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Nach Platzverweis-Rekord Rote Karten, Schwarzer Peter

 ·  Nach den acht Platzverweisen vom Wochenende beginnen die Aufräumungsarbeiten: Salihovic muss drei Spiele zugucken, Höwedes, Mehmedi und Traoré je eins. Schiedsrichterboss Fandel verteidigt seine Zunft.

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© dpa Vergrößern Die Farbe Rot: Der Platzverweis für Coquelin (links) durch Schiedsrichter Stieler war höchst umstritten

Das Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) hat damit begonnen, die Platzverweis-Flut des vergangenen Wochenendes in der Fußball-Bundesliga aufzuarbeiten. Sejad Salihovic von 1899 Hoffenheim wurde am Montag für drei Spiele gesperrt, weil er während der Partie gegen den SC Freiburg (3:3) seinen Gegenspieler Julian Schuster geohrfeigt hatte. Der Freiburger Admir Mehmedi muss wegen einer Schiedsrichter- Beleidigung in einem leichteren Fall für ein Spiel aussetzen. Beide hatten am Samstag während des Baden-Derbys die Rote Karte gesehen.

Das gleiche Strafmaß wurde gegen den Schalker Benedikt Höwedes verhängt, der beim 1:2 gegen Hannover 96 wegen einer Notbremse vorzeitig zum Duschen in die Kabine musste. Ibrahima Traoré vom VfB Stuttgart wurde wegen unsportlichen Verhaltens für eine Partie gesperrt. Auch der 25-Jährige hatte am Sonntag in der Partie beim FC Augsburg (1:2) die Rote Karte gesehen. Stuttgarts Sportvorstand Fredi Bobic, der die Rote Karte für Traoré als einen „Wahnsinn“ bezeichnete, hatte nach dem Spiel vergeblich „einen Freispruch vom DFB“ gefordert.

Jobverlust nach Platzverweis

In Unterzahl konnten die Stuttgarter das Spiel nicht mehr drehen, was Trainer Bruno Labbadia am Montagmorgen letztlich den Job kostete. Kurz nach dem Abpfiff hatte dieser noch Verständnis für seinen Freiburger Kollegen Christian Streich geäußert, der sich am Samstag über die unberechtigte Gelb-Rote Karte für Francis Coquelin beim 3:3 in Hoffenheim in Rage geredet hatte und auf die Tribüne verwiesen wurde. „Ich kann den Kollegen verstehen, dass er fast durchgedreht ist“, sagte Labbadia.

Insgesamt gab es am vergangenen Wochenende acht Platzverweise in der Bundesliga. Schiedsrichterboss Herbert Fandel war danach bemüht, die Wogen der Empörung zu glätten. Der Schiedsrichter-Boss räumte in den Fällen Coquelin und Traoré tatsächlich Fehlentscheidungen ein. „Ich verschließe nicht die Augen vor den Situationen, in denen die Schiedsrichter nicht das richtige Maß angelegt und nicht die richtige Entscheidung getroffen haben“, sagte er.

Die teils massive Kritik an den Unparteiischen wollte er aber nicht gelten lassen. „Sie haben bei den allermeisten Entscheidungen richtig gelegen“, erklärte Fandel auf der DFB-Homepage.

Zu viele Emotionen im Spiel

Die Vereinsvertreter sehen dies anders. Schalkes Sportdirektor Horst Heldt sagte nach dem Schalker 1:2 bei Hannover 96: „Die Leistung des Schiedsrichters war einfach nicht gut.“ Wie in Hoffenheim flogen auch dort gleich drei Spieler vom Platz. „Vielleicht muss man nicht immer gleich Rot geben, wenn man Rot geben kann“, meinte Hannovers Sportdirektor Dirk Dufner. Ähnlich sieht es der frühere Nationalspieler Thomas Berthold. „Wenn der Schiedsrichter laufend Spieler vom Platz stellt, spielen wir bald fünf gegen fünf in Deutschland“, sagte er.

VfL Wolfsburgs Dieter Hecking bemängelte vor allem die unterschiedliche Bewertung gleicher Spielszenen durch die Referees. Dem stimmte Fandel sogar zu: „Unser Ziel muss es sein, eine noch größere Einheitlichkeit bei der regeltechnisch notwendigen und dem Tathergang entsprechenden Beurteilung von Situationen zu erreichen.“ Den Schwarzen Peter für die vielen Roten Karten wollte er sich und den Schiedsrichtern jedoch nicht zuschieben lassen. Die Ursache sei, „dass zu Beginn der Saison bei einigen zu viele Emotionen im Spiel sind.“

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