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Nationalmannschaft Ballack vor der Tür

08.09.2010 ·  Das deutsche Nationalteam hat seine ersten beiden EM-Qualifikationsspiele gewonnen. Ballack war nicht dabei, die Mannschaft kam auch ohne ihn zurecht. Bundestrainer Löw reagiert genervt auf Nachfragen zu seinem Kapitän.

Von Michael Horeni
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Als die Bilanz des erfolgreichen Doppelspieltags gezogen war, der Bundestrainer seine große Zufriedenheit über die spielerischen Fähigkeiten seines Teams gegen die hilflosen Aserbaidschaner herausgestellt hatte und der Blick schon zum Spitzenduell gegen die Türkei im Oktober ging – da wurden Löw und die Nationalmannschaft mit der letzten Frage auf der Pressekonferenz gleich wieder von der Vergangenheit eingeholt, die auch in den kommenden Wochen weiter die nationale Fußball-Diskussion beherrschen dürfte: Was wird aus Ballack?

Löw reagierte sichtlich angestrengt und distanziert auf einen medialen und nationalen Dauerbrenner, dem in der Nationalmannschaft in diesen Tagen mit Kühle, ja fast schon mit demonstrativer Gleichgültigkeit begegnet wird. Der Bundestrainer ließ nach dem ersten Etappenerfolg jedenfalls mit keiner Silbe erkennen, dass er in vier Wochen den dann 34 Jahre alten Kapitän gegen die Türkei und vier Tage später in Kasachstan herbeisehnte oder unbedingt im Team haben möchte. „Das ist jetzt nicht das Thema“, sagte der Bundestrainer unwirsch. Die Sache schien Löw schon lästig. Wenn er jedoch den Eindruck habe, dass der Leverkusener die Nationalelf „verstärkt“, dann werde er ihn nominieren. Aber eben nur dann.

Die Fakten jedoch, die mit dem 1:0 in Belgien und nun dem 6:1 gegen Aserbaidschan von der WM-Mannschaft in Richtung Europameisterschaft 2012 geschaffen wurden, machen den Weg zurück für Ballack immer schwieriger und auch unwahrscheinlicher. Es gilt als offenes Geheimnis, dass der Bundestrainer den sportlich hinterherhinkenden Kapitän auch deswegen nicht zur ersten Pflichtrunde eingeladen hatte, weil er die großen Bindekräfte, die aus der Weltmeisterschaft entstanden sind, für den EM-Start weiter nutzen und nicht durch die Person und Diskussion um Ballack gefährden wollte. Der innere Zusammenhalt der Mannschaft, der aus den Erfolgserlebnissen in Südafrika entstanden und immer weiter gewachsen ist, wird im Kreis der Nationalelf als noch wirkungsmächtiger empfunden als nach dem Sommermärchen 2006.

Löws Stamm steht

Aber auch wenn man das nicht psychologisch, sondern nur sportlich sehen möchte: Das Team in Richtung 2012 hat sich gefunden. Auch wenn Khedira in Belgien und nun in Köln keine überragende Leistung zeigte – beim Auftakt in Brüssel gehörte er sogar zu den schwächsten Spielern – gibt es sportlich keinen plausiblen Grund, weshalb er seinen Posten neben Schweinsteiger für Ballack räumen sollte. Zusammen mit dem Münchner hat er nun die letzten neun Pflichtspiele bestritten.

Das Team hat seitdem an seinen besten WM-Feiertagen brilliert und im EM-Qualifikationsalltag funktioniert. Es gibt also keinen Anlass für den Bundestrainer, die Mannschaft im Berliner Länderspiel gegen den größten Konkurrenten um den Gruppensieg mit dem alten Kapitän neu zu formieren. Es steckt darin sogar ein gewisses Risiko. Das gilt selbst dann, wenn Ballack in den drei, vier Bundesligaspielen, die ihm bis zur Nominierung als Bühne bleiben, glänzen sollte - und Khedira bei Real Madrid vor allem auf der Ersatzbank säße. Löws Stamm steht. Das ist eine sehr gute Nachricht für die Nationalmannschaft, aber eine schlechte für ihren Kapitän.

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Jahrgang 1965, Korrespondent für Sport in Berlin.

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