Vor der Urlaubsatmosphäre in Rimini konnte sich die deutsche Fußball-Nationalmannschaft nicht einmal auf der offiziellen Pressekonferenz verschließen. Im Strandhotel mit Sicht auf die kilometerlange, mit Sonnenschirmen und Badeliegen gesäumte Küste lächelte Joachim Löw dann nicht nur in die bekannten Kameras der Fotografen und des Fernsehens, der Bundestrainer wurde auch zum begehrten Objekt von jungen deutschen Touristinnen für einen Schnappschuß. Auch dieser Aufgabe kam der nette Herr Löw gelassen nach.
Wenig später staunten und grinsten auch die Nationalspieler Bastian Schweinsteiger und Marcell Jansen über einen ziemlich ungewöhnlichen Verlauf in der ansonsten nach festen Regeln verlaufenden Pressekonferenz. Während sich der Bundestrainer gerade beim Bürgermeister von Rimini mit einem von den Nationalspielern unterschriebenen Trikot für die Gastfreundschaft am Urlaubsort von so vielen Deutschen in der Emilia Romagna bedankte, nutzten Urlauberinnen die Gelegenheit, um die Bühne zu entern und ihre Köpfe zwischen die verdutzten Nationalspieler zu stecken, um ein Erinnerungsfoto mit ihren WM-Helden zu ergattern. „Es ist nicht leicht, die Mannschaft emotional einzustellen. Wir versuchen, das möglichst professionell zu tun“, sagte der Bundestrainer über einen Fußballtrip, der die WM-Dritten an diesem Mittwoch zum Fußballzwerg San Marino führt, aber doch eher an einen Betriebsausflug mit sportlichem Begleitprogramm erinnert.
„Keine Angst vor einer Blamage“
Der Bundestrainer versuchte sich zwar um die Formulierung zu drücken, daß in San Marino die leichteste Aufgabe seit seinem Arbeitsbeginn bei der Nationalelf vor gut zwei Jahren auf dem Programm steht. Aber an einem Sieg mit vielen Toren mochte er trotzdem keinen Zweifel aufkommen lassen. „Wir haben keine Angst vor einer Blamage“, sagte Löw, „wir wollen und wir werden dieses Spiel gewinnen.“ Als Motivationshilfe gegen eine Mannschaft mit tiefstem Amateurstatus, die kaum gegen ein Regionalligateam bestehen würde, soll an diesem Mittwoch, da gute Worte zum Spannungsaufbau nur schwer genügen werden, auch ein bißchen die Statistik helfen. „Wir wollen den Torhunger schüren, das ist die wichtigste Aufgabe“, sagte Löw über die Zielsetzung in den Trainings- und Gesprächseinheiten seit dem 1:0-Sieg am vergangenen Samstag gegen Irland.
Löw denkt vor allem an die Torquoten seiner beiden Stürmer Miroslav Klose und Lukas Podolski sowie an seinen seit der WM ohne Torerfolg gebliebenen Kapitän Michael Ballack. Der Kapitän und der WM-Torjäger, die bisher beide 31 Tore in 71 beziehungsweise 64 Spielen erzielten, würden bei einem Treffer Klaus Fischer, bei zwei Toren Fritz Walter und bei drei Treffern Ulf Kirsten einholen. Klose allerdings will von solchen Spielereien eigentlich gar nichts wissen, und viele Tore gegen ein Team, das Siege praktisch nicht kennt, findet der beste deutsche Stürmer eigentlich unter seinem Niveau: „Sonst heißt es wieder: Ich treffe nur gegen die Kleinen.“
Borowski steht in der Startformation
Aber für Lukas Podolski, der ebenfalls auf eine erstaunliche Quote mit 16 Toren in 34 Länderspielen kommt, hält Klose die Möglichkeit, durch Treffer gegen Amateure Selbstbewußtsein und Aufmerksamkeit zu erregen, für angebracht - soviel Unterschied in der Hierarchie muß schon sein. „Er ist in einer schwierigen Situation“, sagt Klose über den erst 21 Jahre alten Stürmer, der beim FC Bayern München von einem Stammplatz noch weit entfernt ist. „Er soll versuchen, sich über die Nationalelf für Bayern zu empfehlen“, sagt der Bremer Bundesliga-Torschützenkönig der vergangenen Saison über Podolski, der von Schwierigkeiten beim FC Bayern rein gar nichts wissen will.
Löw jedenfalls zweifelt nicht, daß seine Spieler auf die eine oder andere Weise Lust auf Fußball bei ihrer Reise an die Adria entwickeln. Im Mittelfeld wird deswegen auch der offensive Edelersatzspieler Tim Borowski seine Chance von Beginn an bekommen. Für wichtiger indes als alle Statistik, die Perspektiven für die EM und noch weitere mögliche personelle Wechsel hält der Bundestrainer die Kontrolle durch die deutschen Fans. „Auch wenn wir nur 5000 oder 6000 Zuschauer im Stadion sein werden, spielen wir vor einem Millionenpublikum“, sagt Löw. „Wir stehen in der Verantwortung, ein gutes Spiel zu machen.“ Man kann das auch etwas anders ausdrücken. So wie Bastian Schweinsteiger, der den Fußballzwerg auch in Badelatschen schon mal warnte: „Wir werden keine Gnade zeigen.“
DFB-Torjägerliste
1. Gerd Müller 68 Tore/62 Spiele,
2. Joachim Streich 55/102 (DFV)
3. Jürgen Klinsmann 47/108 und Rudi Völler 47/90,
5. Karl-Heinz Rummenigge 45/95,
6. Uwe Seeler 43/72,
7. Oliver Bierhoff 37/70,
8. Ulf Kirsten 34/51,
9. Fritz Walter 33/61,
10. Klaus Fischer 32/45,
11. Miroslav Klose 31/64 und Ernst Lehner 31/65 und Michael Ballack 31/71.
DFB-Länderspielliste
1. Lothar Matthäus 150 Spiele,
2. Jürgen Klinsmann 108,
3. Jürgen Kohler 105,
4. Franz Beckenbauer 103,
5. Hans-Joachim Streich 102,
6. Thomas Häßler 101,
7. Hans-Joachim Dörner und Ulf Kirsten 100,
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24. Bernd Schneider 73.