27.08.2010 · Ballacks Nichtnominierung durch Bundestrainer Löw für die kommenden Qualifikationsspiele ist sportlich nachvollziehbar, aber auch ein Fingerzeig in Richtung EM. Und es ist ein weiterer Punktsieg für Lahm.
Von Michael Horeni, BerlinDas Telefonat, das Joachim Löw am Donnerstag mit seinem Kapitän führte - von dem man aber längst nicht mehr mit Gewissheit sagen kann, ob er noch Kapitän ist - überraschte Michael Ballack nicht. Der Bundestrainer teilte dem Mittelfeldspieler von Bayer Leverkusen mit, dass er ihn nicht für die Qualifikationsbegegnung zur Europameisterschaft am 3. September in Brüssel gegen Belgien und vier Tage später in Köln gegen Aserbaidschan nominieren werde, weil er, wie er ja wohl auch selbst festgestellt habe, nach seiner langen Verletzungspause noch nicht in optimaler körperlicher Verfassung sei.
Über die Kapitänsfrage, die seit Philipp Lahms Anspruch in der letzten WM-Woche die Nationalmannschaft beschäftigt und Ballack beschädigt, sprach Löw mit Ballack nicht. Es war der erste Anruf nach der WM, zum Bundesliga-Start hatte Ballack eine aufmunternde SMS erhalten.
Das Thema Ballack kommt im fünften Absatz
Ein vertrauensvolles Verhältnis zwischen dem Bundestrainer und seinem langjährigen Anführer kann man sich natürlich auch anders vorstellen - zumal von einem Bekenntnis des Bundestrainers zu Ballack jede Spur fehlt. Während der Sportinformationsdienst mit einer „Flash“-Meldung der höchsten Priorität auf die Nichtnominierung des 98-maligen Nationalspielers reagierte, die sich seit Ballacks schwergängigem Debüt am vergangenen Sonntag beim 2:0-Sieg der Leverkusener in Dortmund abgezeichnet hatte, spielte der alte Capitano in der Erklärung des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) nur noch eine Nebenrolle.
Erst im fünften und letzten Absatz der Erklärung kommt das Thema Ballack dran. Zuvor wurde der Verzicht auf Friedrich, Boateng, Trochowski, Aogo und Hitzlsperger aus gesundheitlichen Gründen und auf Tasci wegen fehlender Spielpraxis thematisiert sowie die Nominierungen von Riether, Westermann und Träsch erwähnt. Man kann auch sagen: Der Käpt'n wird durchgereicht.
Ballack legt Wert auf seinen 100. Einsatz im Nationaltrikot
Offiziell klingt das ganz anders. „Nach einem Telefonat zwischen beiden in dieser Woche bestand Einigkeit darin, dass Ballack nicht dem Aufgebot angehört.“ So jedenfalls gibt der DFB das Gespräch wieder - wobei die Einigkeit allerdings nicht ganz so groß sein dürfte, wie der Verband und wohl auch der Bundestrainer suggerieren möchten. „Es war ein gutes und vertrauensvolles Gespräch. Michael ist drei Monate nach seiner schweren Verletzung auf einem guten Weg und alle sind mit dem Genesungsprozess zufrieden. Wichtig wird nun sein, dass er in den nächsten Wochen in Leverkusen zu seiner optimalen Form zurückfindet“, teilte Löw mit.
Ballack jedoch hätte sich auch gut vorstellen können, in der kommenden Woche wieder zur Nationalmannschaft zu stoßen - und wenn vielleicht nicht gegen Belgien, dann aber zumindest beim zweiten Spiel gegen Aserbaidschan zum Einsatz zu kommen. Denn es ist kein großes Geheimnis, dass Ballack auf seinen 100. Einsatz im Nationaltrikot großen Wert legt, und dass er sich für diese besondere Marke gerne bei einem Heimspiel feiern lassen würde. Ein Einsatz in Aserbaidschan und dann zum Jubiläum im Berliner Olympiastadion gegen die Türkei - das wäre nach seinem Geschmack gewesen.
