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Mohamed Zidan Endlich zurück in Mainz

 ·  Bei großen Klubs wie zuletzt in Dormund ist Mohamed Zidan nie so recht angekommen, aber bei Mainz 05 hat der 30 Jahre alte Stürmer stets überzeugt. Jetzt ist er wieder in Rheinhessen - zum dritten Mal.

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© dapd Zurück in Mainz: Mohamed Zidan auf dem Weg zum ersten Training

Wer am Trainingsgelände von Mainz 05 einen der beiden besten Parkplätze ergattern will, der benötigt eine gewisse Kaltschnäuzigkeit - also genau jene Qualität, die der Bundesliga-Zwölfte in der laufenden Saison allzu oft vermissen ließ. Während auf dem Fußballfeld der gegnerische Torhüter die Gefühlslage strapaziert, ist es auf dem Parkplatz ein Schild mit der Aufschrift „Feuerwehrzufahrt freihalten“. Bislang ließen sich allein Stürmer Adam Szalai und Ersatztorwart Heinz Müller davon recht wenig beeindrucken.

Sie stellten ihre PS-Boliden stets in der ersten Startreihe ab. Nun haben sie Konkurrenz bekommen im Wettstreit um die begehrten Quadratmeter. Denn Mohamed Zidan, am Dienstag aus Dortmund nach Mainz gewechselter Angreifer und Autonarr, nutzte eben jene Parkfläche schon vor Jahren höchst gerne.

Um genau um eine solche Konkurrenzsituationen scheint es Mainz 05 und Thomas Tuchel zu gehen. Der 38 Jahre alte Trainer hatte in den vergangenen Wochen festgestellt, dass in seinem Ensemble zwar viele begabte Nebendarsteller agierten, aber zu wenige Spieler, die „auf die Bühne drängen“. Zidan, mit Ägypten 2010 Afrikameister, aber im Dortmunder Meisterkader nur noch Ersatzspieler, ist nun genau so einer, der es auf das Scheinwerferlicht und eben auch den Abstellplatz vor der Feuerwehrzufahrt abgesehen hat. „Mo bringt einen Zuwachs an Torgefahr, Kreativität und Spielfreude“, sagt Tuchel. „Wir wollten aber vor allem einen extrovertierten Spieler haben, weil wir das etwas vermisst haben.“

Außerhalb von Mainz ohne Fortüne

In Mainz hat Zidan, der sich früher für keine Schandtat vom Kurzzeit-Tattoo mit Mainz-Schriftzug bis hin zu skurrilsten Frisuren mit einrasiertem Vereinslogo zu schade war, für seine Art schon lange den liebevoll gemeinten Kosenamen „der verrückte Ägypter“ erhalten. Die abermalige Rückkehr bestätigt diesen Ruf. Die Vorstellung am Mittwoch war schließlich der Aufgalopp zum dritten Gastspiel an alter Wirkungsstätte. So häufig sind in fünf Bundesliga-Jahrzehnten noch nicht viele vom selben Verein verpflichtet worden.

In Rheinhessen hatte der 30 Jahre alte Profi freilich seine bislang wohl besten Leistungen gezeigt. In der Saison 2005/06 und im zweiten Halbjahr der Spielzeit 2006/07 erzielte er in 41 Spielen 22 Tore. Nach dem ersten Mainz-Aufenthalt auf Leihbasis wurde er wegen seiner Leistungen umgehend wieder zum Besitzerklub nach Bremen zurückbeordert, wo er indes so wenig zu überzeugen wusste, dass Werder seinen Stürmer zur Winterpause bereitwillig für 2,5 Millionen Euro Ablöse ziehen ließ.

Ein halbes Jahr später waren die Rheinland-Pfälzer trotz Zidans 13 Rückrundentoren abgestiegen. Der Marktwert des Ägypters hatte sich aber verdoppelt, sodass der Klub beim Wechsel zum HSV gutes Geld verdiente. Nun kehrt er weitere fünf Jahre und einige Gehaltsmillionen später für einen geringen Obulus von angeblich 150.000 Euro Ablöse aus Dortmund zurück, wohin ihn sein ehemaliger Mainzer Ziehvater Jürgen Klopp gelotst hatte. „Ich habe die Zeit hier nie vergessen“, sagte Zidan und fügte trotz eines vorerst nur bis Sommer datierten Arbeitsvertrags hinzu, dass er nicht mehr weggehen wolle. „Meine Freundin hat unserem einjährigen Sohn Adam auch gesagt, dass wir endlich richtig zuhause sind.“

Chemie stimmt

Weil er bei seinen Expeditionen ins Reich der Großklubs Bremen, Hamburg und Dortmund bei nur 19 Toren in mehr als 100 Ligaeinsätzen oberflächlich betrachtet nie auch nur ähnlich herausragende Arbeit wie in Mainzer Diensten geleistet hat, hängt Zidan in der Branche der Ruf eines Hallodri an, der mit seinen Eigenheiten lediglich in der Provinz „funktioniert“.

Auch deshalb war es Manager Christian Heidel wichtig, dass sich sein von diesen Vorurteilen nicht gänzlich freier Trainer bei einem Treffen am 4. Januar selbst ein Bild machen sollte. Also ließ er Thomas Tuchel und Zidan eine gute Stunde lang allein. „Als ich dann wieder ins Zimmer kam, lagen beide vor Lachen fast neben dem Sofa“, sagt Heidel. „Da wusste ich, dass die Chemie stimmt.“

Dennoch hing der Transfer am seidenen Faden. Dortmund hatte die Freigabe nur unter der Voraussetzung zugesagt, dass Lucas Barrios nicht den Verein verlassen würde. Dessen Wechsel nach Fulham scheiterte erst kurz vor Transferschluss. Für den BVB hat Zidans neuer Job nun einen schönen Nebeneffekt: Er kann am Samstag einem Dortmund-Verfolger und ganz besonderen Rivalen weh tun. Im Auswärtsspiel bei Schalke 04 müht sich der Ägypter gewissermaßen für zwei Klubs um eine Punktausbeute.

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Jahrgang 1973, Sportredakteur.

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