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Nationalelf-Kommentar Löw ohne Krallen

22.11.2007 ·  Traditionalisten gegen Reformer: Erstmals seit Klinsmanns Abschied bläst der Führung der Nationalelf Wind ins Gesicht. Auf die neue Situation hat Joachim Löw keine Antwort gefunden. Der Bundestrainer wirkt kraftlos, weil er nur als sportliche Fachkraft auftritt. Das aber reicht nicht.

Von Michael Horeni
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Vor gut einem Monat, als die Deutschen 0:3 gegen Tschechien verloren hatten, war man sehr gespannt, wie Joachim Löw auf den ersten Rückschlag seiner Amtszeit reagieren würde. Er tat es in einer solch souveränen Weise, dass sich niemand ernsthaft um die Fortentwicklung der Nationalmannschaft sorgen musste.

Der Bundestrainer sprach offen über die sportlichen Schwächen des Tages und ordnete sie in den Gesamtzusammenhang der positiven Entwicklung seit der WM ein. Er erinnerte daran, dass seine jungen Spieler trotz der zahlreichen Fortschritte noch viel lernen müssten, um Weltklasseformat zu erreichen, und dass Stützen wie Ballack, Frings und Schneider derzeit nicht dauerhaft zu ersetzen seien. Aus dem Bundestrainer sprach die geballte Fachkompetenz – damals, als die deutsche Fußballwelt noch in Ordnung war.

Trainer und Spieler verweigern sich dem Kampf

Der Wind aber hat sich gedreht, und seit den Attacken von Rudi Völler bläst er der Führung der Nationalmannschaft zum ersten Mal seit Jürgen Klinsmanns Abschied wieder ins Gesicht. Mindestens die halbe Liga hat sich in dieser Woche öffentlich auf die Seite des ehemaligen Bundestrainers gestellt, der sich vor allem Oliver Bierhoff persönlich vorknöpfte – aber auch dem Gesamtkonzept der Nationalelf die Anerkennung verweigerte.

Auf die neue Situation hat Joachim Löw in diesen Tagen keine Antwort gefunden. Nach dem 0:0 zum trüben Jahresausklang 2007 sagte der Bundestrainer fast die gleichen Dinge wie nach dem 0:3 gegen Tschechien, aber diesmal wirkte er dabei seltsam matt. Auch seine Spieler hatten auf die Attacken aus Leverkusen und der allgemeinen Solidarisierung des alten deutschen Fußballsystems keine entsprechende Reaktion parat. Man kann sagen, dass sie den Kampf verweigert haben.

Keiner aus der Liga steht auf der Seite der Nationalelf

Vielleicht aber haben sie auch nur die Notwendigkeit nicht erkannt, mit entsprechendem Einsatz und Leidenschaft für ein Konzept zu kämpfen, für das es sich zu kämpfen lohnt – und offensichtlich hat es auch niemanden aus der Führung gegeben, der sie darauf hingewiesen hätte, dass es gegen Wales diesmal um ein bisschen mehr als nur um ein letztes, tabellarisch unbedeutendes Qualifikationsspiel ging.

Es gibt in der Debatte keine einzige bedeutende Stimme aus der Liga, die sich auf die Seite der Nationalmannschaft stellt. Der alte Konflikt zwischen Traditionalisten und Reformern, der mit der WM beendet und entschieden schien, hat seine Fortsetzung gefunden. Das Liga-Imperium hat bei der erstbesten Gelegenheit gnadenlos und inhaltslos zurückgeschlagen. Löw jedoch leugnete den Konflikt in Frankfurt. Er sprach lieber von der erstklassigen Zusammenarbeit mit den Bundesligatrainern, als seinen Manager zu verteidigen und den Konflikt öffentlich auszuhalten.

Auch wenn es zum Konzept der Arbeitsteilung zwischen Trainer und Manager gehören mag – hier der liebe Löw, da der böse Bierhoff, stellt sich die Frage, wer eigentlich die entscheidende Kraft bei der Nationalmannschaft ist – und wer sie in möglichen sportlichen Krisen sein wird und sein kann. Der Bundestrainer jedenfalls wirkte erstmals kraftlos, weil er nur als sportliche Fachkraft auftrat. Das aber reicht nicht, wenn Führungskraft gefragt ist.

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Jahrgang 1965, Korrespondent für Sport in Berlin.

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