http://www.faz.net/-gtl-7gxqv
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 26.08.2013, 16:51 Uhr

Nach Platzverweis-Rekord Rote Karten, Schwarzer Peter

Nach den acht Platzverweisen vom Wochenende beginnen die Aufräumungsarbeiten: Salihovic muss drei Spiele zugucken, Höwedes, Mehmedi und Traoré je eins. Schiedsrichterboss Fandel verteidigt seine Zunft.

© dpa Die Farbe Rot: Der Platzverweis für Coquelin (links) durch Schiedsrichter Stieler war höchst umstritten

Das Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) hat damit begonnen, die Platzverweis-Flut des vergangenen Wochenendes in der Fußball-Bundesliga aufzuarbeiten. Sejad Salihovic von 1899 Hoffenheim wurde am Montag für drei Spiele gesperrt, weil er während der Partie gegen den SC Freiburg (3:3) seinen Gegenspieler Julian Schuster geohrfeigt hatte. Der Freiburger Admir Mehmedi muss wegen einer Schiedsrichter- Beleidigung in einem leichteren Fall für ein Spiel aussetzen. Beide hatten am Samstag während des Baden-Derbys die Rote Karte gesehen.

Das gleiche Strafmaß wurde gegen den Schalker Benedikt Höwedes verhängt, der beim 1:2 gegen Hannover 96 wegen einer Notbremse vorzeitig zum Duschen in die Kabine musste. Ibrahima Traoré vom VfB Stuttgart wurde wegen unsportlichen Verhaltens für eine Partie gesperrt. Auch der 25-Jährige hatte am Sonntag in der Partie beim FC Augsburg (1:2) die Rote Karte gesehen. Stuttgarts Sportvorstand Fredi Bobic, der die Rote Karte für Traoré als einen „Wahnsinn“ bezeichnete, hatte nach dem Spiel vergeblich „einen Freispruch vom DFB“ gefordert.

Jobverlust nach Platzverweis

In Unterzahl konnten die Stuttgarter das Spiel nicht mehr drehen, was Trainer Bruno Labbadia am Montagmorgen letztlich den Job kostete. Kurz nach dem Abpfiff hatte dieser noch Verständnis für seinen Freiburger Kollegen Christian Streich geäußert, der sich am Samstag über die unberechtigte Gelb-Rote Karte für Francis Coquelin beim 3:3 in Hoffenheim in Rage geredet hatte und auf die Tribüne verwiesen wurde. „Ich kann den Kollegen verstehen, dass er fast durchgedreht ist“, sagte Labbadia.

Herbert Fandel beendet Schiedsrichter-Karriere © ddp Vergrößern Schiedsrichterboss Fandel: zu viele Emotionen bei den Spielern

Insgesamt gab es am vergangenen Wochenende acht Platzverweise in der Bundesliga. Schiedsrichterboss Herbert Fandel war danach bemüht, die Wogen der Empörung zu glätten. Der Schiedsrichter-Boss räumte in den Fällen Coquelin und Traoré tatsächlich Fehlentscheidungen ein. „Ich verschließe nicht die Augen vor den Situationen, in denen die Schiedsrichter nicht das richtige Maß angelegt und nicht die richtige Entscheidung getroffen haben“, sagte er.

Die teils massive Kritik an den Unparteiischen wollte er aber nicht gelten lassen. „Sie haben bei den allermeisten Entscheidungen richtig gelegen“, erklärte Fandel auf der DFB-Homepage.

Zu viele Emotionen im Spiel

Die Vereinsvertreter sehen dies anders. Schalkes Sportdirektor Horst Heldt sagte nach dem Schalker 1:2 bei Hannover 96: „Die Leistung des Schiedsrichters war einfach nicht gut.“ Wie in Hoffenheim flogen auch dort gleich drei Spieler vom Platz. „Vielleicht muss man nicht immer gleich Rot geben, wenn man Rot geben kann“, meinte Hannovers Sportdirektor Dirk Dufner. Ähnlich sieht es der frühere Nationalspieler Thomas Berthold. „Wenn der Schiedsrichter laufend Spieler vom Platz stellt, spielen wir bald fünf gegen fünf in Deutschland“, sagte er.

1899 Hoffenheim - SC Freiburg © dpa Vergrößern Glatt Rot: Sejad Salihovic hat schon seine Sperre von drei Spielen erhalten

VfL Wolfsburgs Dieter Hecking bemängelte vor allem die unterschiedliche Bewertung gleicher Spielszenen durch die Referees. Dem stimmte Fandel sogar zu: „Unser Ziel muss es sein, eine noch größere Einheitlichkeit bei der regeltechnisch notwendigen und dem Tathergang entsprechenden Beurteilung von Situationen zu erreichen.“ Den Schwarzen Peter für die vielen Roten Karten wollte er sich und den Schiedsrichtern jedoch nicht zuschieben lassen. Die Ursache sei, „dass zu Beginn der Saison bei einigen zu viele Emotionen im Spiel sind.“

Mehr zum Thema

Quelle: dpa

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Probleme bei EM Der Rasen ist eine Schande

Der Rasen in einigen EM-Stadien sieht eher braun als grün aus. Den Spielern und Trainern gefällt der Stolperparcours gar nicht. Für die Probleme mit dem Spielfeld gibt es verschiedene Gründe. Mehr Von Roland Zorn, Lille

20.06.2016, 20:21 Uhr | Sport
Fußball-Europameisterschaft Letzte Vorbereitungen vor Spiel gegen Ukraine

Vor dem ersten EM-Spiel der deutschen Nationalmannschaft gegen die Ukraine schnupperte das DFB-Team in Lille Stadionluft. Bundestrainer Joachim Löw ließ sich auf einer Pressekonferenz nicht in die Karten schauen. Mehr

12.06.2016, 19:25 Uhr | Sport
#TrikotGate bei Fußball-EM Puma findet Ursache für zerrissene Shirts

Gleich sieben Schweizer Trikots rissen im EM-Spiel gegen Frankreich. Im Internet gab es Spott und Häme für Puma. Nun erklärt der Ausrüster, warum es so viele kaputte Shirts gab. Mehr

20.06.2016, 17:18 Uhr | Sport
Frankfurt Brych pfeift bei der Fußball-EM in Frankreich

Der deutsche Schiedsrichter Felix Brych und seine 17 Kollegen treffen sich am 6. Juni in Paris, um sich auf die EM vorzubereiten. Mehr

26.05.2016, 11:48 Uhr | Sport
EM-Übersteiger Die 25. Mannschaft als Überraschungsteam

Alle Nationen haben bei der EM nun gespielt. Die Zwischenbilanz zeigt, dass über ein Thema, das sonst oft für große Debatten sorgt, dieses Mal kaum geredet wird. Mehr Von Achim Dreis

15.06.2016, 13:15 Uhr | Sport

Die Formel für ein Müller-Tor

Von Moritz Rinke

Todesbäume, Überlebensbäume – die K.O.-Runde ist gekennzeichnet von allerlei kuriosen Erscheinungen. Man fragt sich: Geht es vielleicht noch komplizierter? Ja, es geht. Mit der Müller-Formel. Mehr 0