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„Mourinho oder wir!“ Real Madrid vor Clásico in Aufruhr

 ·  Real und Barca treffen zum ersten von drei Clásicos in den nächsten fünf Wochen aufeinander. Die Lage könnte nicht unterschiedlicher sein. Im Mittelpunkt des Wirbels steht wieder Mourinho.

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© AFP Vergrößern Jose Mourinho muss sich warm anziehen bei Real Madrid

Das Mittagessen, über das noch immer geredet wird, fand am 22. Januar im Hauptsitz des Konzerns ACS im Madrider Norden statt. Firmenchef Florentino Pérez, im Nebenberuf Präsident von Real Madrid, hatte Torwart Iker Casillas und Verteidiger Sergio Ramos, den Kapitän und seinen Stellvertreter, zum Gespräch geladen.

Es ging um die Erfolgsprämie im Fall des Gewinns der Champions League. Der Klub mit den höchsten Einnahmen der Welt ließ sich nicht lumpen: Zehn Millionen Euro, je 400.000 pro Spieler, wäre Pérez der europäische Triumph wert. Das letzte Mal - gegen Bayer Leverkusen mit dem Siegtor durch Zidanes unvergessenen Volleyschuss - liegt schon über elf Jahre zurück.

Doch womit sich die Sportmedien in den Tagen darauf beschäftigten, waren nicht zehn Millionen Euro, sondern die unerhörten Vorgänge in der Real-Kabine. Casillas und Ramos, so das Sportblatt „Marca“, sollen dem Präsidenten eine Botschaft überbracht haben: „Entweder Mourinho oder wir“. Mit anderen Worten, verlasse der portugiesische Erfolgstrainer zum Sommer nicht den Verein, seien zahlreiche Spieler entschlossen, ihrerseits zu gehen.

„Es gibt sieben Leute, die den Anblick Mourinhos nicht mehr ertragen“, hieß es im Radiosender Cadena Cope, „allen voran Casillas und Ramos.“ Aber auch Mesut Özil, Ángel Di María, Karim Benzema, Gonzalo Higuaín und selbst Cristiano Ronaldo könnten dazugehören. Alle, die Mourinhos öffentliche Kritik eingesteckt haben und die Selbstherrlichkeit des Mannes nicht mehr ertragen.

Mourinho hat vielen vor den Kopf gestoßen

Ein paar Tage später berief der Präsident eine Pressekonferenz ein, um das Gerücht zu dementieren. Es gebe Leute, sagte Pérez, die den Klub „destabilisieren“ wollten. Das aber erledigt der schon selbst, wenn man der Mehrheitsmeinung Glauben schenken darf. José Mourinho, der allmächtige Real-Manager, hat inzwischen so viele Menschen vor den Kopf gestoßen, dass sein Weitermachen über Juni 2013 immer unwahrscheinlicher wird. Ein lautloser Aufstand der Spieler, um mit einem frischen Gesicht den Spaß an der Arbeit zurückzugewinnen, wäre also denkbar.

Abgehängt in der Liga -Platz drei mit fünfzehn Punkten Rückstand auf den FC Barcelona -, geht es für den Coach nur noch darum, die Saison aufzuhübschen und einen Titel mitzunehmen. Das dürfte am ehesten in der Copa del Rey klappen, dem längst nicht mehr verachteten Wettbewerb, in dem Real an diesem Mittwoch zum Halbfinalhinspiel den FC Barcelona empfängt (21.00 Uhr / Live bei Laola1.tv). Es ist der erste von drei Clásicos in den nächsten fünf Wochen.

Die Lage in den Klubs könnte nicht unterschiedlicher sein. Barça spielte unter dem zum Chef aufgerückten ehemaligen Guardiola-Assistenten Tito Vilanova die beste Hinrunde der spanischen Fußballgeschichte. Muss Vilanova zur Krebstherapie nach New York wie in diesen Tagen, nimmt dessen Gehilfe Jordi Roura auf der Trainerbank Platz, und alles läuft weiter wie bisher.

Roura war bis vor sechs Monaten Talentspäher. Barcelonas System, auf Spielideen gegründet, funktioniert auch ohne Einpeitscher oder großen Zampano. Nur wenige Monate nach Reals Meisterschaft haben sich die Katalanen die Vormachtstellung wiedergeholt. Die Verpflichtung Pep Guardiolas durch Bayern München hat gezeigt, dass ihre Philosophie international als zukunftweisend gilt.

Real-Torwart Casillas fällt monatelang aus

Auf dem Papier spricht noch anderes gegen Real. Außer Innenverteidiger Pepe und dem rotgesperrten Ramos fehlt auch Casillas; der Nationalkeeper fällt nach seinem Handbruch im Pokalmatch gegen Valencia - Mannschaftskamerad Arbeloa wollte den Ball wegdreschen und erwischte statt dessen den Keeper - für zwei bis drei Monate aus.

Vorn ist Cristiano Ronaldo zwar in prächtiger Schusslaune, gefüttert vom Publikumsliebling Mesut Özil, der das Jahr phänomenal begonnen hat. Doch da gibt es noch einen Leo Messi, der unermüdlich nach neuen Rekorden jagt. Seine Ausbeute gegen Real Madrid liegt schon bei insgesamt siebzehn Treffern, und ob er auswärts trifft oder daheim, macht für den Wunderstürmer keinen Unterschied.

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