Home
http://www.faz.net/-gtm-vzso
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER

Nadine Angerer „Vergleicht mich nicht mit Oliver Kahn!"

Am Wochenende spielte sie wieder für Turbine Potsdam in der Frauen-Bundesliga und kassierte sogar ein Gegentor. Die WM-Heldin Nadine Angerer im FAZ.NET-Interview über Gefühlsausbrüche, Werbeverträge und den grauen Alltag.

© AP Vergrößern Torfrau Angerer: „eher auf Lehmanns Seite”

Am Wochenende spielte sie wieder für Turbine Potsdam in der Frauen-Bundesliga und kassierte beim 1:1 vor 3000 Zuschauern in Essen-Schönbeck sogar ein Gegentor. Die WM-Heldin Nadine Angerer über Gefühlsausbrüche, Werbeverträge und den grauen Bundesliga-Alltag.

In dieser Woche haben sich ja fast alle Showmaster dieser Republik um Sie gerissen: Johannes B. Kerner, Jörg Pilawa, Thomas Gottschalk, um nur einige zu nennen.

Mehr zum Thema

Ja, das hätte ich auch nie gedacht, dass ich mal zu „Wetten, dass ...?" komme. Das ist schon eine Ehre. Aber Kerner habe ich abgesagt, da war am gleichen Tag ein Empfang in Potsdam - und der war mir wichtiger.

Fußball-Weltmeisterinnen feiern in Frankfurt © dpa Vergrößern Weltmeisterinnen: „Bis Donnerstag durfte gefeiert werden”

Nachdem Sie jetzt Ihre Fernsehtauglichkeit bewiesen haben - vielleicht springt ja auch noch ein lukrativer Werbevertrag für die Heldin der Weltmeisterschaft in China heraus ...

Ehrlich, darüber habe ich mir noch keine Gedanken gemacht. Werbeverträge machen - das ist nicht wichtig, sondern dass ich als Typ so bleibe, wie ich bin. Ich bin auf meine Art ein Typ.

Das sieht auch Ihr Trainer bei Turbine Potsdam, Bernd Schröder, so. Er lobt Ihre inneren Werte. Gleichzeitig hegt er Zweifel, ob die Werbung Sie wirklich entdecken will. Er glaubt, die PR-Experten wollen bei Frauen Modelmaße, so wie bei Heidi Klum. Doch mit so einer Figur könne man nun einmal nicht Fußball spielen.

Das ist seine Meinung, das geht auch völlig in Ordnung, was mich betrifft. Für Nagellack und Haarspray könnte ich sicher keine Werbung machen. Das wäre unpassend, ist aber auch nicht mein Ziel. Da gäbe es aber durchaus andere Spielerinnen, die dafür geeignet wären.

Für welches Produkt würden Sie denn gerne werben?

Ach, keine Ahnung. Für irgendwas, bei dem es um Afrika geht. Ich bin ein absoluter Afrika-Fan.

Man hört, für Ihren großen Traum von Afrika wollen Sie auch Ihre 50.000 Euro WM-Siegprämie einsetzen.

Erst mal zahle ich für die Prämie Steuern. Wohl nicht zu knapp. Dann schauen wir mal, was übrig bleibt. Das wird gespart. Irgendwann möchte ich ein Hotel für Rucksacktouristen in Afrika eröffnen. Dafür brauche ich noch mehr Geld, also muss ich noch ein paar weitere Titel gewinnen.

Es ist bekannt, dass Fußballspielerinnen den Vergleich mit männlichen Kollegen nicht mögen. Verzeihen Sie uns also, wenn wir behaupten: Sie hatten bei dieser WM etwas vom Titanen.

Bitte nicht.

Warum nicht?

Oliver Kahn ist ein sehr, sehr guter Torwart. Aber ein Vergleich mit ihm? Nein, da habe ich was dagegen. Wir sind vom Torhüterspiel völlig konträr. Wenn ich einen Vergleich ziehen würde, dann bin ich eher auf Jens Lehmanns Seite: der mitspielende Torwart. Oliver Kahn ist ein Beißer, Durchbrecher. Das bin ich nicht.

Aber da waren auch Ihre Gesten und Ihre Mimik bei dieser WM. Man hatte das Gefühl, Sie kriechen in das Spiel hinein und vergessen alles um sich herum. Dann gab es immer wieder eruptionsartige Gefühlsausbrüche. So wie bei Kahn.

Das stimmt, das war absolut so. Es waren ja auch immer spannende Spiele. Das hört sich vielleicht nicht so an, wenn wir 3:0 gegen Nordkorea oder Norwegen gewinnen - aber die Partien waren nicht so eindeutig. Da stauen sich unheimlich viele Emotionen auf. Als Feldspielerin kann man die abbauen, als Torwart nicht. Aber trotzdem würde ich mich nicht mit Kahn vergleichen wollen.

1 | 2 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Celia Sasic im Gespräch Der Wechsel nach Frankfurt war das Beste für mich

Mit dem Test gegen Frankreich am Samstag (14.00 Uhr) beginnt die Vorbereitung auf die Frauenfußball-WM 2015. Zuvor spricht Celia Sasic im F.A.Z.-Interview über ihre besondere Beziehung zum Gegner und die Vorfreude auf das Turnier in Kanada. Mehr

25.10.2014, 09:35 Uhr | Sport
Köln-Trainer Stöger im Interview

2014 führt der 48-jährige den großen 1. FC Köln zurück in die deutsche Bundesliga und seine Gegner heißen jetzt nicht mehr Amstetten, Parndorf und Ritzing, wie noch vor wenigen Jahren in der Dritten Liga seiner Heimat, sondern Bayern, Dortmund und, naja, Paderborn. Mehr

03.09.2014, 14:21 Uhr | Sport
Volleyball-Bundesliga Masterplan gegen den Mief

Bronze war gestern: Im Volleyball herrscht wieder Alltag. Stars wie Max Günthör sollen aus dem WM-Hype einen Liga-Hype machen - eine sehr schwierige Mission. Mehr Von Bernd Steinle

16.10.2014, 15:42 Uhr | Sport
Touristenparadies kämpft gegen Gewalt

Kenia war lange eines der beliebtesten Reiseziele in Afrika. Doch die ausländischen Touristen machen sich zunehmend rar - aus Angst vor Gewaltakten, aber auch wegen der Wirtschaftskrise und Konkurrenz durch andere ostafrikanische Staaten. Mehr

07.05.2014, 20:00 Uhr | Wirtschaft
Eintracht Frankfurt Eine Geduldsprobe - mal wieder

Marc Stendera gilt als Spielmacher der Zukunft. Doch bei der Frankfurter Eintracht muss er weiter auf den Durchbruch warten. Mehr Von Uwe Marx, Frankfurt

13.10.2014, 09:18 Uhr | Rhein-Main
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 08.10.2007, 12:59 Uhr

Was soll da verschwiegen werden?

Von Anno Hecker

Die Untersuchung der Vergangenheit der Uniklinik Freiburg wird behindert. Geht es womöglich gar nicht nur um die Doping-Kapitel? Denn die Kommission hat, ganz nebenbei, sogar eine Plagiatsaffäre aufgedeckt. Mehr 1