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Nationalmannschaft Ballack warnt vor „blauem Wunder“

31.08.2006 ·  Michael Ballack, Kapitän der deutschen Fußball-Nationalmannschaft, freut sich über seine Rückkehr ins Heimatland. „Wir müssen uns jetzt neu motivieren“, sagte Ballack in Hinblick auf die EM-Qualifikation.

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Die Umzugskisten sind noch nicht ausgepackt, noch wohnt Michael Ballack ein wenig außerhalb von London im Hotel. Doch schon vor dem Einzug in ein neues Heim sieht sich der Kapitän der deutschen Fußball-Nationalmannschaft in seiner Entscheidung bestätigt, mit knapp 30 Jahren doch noch den Wechsel ins Ausland gewagt zu haben. „Es ist die Situation eingetreten, die ich mir vorgestellt habe“, sagte der bestbezahlte deutsche Fußballer am Donnerstag in Stuttgart nach den ersten Wochen bei seinem neuen Arbeitgeber FC Chelsea.

Neues Land, neue Sprache, neuer Klub - nach dem emotionalen Karriere-Höhepunkt mit der Weltmeisterschaft in Deutschland brauchte der Sachse einen Neubeginn. „Wir hatten eine tolle WM, einen tollen Abschluß, um einen Schnitt zu machen und Deutschland erst einmal hinter sich zu lassen, nach England zu gehen, sich da durchzusetzen mit allen Problemen fertig zu werden.“

„Ich freue mich, in alter Umgebung zu sein“

Den radikalen Schnitt hat der Mittelfeldspieler auch äußerlich vollzogen - mit seiner neuen Kurzhaarfrisur. Auch sonst wirkt Ballack bei seiner ersten Rückkehr in den Kreis der Nationalelf auffallend entspannt und körperlich erholt. „Ich hatte nach der WM einen schönen Urlaub, ich konnte mich gut erholen“, berichtete er. „Der Spaß und die Motivation im Training sind wieder unheimlich da.“

Nationalmannschaft: Kapitän Ballack ist zurück

Nach 275 Bundesligaspielen und 75 Toren für den 1. FC Kaiserslautern, Bayer Leverkusen und Bayern München ist Ballack in der englischen Premier League neu gefordert: Im Star-Ensemble des FC Chelsea muß er sich als Führungskraft in Stellung bringen. Die Dienstreisen zur Nationalmannschaft sind da eher eine willkommene Abwechslung. „Ich freue mich, hier in alter Umgebung zu sein.“

Neues Kapitel

Als der Kapitän am vergangenen Dienstag von London nach Stuttgart zum Treffpunkt der Nationalmannschaft flog, gratulierten ihm einige Landsleute noch immer zum famosen WM-Abschneiden. Das Turnier verfolgt die Nationalspieler weiterhin auf Schritt und Tritt, es läßt sie einfach nicht los. Doch man müsse runter von dieser Wolke, „sonst erleben wir ein blaues Wunder“, warnte Ballack vor dem ersten EM-Qualifikationsspiel am Samstag in Stuttgart gegen Irland. „Es beginnt ein neues Kapitel. Wir müssen uns neu motivieren, das wird nicht immer leicht.“

Ballack gab mit seiner Erfahrung aus 70 Länderspielen Klinsmann-Nachfolger Joachim Löw einen guten Rat mit auf den Weg: „Unser erstes Ziel muß es sein, daß wir uns für die EM qualifizieren. Das wird schwer genug, denn gerade die Auswärtsspiele in der Slowakei, Wales oder Irland sind keine Selbstläufer. Erst wenn wir dieses Ziel erreicht haben, können wir sagen, daß wir Europameister werden wollen, das ist aber ein sehr, sehr hohes Ziel.“

