven Bender und Ilkay Gündogan gehören. Für ihn, behauptete Hummels, sei klar, dass weiter die Bayern vorangehen, „aufgrund ihrer Stellung und ihrer Länderspiele“. Auch die tragische Figur der Münchner Finales, Bastian Schweinsteiger (mit dem Hummels im Pokalfinale kräftig aneinandergeraten war), werde trotz des momentanen Seelenschmerzes weiterhin „einer der Schlüsselspieler in der Nationalelf“ sein.
Eine große Dortmunder Lösung ist tatsächlich nicht in Sicht. „Für uns“, sagte Hummels, „geht es darum, reinzukommen, für zwei, drei Leute darum, hier zu spielen.“ Bender und mehr noch Gündogan müssen erst einmal alles dafür tun, den Cut bei der Nominierung des endgültigen Kaders am 29. Mai zu schaffen. Götze, der in Südfrankreich großen Tatendrang zeigt, ist zwar sicher dabei. Die Hürden für einen Platz in der Startelf aber sind für ihn weiter hoch: aus Gründen der Offensiv-defensiv-Ausgewogenheit und weil auch er wegen Verletzungen lange gefehlt hatte. Durchaus denkbar aber wäre eine Abwehrreihe mit starker Dortmunder Prägung, mit Hummels neben Badstuber im Zentrum sowie Schmelzer auf der linken Seite. Lahm müsste dafür wie bei den Bayern wieder auf rechts wechseln, Leidtragender wäre sein Münchner Kollege Boateng. Ein Freund umwälzender Veränderungen ist Joachim Löw ohnehin nicht. An dieser kleinen Rochade aber könnte vielleicht auch er Gefallen finden.
Dortmund ist international drittklassig -b haben sie in der Champions
League mehr als deutlich gezei
Paul Banaschak (paul.banaschak)
- 23.05.2012, 10:29 Uhr
Führungspieler fehlen!
Helmut Heckner (hecknerh)
- 23.05.2012, 07:54 Uhr
Mats Hummels
Sebastian Becker (beckerseba)
- 22.05.2012, 14:05 Uhr
Führungsrolle von Lahm und Schweinsteiger?
Michael Scheffler (Striesner)
- 22.05.2012, 13:12 Uhr
Internationale Erfahrung
Fred Knoll (Fremm)
- 22.05.2012, 12:52 Uhr