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Nach der Absage Die Politik will ihre WM-Party - irgendwo

14.01.2006 ·  Den von Politikern geforderten Ersatz für die abgesagte WM-Gala wird es nicht geben - zumindest nicht unter der Ägide von Fifa und Organisationskomitee. Dessen Vizepräsident Niersbach dementierte Differenzen zwischen dem deutschen OK und dem Weltverband.

Von Michael Ashelm
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Anders als jetzt vor allem Politiker vehement fordern, soll es keine Ersatzveranstaltung für die geplatzte Eröffnungsgala der Fußball-Weltmeisterschaft geben - zumindest nicht unter der Ägide des Internationalen Fußball-Verbandes (Fifa) oder des deutschen WM-Organisationskomitees (OK). "Definitiv nein", sagte Wolfgang Niersbach am Samstag der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

Gleichzeitig bestritt der OK-Vizepräsident Mutmaßungen, daß nach der überraschenden Absage der Veranstaltung durch die federführende Fifa am Freitag beide Organisationen nun im Clinch liegen könnten. "Die Entscheidung ist gemeinsam gefallen. Es gibt keine Differenzen zwischen uns und der Fifa", so Niersbach. Doch eines steht fest: Die Serie von Mißerfolge und schlechten Nachrichten hält an.

München und Berlin wollen Ersatzfeier

Nachdem die vom österreichischen Künstler Andre Heller pompös geplante Gala für den 7. Juni im Berliner Olympiastadion (zwei Tage vor dem Eröffnungsspiel zwischen Deutschland und Costa Rica in München) ins Wasser fällt, mehren sich allerdings die kritischen Stimmen aus der Politik, die Ersatz für die prestigeträchtige Hauptstadt-Party fordern. "Ob mit oder ohne Andre Heller wäre es schön, einen festlichen Auftakt zur WM zu haben. Ein möglicher Ort wäre das Olympiastadion, doch auch das Brandenburger Tor käme in Frage", sagte der Vorsitzende des Bundestags-Sportausschusses, Peter Danckert (SPD). Auch der Regierende Bürgermeister Berlins, Klaus Wowereit, zielt in diese Richtung und bietet der Fifa eine Alternativfeier am 7. Juni vor dem Brandenburger Tor an. München, wo am 6. Juni im alten Olympiastadion schon eine kleinere Veranstaltung im Vorfeld der WM stattfinden wird, bringt sich durch seinen Oberbürgermeister Christian Ude ins Gespräch. Aber man bräuchte eine neue Finanzierung, da der bisherige Geldgeber Fifa wohl unwiederbringlich ausfällt. "Die Gala ist ersatzlos gestrichen", bestätigte der Kommunikationsdirektor der Fifa, Markus Siegler, der "Stuttgarter Zeitung".

Niersbach dementiert finanzielle Gründe

Weiterhin weist OK-Vizepräsident Niersbach darauf hin, daß die Absage aus organisatorischen Gründen erfolgte. Das Berliner Olympiastadion könnte mit Gala am 7. Juni nicht bis zum WM-Auftakt der Brasilianer dort am 13. Juni wieder spielfertig übergeben werden, zu groß sei die Gefahr, daß das Feld durch die technischen Auf- und Abbauten in Mitleidenschaft gezogen würde. "Wenn im ersten Spiel der Rasen nachgibt, Ronaldo ausrutscht und das Tor deshalb nicht trifft, dann wären wir richtig blamiert", sagt Niersbach.

Doch kursieren auch Gerüchte, daß Zeremonienmeister Andre Heller, der vor allem durch das Zutun des ehemaligen Bundeskanzlers Gerhard Schröder den Auftrag für die glamouröse Show im ursprünglich geplanten Wahljahr erhalten hatte, das Budget von 25 Millionen Euro satt zu überziehen drohte. Das allerdings dementiert Niersbach. "Die Gründe sind organisatorisch, nicht finanziell." Allerdings gesteht er ein, daß die Entscheidung über das Aus für Andre Hellers aufwendiges Spektakel früher hätte fallen müssen und zu lange hinausgezögert wurde.

„Panik im Organsationskomitee“

Bei allen Erklärungsversuchen - das deutsche Organisationskomitee kommt in diesen Wochen nicht zur Ruhe. Nach der kritischen Diskussion um den Erwerb von Eintrittskarten inklusive der gerichtlichen Auseinandersetzung mit den Verbraucherschützern und dann den spektakulären Erkenntnissen der Stiftung Warentest zur Sicherheit in deutschen WM-Arenen ist nun die recht kurzfristig gewählte Absage der Gala ins Kontor geschlagen. Aber weder könne das die eigene Arbeit noch die "partnerschaftliche Beziehung" zur Fifa vor der Weltmeisterschaft belasten, wie Niersbach meint. Fest steht: Die Vorfälle und Diskussionen schaden in der Summe vor allem dem Erscheinungsbild des OK, wenn sie die Vorbereitungen auch bislang nicht eklatant zu stören vermögen.

Gerade im Ausland werden die Vorkommnisse im Land des Organisationsweltmeisters mit gewisser Schadenfreude beobachtet. "Panik im Organsationskomitee", titelte die Neue Zürcher Zeitung. "Wir sind darauf eingestellt, daß jeder Zwischenfall - und wenn es um die Ablösung eines Schiedsrichters in der Bezirksliga Oberbayern geht - in Zusammenhang mit der WM gebracht wird", sagt Niersbach dazu süffisant. Beim OK herrscht zumindest äußere Gelassenheit - gepaart mit dem Mut zur Gegenoffensive. Wehren will man sich gegen die negativen Qualitätsurteile der WM-Arenen. "Bei allem Respekt vor der Stiftung Warentest. Es zeichnet sich ab, daß ein absurd falsches Bild gezeichnet wurde", sagt Niersbach. Im Gegensatz zur verworfenen Gala ist hier wohl noch nicht das letzte Wort gesprochen.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 15. Januar 2006
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