Friedrich wieder im Training

Löw hatte bei seinem Amtsantritt als Chefcoach den EM-Titel 2008 als Ziel ausgegeben, was sein Kapitän grundsätzlich in Ordnung findet: „Klinsmann hat damals bei seiner Vorstellung auch direkt den WM-Titel als Ziel genannt, obwohl die Voraussetzungen damals ungleich schwieriger waren.“ Ballack erinnerte an das Vorrundenaus bei der EM in Portugal, das man beim Vize-Weltmeister von 2002 unter seinem damaligen Teamchef Rudi Völler kaum für möglich gehalten hätte. Nach der erfolgreichen WM in Asien hatte die DFB-Auswahl aber schon auf dem Weg nach Portugal die ein oder andere Schramme abbekommen. „Damals wie heute bin ich zuversichtlich, daß wir die EM-Qualifikation schaffen. Aber man weiß nie genau, was einen erwartet. Dieser Situation müssen sich gerade die jungen Spieler bewußt sein, die noch nie diesen Druck gehabt haben. Darauf kann ich als Kapitän nur immer wieder hinweisen. Das muß allen auf dem Platz bewußt sein“, mahnte Ballack.

Mit welcher Ausrichtung die deutsche Mannschaft diese Aufgabe angeht, war Ballack aber selbst noch nicht klar. „Angesichts unserer Abwehrprobleme steht fest, daß wir im Mittelfeld helfen und vor allem Torsten Frings und ich der Mannschaft Stabilität verleihen müssen. Trotzdem wollen wir aber unseren offensiven Stil beibehalten“, meinte der frühere Bayern-Star. Für Bundestrainer Löw ist die Rückkehr des „Leaders“ ein großer Gewinn: „Er hatte bei der WM mit einigen Verletzungsproblemen zu kämpfen. Jetzt ist er aber wieder topfit, so daß sich andere Spieler an ihm aufrichten können.“ Damit meinte Löw in erster Linie die neue Innenverteidigung mit Manuel und Arne Friedrich, der nach seinem ausgestandenen Magen- und Darm-Infekt am Donnerstag wieder das volle Mannschaftstraining absolvieren konnte.

„Klinsmanns Anwesenheit fehlt“

„Die beiden haben heute schon sehr gut harmoniert. Wir haben ja noch zwei Tage, deshalb bin ich sicher, daß wie das bis Samstag hinbekommen“, erklärte der neue Löw-Assistent Hans Flick. Der frühere Münchner und Kölner Profi berichtete von der außergewöhnlichen „guten Atmosphäre“ in der Mannschaft, die ihm die Integration sehr einfach mache. Zudem lobte Flick die „perfekte Kommunikation“ innerhalb des gesamten Trainer- und Betreuerstabes.

Daran, daß das Duo Löw/Flick nach der erfolgreichen Ära Klinsmann die richtige Lösung ist, glaubt auch Ballack. „Es ist immer etwas anderes, wenn ein neuer Cheftrainer da ist. Aber Löw hat ja auch bislang schon entscheidenden Anteil an der Arbeit gehabt und in Flick einen Trainer geholt, der die Philosophie voll mitträgt. Da wird es keine Probleme geben“, sagte der Kapitän und fügte auf eine Frage zu Klinsmann dennoch vielsagend an: „Seine Anwesenheit fehlt.“

Sprüche rund um die Nationalmannschaft:

„Vielleicht braucht Poldi einen, der ihn an die Hand nimmt.“
(Kapitän Michael Ballack zur Aussage von Stürmer Lukas Podolski, daß er Jürgen Klinsmann bei der Nationalelf vermißt)

„Wir haben noch kein Doppelzimmer.“
(Assistent Hans Flick auf die Frage, wie eng die Zusammenarbeit zwischen ihm und Bundestrainer Joachim Löw bereits sei)

„Die Jungs wollen Fußball spielen - und das schmerzfrei.“
(Ballack zur Forderung der Nationalspieler nach freier Schuhwahl)

Quelle: FAZ.NET mit Material von dpa und sid
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