13.11.2007 · Reinhard Rauball, Präsident der Liga und von Borussia Dortmund, fürchtet zwar keine Ausschreitungen wie in Italien, Entwarnung will er aber nicht geben: „Gewalt und Rassismus haben sich in Deutschland in die unteren Ligen verlagert.“
Reinhard Rauball fürchtet zwar keine Ausschreitungen wie in Italien, Entwarnung will er aber nicht geben: „Gewalt und Rassismus haben sich in Deutschland in die unteren Ligen verlagert.“ Der Liga-Präsident im F.A.Z.-Gespräch.
In Italien werden Polizeistationen und Sportinstitutionen von Fußball-Rowdys angegriffen. Fürchten Sie, dass Ähnliches auch in Deutschland geschehen könnte?
Ganz klar: nein. Die Fankultur in Deutschland hat sich seit Mitte der achtziger Jahre positiv entwickelt. Aber man muss immer wachsam bleiben.
Weshalb halten Sie ein Überschwappen dieser Art von Gewalt für unmöglich?
Weil wir in Deutschland das Thema strukturell angegangen sind. Wir haben Fanprojekte installiert, die Klubs haben Fanabteilungen gegründet. Es gibt bei uns einen viel stärkeren Dialog zwischen Vereinen und Fans. Das geht von der Einbindung der Fans bei der Auswahl der Trikots über die Beteiligung an der Saisonvorbereitung bis hin zur Aufnahme einzelner in den Aufsichtsrat. Zudem sind wir führend in der Infrastruktur bei allem, was sich rund um die Stadionsicherheit dreht. Die Abnahme von Fanausschreitungen in der Bundesliga hat auch damit zu tun, dass die Vereine ein Punktspiel zu einem Familienereignis gemacht haben, schon durch die vergleichsweise sehr niedrigen Eintrittspreise. Der liegt bei 18 Euro im Durchschnitt, in England bei 50 Euro.
In Deutschland wurden aber auch schon Polizisten gejagt, siehe Leipzig, Dresden und die Probleme in Rostock: Ist dies eher ein Phänomen des Ostens und der dritten Liga?
Ich glaube, die Themen Gewalt und Rassismus haben sich von der Bundesliga auf untere Ligen bis hin zu Jugendspielen verlagert. Gewalt bei Jugendspielen haben wir gerade im Ruhrgebiet erleben müssen - deshalb würde ich bei den Themen nicht zwischen Ost und West trennen.
Der Zusammenhang zwischen Fußball-Hooligans und Rechtsextremismus ist in vielen Fällen evident, gerade in Italien, aber auch in Deutschland: Müssen die Vereine eine stärkere politische Aufklärung betreiben oder zumindest Position beziehen?
Die Vereine, der DFB und die DFL tun schon sehr viel. Aber wer viel tut, weiß auch, dass er noch mehr tun kann. In der Bundesliga hatten wir vor kurzem die Stadionaktion „Zeigt Rassismus die Rote Karte". Die DFL wird noch in diesem Monat eine große Veranstaltung abhalten, das „Fachgespräch Bundesliga für Toleranz und Miteinander". In großem Rahmen werden mit vielen Organisationen Strategien diskutiert und erarbeitet.
Fachgespräch für Toleranz und Miteinander: Das wirkt allgemein und vage.
Wir behandeln die Themen Gewalt, Rassismus und Rechtsradikalismus. Es gibt keinen Grund, das Spektrum einzuengen.
In Italien haben Ultras Einfluss auf die Vereine gewonnen, bedrohen und erpressen sie sogar. Wie sehr stehen DFL-Vereine unter Druck?
Bisher gab es noch nicht einmal im Ansatz Tendenzen dazu.
Zumindest über das Internet werden Vereine anonym agitiert. Wie reagieren Sie in Dortmund darauf?
In Dortmund kommt so etwas nicht vor. Anonyme Beiträge im Internet lese ich nicht. Aber der BVB ist offen und ansprechbar für direkte Gespräche. Ich habe übrigens ausführliche Interviews mit Redaktionen von Fanforen geführt. Die Erfahrungen waren positiv.
Wie ist dem Problem der Gewalt im Fußball generell beizukommen, was speziell kann die DFL tun?
Die DFL stellt jährlich einen siebenstelligen Betrag zur Verfügung, um die Fanprojekte zu unterstützen, die DFL hat kürzlich einen Fanbeauftragten eingestellt, sie integriert Fanorganisationen. Das geht sogar so weit, dass wir vor den letzten Verhandlungen über die Vergabe der Fernsehrechte mit dem Sprecher der Fanbeauftragten über deren Ansichten über die Fernsehvermarktung diskutiert haben, deren Argumente angehört haben.
Ist die Formel richtig: Je weniger Geld zur Betreuung fließt, desto größer die Probleme mit den Fans?
Unter dem Strich stimmt die Gleichung. Falsch ist aber, dass nur Geld Fanausschreitungen verhindert. Aber der sozialpädagogische Aufwand und die Vermittlung von Bildung müssen eben finanziert werden.
Sind die Strafen für Fußball-Gewalttäter in Deutschland zu gering
Ich bin immer sehr skeptisch, wenn nach einem Ereignis populistisch höhere Strafen gefordert werden. Der Strafenkatalog ist meiner Meinung nach in fast allen Fällen hoch genug, es ist fast immer nur die Frage der Anwendung. Da sind die Richter gefragt, und sie sind unabhängig und brauchen keine Belehrungen von außen.
| Verein | Sp | Diff | Pkt. | |||
|---|---|---|---|---|---|---|
| 1. | ![]() |
Borussia Dortmund | 34 | 55 | 81 | ![]() |
| 2. | ![]() |
Bayern München | 34 | 55 | 73 | ![]() |
| 3. | ![]() |
FC Schalke 04 | 34 | 30 | 64 | ![]() |
| 4. | ![]() |
Bor. Mönchengladbach | 34 | 25 | 60 | ![]() |
| 5. | ![]() |
Bayer Leverkusen | 34 | 8 | 54 | ![]() |
| 6. | ![]() |
VfB Stuttgart | 34 | 17 | 53 | ![]() |
| 7. | ![]() |
Hannover 96 | 34 | -4 | 48 | ![]() |
| 8. | ![]() |
VfL Wolfsburg | 34 | -13 | 44 | ![]() |
| 9. | ![]() |
Werder Bremen | 34 | -9 | 42 | ![]() |
| 10. | ![]() |
1. FC Nürnberg | 34 | -11 | 42 | ![]() |
| 11. | ![]() |
1899 Hoffenheim | 34 | -6 | 41 | ![]() |
| 12. | ![]() |
SC Freiburg | 34 | -16 | 40 | ![]() |
| 13. | ![]() |
FSV Mainz 05 | 34 | -4 | 39 | ![]() |
| 14. | ![]() |
FC Augsburg | 34 | -13 | 38 | ![]() |
| 15. | ![]() |
Hamburger SV | 34 | -22 | 36 | ![]() |
| 16. | ![]() |
Hertha BSC | 34 | -26 | 31 | ![]() |
| 17. | ![]() |
1. FC Köln | 34 | -36 | 30 | ![]() |
| 18. | ![]() |
1. FC Kaiserslautern | 34 | -30 | 23 | ![]() |