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Nationalmannschaft Das Löw-Team bleibt im Amt

20.07.2010 ·  Joachim Löw bleibt Fußball-Bundestrainer bis 2012. Auch sein Assistent Hansi Flick und Bundestorwarttrainer Andreas Köpke sowie Manager Oliver Bierhoff bleiben dem deutschen Fußball bis zur EM erhalten. „Die Motivation ist extrem hoch“, sagt Löw.

Von Peter Penders
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War da was? Hatte es Anfang diesen Jahres wirklich mal einen heftigen Streit um die Vertragsverlängerung von Bundestrainer Joachim Löw und seinem Team mit der Führungspitze des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) gegeben, der für eine eisige Atmosphäre unter den beiden Parteien gesorgt hatte? Am Dienstag war plötzlich alles vergeben und vergessen, die harten Verhandlungsfronten waren wachsweich geworden und die Verträge unterschrieben. Joachim Löw bleibt mindestens weitere zwei Jahre bis nach der Europameisterschaft 2012 im Amt, dazu auch sein komplettes Team mit Assistenztrainer Hans Flick, Torwarttrainer Andreas Köpke, und selbst der im Februar mit angeblich überzogenen Forderungen in Ungnade gefallene Nationalmannschafts-Manager Oliver Bierhoff ist weiter mit von der Partie. „Wir freuen uns sehr auf die weitere Zusammenarbeit mit dem DFB und der Nationalmannschaft“, sagten Löw und Bierhoff.

Auf langwierige und komplizierte Verhandlungen war die Öffentlichkeit vorbereitet, nachdem die Gesprächsrunde im Februar mit lautem Getöse auseinandergegangen war. Diesmal ging es sehr schnell und - wie alle Beteiligten nicht müde wurden zu betonen - unkompliziert zur Sache. „Die ein oder andere kritische Stelle ist in den Gesprächen gelöst worden. Ich bin sehr stolz, dass wir die Zusammenarbeit mit Joachim Löw und seinem Team fortsetzen, unter moderaten Bedingungen, die mit einem gemeinnützigen Verband in Einklang zu bringen sind“, sagte DFB-Präsident Theo Zwanziger.

„Das war eine große Geste“

Vom Tisch sind damit etwa Forderungen von Bierhoff über ein Vetorecht des Nationalmannschafts-Managers bei der Besetzung des Bundestrainerpostens, auch die Fragen über die Zusammenarbeit des ehemaligen Nationalmannschafts-Kapitäns mit einem Konkurrenten eines aktuellen Nationalmannschafts-Sponsors scheint zum Wohlgefallen des Verbandes geklärt. Bierhoff ist dem DFB auch im Kompetenzgerangel um die U 21 entgegengekommen. Den administrativen Bereich gibt er an Sportdirektor Matthias Sammer ab, wofür ihm der DFB-Präsident ausdrücklich dankte. „Das war eine große Geste. Chef im sportlichen Bereich ist aber Joachim Löw. Matthias Sammer hat nun ein Aufgabenfeld, das ihm breiteste Möglichkeiten bietet“, stellte Zwanziger klar. Der Sportdirektor fehlte allerdings am Tag der größtmöglichen Harmonie in der DFB-Zentrale.

Die Position des Bundestrainers war nicht nur wegen des dritten Platzes, sondern vor allem wegen der Art und Weise, wie die Nationalmannschaft diese WM bestritten hatte, extrem gestärkt worden. Ein abermaliges Scheitern in den Verhandlungen hätte für einen riesigen Imageschaden des DFB gesorgt, zumal - im Gegensatz zur Klinsmann-Aufgabe vor vier Jahren - kein für alle annehmbarer Nachfolger parat stand. Löw, der während der WM keinerlei öffentliche Signale für oder gegen eine Vertragsverlängerung abgegeben hatte, ist nach seiner Rückkehr offenbar schnell bewusst geworden, welche Möglichkeiten er in den kommenden Jahren bei der Nationalmannschaft vorfinden wird - wenn er es denn nicht schon längst wusste. „Wir hatten auf dem Rückflug für vergangenen Freitag ein Treffen mit dem Trainerteam und Oliver Bierhoff vereinbart, und dabei konnte man dann sehr schnell spüren, dass alle mit großer Freude diese Mannschaft weiterentwickeln wollen. Es gab ein paar Punkte zu klären, was Flick und Köpke betraf, aber die Arbeitsbedingungen insgesamt beim DFB sind so optimal, dass sie besser nicht vorstellbar sind“, sagte Löw.

Zwanziger gibt Versäumnisse zu

Am Samstagmittag informierte er den DFB-Generalsekretär Wolfgang Niersbach über die grundsätzliche Bereitschaft, am Montag waren die Verträge aufgesetzt, am Dienstagmorgen waren sie unterschrieben. „So schnell kann es gehen, wenn man gegenseitiges Vertrauen hat“, erklärte Niersbach dazu. So oft, wie an diesem Tage wechselweise die wunderbare Zusammenarbeit, das gegenseitige Vertrauen, das konstruktive Miteinander und die rosige Zukunft insgesamt beschworen wurde, klang es fast schon wieder verdächtig und etwas aufgesetzt.

Gut möglich, dass sich aber auch andere Probleme möglicherweise bald in diesem Wohlgefallen auflösen. Theo Zwanziger, dessen Amtsperiode im Oktober abläuft und der zuletzt öffentlichkeitswirksam eine gewisse Müdigkeit angedeutet hatte, will nun schnell „eine persönliche Entscheidungsfindung herbeiführen“. Es sei ja legitim, sich darüber Gedanken zu machen, sagte Zwanziger, der vor allem auch in der Schiedsrichteraffäre Amerell/Kempter stark in die Kritik geraten war. „Es ist eine riesige Ehre, DFB-Präsident zu sein. Man hat den Anspruch, es gut zu machen, und natürlich machst du dabei auch Fehler“, mit diesen Worten gab Zwanziger mehr oder weniger erstmals eigene Versäumnisse zu.

Doch es war ohnehin kein Tag, an dem sich ein Wölkchen über der DFB-Zentrale verirrte - auch in der Kapitänsfrage und mit Blick auf die Zukunft des bei der WM verletzt fehlenden Michael Ballack blieb Löw trotz zuletzt heftiger Störungen durch dessen Manager Michael Becker gewohnt diplomatisch: „Ich werde mit allen sprechen, und bei Michael müssen wir sehen, ob es schon wieder für Dänemark reicht.“ Das wäre das in der Kritik stehende Länderspiel am 11. August, und auch bei diesem Thema signalisierte Löw Verständnis für die Sorgen der Trainerkollegen in den Vereinen: „Ich sehe die Problematik und werde das mit den Bundesligatrainern bereden.“ Fußball kann so wunderbar einfach sein.

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Jahrgang 1959, Sportredakteur.

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