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Nationalmannschaft Antritt schwach, Auftritt stark

04.03.2010 ·  René Adler war die unglücklichste Figur bei der 0:1-Niederlage der deutschen Fußball-Nationalmannschaft im Testspiel gegen Argentinien. Der Torhüter steht aber immerhin zu seinem Malheur – in der Ich- und nicht in der Wir-Form.

Von Christian Eichler, München
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In einem hasenfüßigen Team war er der Einzige, der Mut zeigte – dummerweise im falschen Moment. Und der Einzige, der nach Schlusspfiff die Selbstkritik, die von Verlierern erwartet wird, nicht in der weichgespülten Wir-Form darbot (Michael Ballack: „Wir haben zu wenig nach vorne riskiert“; Philipp Lahm: „Es darf nicht passieren, dass wir uns zu Hause auskontern lassen“). Sondern in der schuld- und selbstbewussten Ich-Form: „Ich komme zu spät. Ich war überzeugt, dass ich ihn kriege. Ich war eine Zehntelsekunde zu langsam.“ Antritt schwach, Auftritt stark: Nach Schlusspfiff des mit 0:1 verlorenen Testspiels gegen Argentinien machte René Adler wenigstens einen Teil seines Malheurs wieder wett.

Auch der Umgang mit Fehlern ist Teil der Rolle einer Nummer eins, die Adler seit dieser Woche ganz offiziell für das deutsche WM-Team ist. Sein erster Auftritt mit diesem Status entwickelte sich in der unfreundlichsten Form, die ein Fußballspiel für einen Torwart annehmen kann. „Wir wollten den Gegner zu Fehlern zwingen“, sagte Lahm. Doch der Einzige, den das deutsche Team an diesem tristen Abend in München zu einem Fehler zwang, war der eigene Torwart. Dessen Timing beim 0:1 bestimmte den bleibenden Eindruck – die Schlagzeilen der Zeitungen und die Bildausschnitte der Fernsehnachrichten, weil sonst auch kaum etwas vorzuzeigen war von der deutschen Elf. Adler hatte eine Abwehr vor sich, die ihn einmal zu oft allein ließ, und einen Angriff, der nie in der Lage war, sein Versäumnis auszugleichen. So blieb die Schuld an ihm hängen.

Von Adlers „unnötigem“ Ausflug war danach zu lesen. Vom Vorgänger Oliver Kahn als TV-Experte kam der alte Satz: „Es wäre besser gewesen, er wäre auf der Linie geblieben. Wenn er rauskommt, muss er den Ball haben.“ Lässt man den Stammtisch-Anteil dieser Weisheit weg, sagt sie so viel wie: Bleib in Deckung, auf deiner Linie, dann kassierst du das Tor auch, siehst aber besser aus dabei. Bundestrainer Joachim Löw beurteilte die Szene differenzierter: „Dass René rausgelaufen ist, war eigentlich richtig.“ (siehe auch: Joachim Löw: „Es ist richtig, dass René Adler da rauskommt“) Schließlich war der Torhüter urplötzlich ganz allein in der deutschen Hälfte mit einem Argentinier.

Opfer eines Innenverteidigerfehlers

Das Richtige getan, nur im falschen Moment: „In dem Fall“, so Adler, „war es den berühmten Schritt zu spät.“ Die öffentliche Wahrnehmung gibt in solchen Fällen dem letzten Glied der Fehlerkette gern die alleinige Schuld. Dabei kam das größere Versäumnis beim entscheidenden Tor kurz vor der Pause von den Innenverteidigern Per Mertesacker und Serdar Tasci. Sie hatten sich sorglos bis weit in die gegnerische Hälfte vorgeschoben. So reichte Juan Sebastian Veron ein einfacher langer Ball, um Gonzalo Higuain hinter Mertesackers Rücken allein aufs deutsche Tor zu schicken.

„Eigentlich muss einer sich zum Spieler orientieren und der andere den Raum absichern“, räumte Mertesacker ein. „Aber in dieser Situation haben wir keins von beidem getan.“ Weil der lange Bremer zudem der falsche für ein Laufduell ist und kaum in der Lage, einen enteilten Angreifer wieder einzuholen, blieb René Adler nichts übrig, als aus seinem Tor zu kommen. Als er zu spät dran war, vermied er klugerweise ein Foul und damit eine Rote Karte. So durfte er auch Halbzeit zwei als Nummer eins spielen – in der er aber wenig Gelegenheit hatte, sich auszuzeichnen, und viel Glück, dass sich nach seinem zu kurzen Klärungsversuch Verons Heber knapp hinter das Tor senkte.

Auf der Habenseite des Adler-Abends stand die Glanzparade gegen den feinen Flügelmann Angel di Maria, der die deutsche Abwehr in der 38. Minute ausgetanzt hatte und dessen Schuss er an die Latte lenkte. Aber das war nach dem 0:1 nur noch eine Marginalie. Dafür wurde sein Malheur zur großen Sache. Adler zeigte sich klug genug, es nicht kleinzureden. Denn jeder Torwart ist nur so gut wie sein letzter Fehler – und so glaubwürdig wie seine Art, damit umzugehen. (Was denken Sie? )

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