Punktsieg für Lahm im Fernduell um die Spielführerschaft
Aber nach Ballacks Geschmack geht es bei der Nationalelf längst nicht mehr, spätestens seit Lahm darauf pocht, die für die WM ausgeliehene Kapitänsbinde zu behalten. Im Umfeld von Ballack wird die Nichtnominierung in Richtung Europameisterschaft, nach der monatelangen Verletzungspause und dem ersten Eindruck von Sonntag fachlich unangreifbar und nachvollziehbar, schon als Gefahr wahrgenommen.
Wenn der WM-Dritte und Sami Khedira auf der Position, die Ballack zurückerobern will, gegen Belgien und Aserbaidschan überzeugen sollten - welchen Grund sollte es für den Bundestrainer dann noch geben, seine Stammformation zu verändern? Dass Lahm gegen Belgien und Aserbaidschan die Nationalmannschaft nun auch als Kapitän in die EM-Qualifikation führt - und Löw weiter schweigt -, wird ohnehin als Punktsieg für Lahm im schier endlosen Fernduell um die Spielführerschaft angesehen.
Ballack muss sich in Zukunft jeden Tag ganz neu beweisen
„Wir streben natürlich einen erfolgreichen Start in die EM-Qualifikation an und wollen in beiden Begegnungen an unsere Leistungen bei der WM anknüpfen“, sagte am Freitag Löw vor dem Start in Gruppe A. Wie angekündigt, berief er drei Torhüter, bei Doppelspieltagen ist das üblich. Neben Manuel Neuer und Tim Wiese, die bei der Weltmeisterschaft dabei waren, wurde auch der Leverkusener René Adler eingeladen, bis zu seiner Verletzung die Nummer eins.
Löw, der in diesen Tagen alle Anfragen nach Stellungnahmen ablehnt, schürt unterdessen weiter den Konkurrenzkampf. „Wie schon nach der EM 2008 sehe ich im Leistungsprinzip einen wichtigen Faktor, damit eine weitere Steigerung unserer Mannschaft möglich ist“, teilte der Bundestrainer mit. Es braucht nicht viel Phantasie, um zu verstehen, dass sich Michael Ballack mit seinen bei der EM fast 36 Jahren in Zukunft jeden Tag ganz neu beweisen muss.
| Verein | Sp | Diff | Pkt. | |||
|---|---|---|---|---|---|---|
| 1. | ![]() |
Borussia Dortmund | 21 | 32 | 46 | ![]() |
| 2. | ![]() |
Bayern München | 21 | 35 | 44 | ![]() |
| 3. | ![]() |
Bor. Mönchengladbach | 21 | 22 | 43 | ![]() |
| 4. | ![]() |
FC Schalke 04 | 21 | 18 | 41 | ![]() |
| 5. | ![]() |
Werder Bremen | 21 | -1 | 33 | ![]() |
| 6. | ![]() |
Bayer Leverkusen | 21 | 0 | 31 | ![]() |
| 7. | ![]() |
Hannover 96 | 21 | -2 | 31 | ![]() |
| 8. | ![]() |
VfL Wolfsburg | 21 | -11 | 27 | ![]() |
| 9. | ![]() |
VfB Stuttgart | 21 | 3 | 26 | ![]() |
| 10. | ![]() |
Hamburger SV | 21 | -8 | 26 | ![]() |
| 11. | ![]() |
1899 Hoffenheim | 21 | -2 | 25 | ![]() |
| 12. | ![]() |
1. FC Köln | 21 | -12 | 24 | ![]() |
| 13. | ![]() |
FSV Mainz 05 | 21 | -6 | 23 | ![]() |
| 14. | ![]() |
1. FC Nürnberg | 21 | -12 | 22 | ![]() |
| 15. | ![]() |
Hertha BSC | 21 | -11 | 20 | ![]() |
| 16. | ![]() |
1. FC Kaiserslautern | 21 | -11 | 18 | ![]() |
| 17. | ![]() |
FC Augsburg | 21 | -14 | 18 | ![]() |
| 18. | ![]() |
SC Freiburg | 21 | -20 | 17 | ![]() |